Glaube am Montag

... dann entscheide ich nach bestem Wissen und Gewissen

Auch Christen haben sechs Werktage und nur einen Sonntag. Wie aber sieht das Leben zwischen den Sonntagen aus? Im Rahmen der Initiative «Glaube am Montag» befragen wir dazu engagierte Christen im Berufsleben, heute Anne-Lise Diserens, Lehrbeauftragte für Architektur und Stadtentwicklung.

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Anne-Lise Diserens
Livenet: Anne-Lise Diserens, was bedeutet für Sie «Glaube am Montag»?
Anne-Lise Diserens:
In der VBG leite ich einige Fachkreise, insbesondere den Fachkreis Architektur. Darin wird die Frage gestellt, wie sich der Glaube auf den beruflichen Alltag auswirkt. Im Beruf verbringen wir viel Zeit, meistens tagsüber von Montag bis Freitag. Wie gehen wir mit unseren Kollegen und Kolleginnen um? Wie verhalten wir uns in Konfliktsituationen? Was hat mein Fachgebiet mit meinem Glauben zu tun? Und was unterstütze ich dabei? Ist es kompatibel mit meinem christlichen Lebensstil?

Wie bereiten Sie sich auf einen Arbeitstag vor?
Am Morgen, nach dem Frühstück, nehme ich mir die Zeit, um den jeweiligen Tagesabschnitt im Losungsbuch und in den Bolderntexten zu lesen. Ich lasse die Worte auf mich wirken, schreibe mir auch mal einen Gedanken auf, und vor allem bete ich für andere Menschen und Situationen. Dabei gehen mir schon viele Gedanken über den bevorstehenden Tag durch den Kopf. Oft kommt mir dann noch einiges in den Sinn, was noch zu erledigen wäre. Das schreibe ich auf. So gehen meine Gedanken, mein Gebet und meine «To do-Liste» ineinander über.

Wissen Ihre Mitarbeitenden, dass Sie Christin sind? Wie wirkt sich das auf den Arbeitsalltag aus?
In den unterschiedlichen Arbeitsbereichen, in denen ich wirke, wissen es nicht alle. In der VBG ist es integrierter Bestandteil meiner Tätigkeit. Aber in meinen Lehrtätigkeiten ist es kein offensichtliches Thema. Da ergeben sich eher persönliche Gespräche bei der Frage, wo ich sonst noch beruflich tätig bin. Oder wenn ich in meinen Ausführungen Geistesgeschichte mit den jeweiligen Baustilen verknüpfe, können daraus Diskussionen um Glaubensfragen entstehen. Ansonsten hoffe ich, dass meine Haltung etwas von dem vermittelt, woran ich glaube.

Wie wirkt sich Ihr Glaube auf Ihren Umgang mit Mitarbeitenden aus?
In Arbeitsteams versuche ich, alle mit ihren Meinungen ernst zu nehmen, ihnen in Achtung und Respekt zu begegnen, sie wertzuschätzen in dem, was sie tun und sind. Es ist mir auch wichtig, einander nicht nur in der Arbeitsfunktion zu begegnen, sondern uns auch als Person wahrzunehmen. Das heisst, dass auch das Persönliche hinter dem Funktionellen zum Thema werden kann und wir dadurch gegenseitig aneinander Anteil nehmen können.

Hat Ihr Glaube auch Einfluss auf Ihre Entscheidungen im Berufsalltag?
Der Einfluss meines Glaubens auf meine Entscheidungen ist nicht immer klar ersichtlich. Ich wäge nicht jede einzelne Entscheidung vor Gott ab, sondern ich gehe möglichst vertrauensvoll meinen Weg und entscheide jeweils mit bestem Wissen und Gewissen. Wenn aber grössere berufliche Entscheidungen bevorstehen, gehe ich bewusster damit um, bete darüber, berate mich mit Freunden und Bekannten.

Haben Sie einen Möglichkeit, sich mit Christen in Ihrem Arbeitsumfeld zum Gebet und/oder Austausch zu treffen?
In der VBG treffen sich die Angestellten regelmässig zum Austausch und Gebet. In meinen anderen Tätigkeiten habe ich nicht die gleiche Möglichkeit. Einzelne Anliegen gebe ich an Freunde und Bekannte weiter, die dafür beten. Zudem kommen einige Christen aus der reformierten Kirche zu einem Vorabendgebet bei mir zu Hause zusammen, um für allgemeine und persönliche Anliegen zu beten. Darin haben auch Fürbitte für berufliche Aktivitäten Platz, zum Beispiel um Bewahrung auf meinen Reisen, die ich organisiere.

Können sich Christen im Arbeitsumfeld gegenseitig stärken? Welche Erfahrungen machen Sie hier?
In den Firmengebeten vor Ort gibt es die Möglichkeit, sich gegenseitig im Arbeitsalltag zu stärken. Sie können sich aber auch unter den gleichen Berufsrichtungen zusammenfinden. Beispiele sind die anfangs erwähnten Fachkreise, wie Informatik, Naturwissenschaft, Pädagogik, Psychologie, Bildende Kunst, Recht etc.. Im Fachkreis Architektur gibt es zum Beispiel ein Netzwerk von Architekten und Architektinnen, die sich zum Erfahrungsaustausch in Seminarien zu bestimmten Themen und an Exkursionen zu interessanten Orten und Gebäuden treffen. Zudem gibt es eine Gruppe, die in ihren Architekturbüros konkrete Probleme und Fragen aus ihrer Tätigkeit bespricht. Es kommt vor, dass sich die Teilnehmenden für ein Projekt zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschliessen.

Zur Person

Name, Vorname: Diserens, Anne-Lise
Organisation:
VBG, Lehrtätigkeit
Alter:
60
Zivilstand, Kinder: 
ledig
Wohnort: 
Zürich
Beruf, heutige Funktion: 
dipl. Architektin ETH, Erwachsenenbildnerin SVEB, VBG- Mitarbeiterin Fachkreise Beruf, Lehrbeauftragte und Stadtführerin zu Themen von Architektur und Stadtentwicklung, Organisatorin von Kulturreisen.
Kirchenzugehörigkeit: 
reformierte Kirche Zürich-Höngg
Hobbys:
Interesse an Kultur, Geschichte - lesen, reisen, diskutieren, Filme
Homepage/E-mail:
evbg.ch/beruf, atour.ch, anne-lise.diserens@evbg.ch

Dossier Zum Thema:
«Glaube am Montag»

Datum: 04.06.2012
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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