«Mein Schatz»

Das warnende Beispiel von Sméagol

Die zwielichtige Person Sméagol, später auch Gollum genannt, in J.R.R. Tolkiens «Der Herr der Ringe» ist vor allem durch ihre Besessenheit für ihren Schatz bekannt. Sie steht sinnbildlich auch für unser Leben. Es kann die Seele krank machen, wenn wir uns zu stark an Irdisches hängen. Erlösung ist im schwierigen Prozess des Loslassens zu finden.

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Was es bedeuten kann, wenn man sich zu sehr an einen Schatz bindet, zeigt die Geschichte von Sméagol in «Der Herr der Ringe»
Nachdem kleine Kinder ihre ersten Wörter gelernt haben – Mama, Papa – erweitern sie ihren Wortschatz ziemlich bald um einen Begriff, der ihnen hilft, vieles ein- und zuzuordnen: «Meins». Dieses scheinbar einfache Wort ist aber gar nicht so einfach. Es wird nämlich von Anfang an von einer Haltung des «Ich will alles im Griff behalten» oder «Ich habe alles unter Kontrolle» begleitet.

Ich rede von meiner Karriere, meinen Freunden, meinem Was-auch-immer. Und das besitzanzeigende Fürwort unterstreicht dabei unsere ichzentrierte Kultur. Dabei wird bei näherem Hinsehen schnell deutlich, dass wenig (um nicht zu sagen nichts) uns wirklich gehört. Theoretisch ist es uns klar, dass alles Gott gehört, doch wir halten gleichzeitig fest an der Vorstellung, unser Leben selbst zu kontrollieren.

Das grosse Aber

Wie sieht die Realität aus? Wir probieren, vieles im Griff zu haben, doch Geld zerrinnt uns zwischen den Fingern, Freunde verlassen uns, Haustiere sterben, Karrieren enden und überall herrscht Veränderung. Wir können jetzt versuchen, alles mit vor Anstrengung weiss werdenden Knöcheln festzuhalten – oder wir können loslassen. Dabei steht Loslassen nicht für Resignieren. Es steht vielmehr für die gesunde Erkenntnis, dass ich nicht festhalten kann, was ich gar nicht in der Hand habe. Und diese Kunst loszulassen ist einer der Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben.

1.) Sachen loslassen

In unserer Kultur ist es leicht, Dinge zu unseren Götzen werden zu lassen. Oft werden wir langsam von Sachen erdrosselt: durch das Angebot von Supermärkten, Kistenstapel auf dem Dachboden und all das, was wir in unseren Schränken horten. Sachen loslassen bedeutet nicht, dass wir sie geringschätzen – wir sehen sie im Gegenteil als Gabe und Aufgabe. Und dabei ist weniger oft mehr. Je mehr Sachen wir haben, desto weniger Zeit scheint uns zur Verfügung zu stehen. Systeme wie «Simplify your life» helfen uns beim Entschlacken. Gleichzeitig tut es uns gut, vom Haben zum biblischen Prinzip des Gebens umzuschalten.

2.) Beziehungen loslassen

Mein Gegenüber in einer engen Beziehung loszulassen gehört zum Schwersten, was ich tun kann. Kaum etwas tut so weh wie die Erkenntnis, dass eine Liebe erloschen ist oder Kinder sich für ihren eigenen Weg entschieden haben. «Nur, wer weggeht, kann wiederkommen.» Das mag wie ein dummer Spruch klingen, doch es ist viel Wahres daran. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt der Vater sein Kind ziehen – ohne Garantie auf Umkehr. Und offensichtlich ist dieses Loslassen ein Schlüssel zum späteren Zurückgewinnen seines Sohns. Noch einmal: Dafür gibt es keine Garantien, doch das Festhalten von jemandem, der innerlich bereits gegangen ist, ist auch keine Lösung

3.) Freunde loslassen

Mit Freundschaften kann es uns genauso gehen. Wir sind eine Weile mit jemandem zusammen, der unser Zwilling sein könnte, von dem wir bei der Geburt getrennt wurden. Ein Leben ohne ihn oder sie scheint unmöglich. Doch plötzlich ist alles anders: Freunde verletzen oder gebrauchen uns. Was eben noch Freundschaft war, ist auf einmal nur noch ungesund. Darüber hinaus scheint es Freundschaften zu geben, die nur für einen bestimmten Abschnitt in unserem Leben gedacht sind – und das ist völlig in Ordnung. Manche Freundschaft geht so völlig unspektakulär zu Ende. Wir können solche Freunde nur ziehen lassen – und andere finden, die genau in diesem Moment so gut zu uns passen wie wir zu ihnen.

4.) Geistlich loslassen

Jeder muss früher oder später lernen, Dinge und Menschen loszulassen. Und dies ist ein zutiefst geistlicher Prozess. Es geht dabei um das Anerkennen, dass ich selbst viel weniger in meiner Hand halte, als ich gemeinhin denke. Das bewirkt eine neue Sicht auf vieles in meinem Leben: Freude, Wünsche, Liebe, Dinge… Jesus selbst beschreibt dieses Loslassen einmal als Sterbeprozess: «Ich sage euch die Wahrheit: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.» (Johannes-Evangelium, Kapitel 12, Verse 24-25)

Solches Denken bleibt ein Prozess, doch je mehr wir davon praktizieren, desto mehr vom Geheimnis des Lebens begreifen wir.

Zum Thema:
Casting Crowns: «Mehr als nur Überleben»
Plan B finden: Wenn alles anders kommt
Sechs Tipps: Freiheit finden und erleben
Frei sein: Die Kunst zu vergeben

Datum: 13.04.2018
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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