In den Höhlen Qumrans wurden bisher an die 1000 Manuskripte gefunden.
Die Qumranrollen sind die ältesten Schriften des Alten Testaments. Nun werden einige Fragmente in Berlin chemisch analysiert. Dise Untersuchung könnte vielleicht auch klären, woher die Schriftstücke ursprünglich stammen und wer sie geschrieben hat.
Der Zufallsfund des Beduinen hat sich als eine der grössten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte herausgestellt: Seither hat man in den Höhlen der Umgebung Qumrans an die 1000 Manuskripte gefunden, meist in viele kleine Schnipsel zerteilt, berichtet der Tagesspiegel. „Der Grossteil ist sehr schlecht erhalten“, sagte die Physikerin und Restauratorin Ira Rabin. Sie hat, in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Materialforschung, das vergangene Jahr im Keller der Staatsbibliothek damit verbracht, zwei der insgesamt Tausende von Qumran-Fragmenten genauer unter die Lupe zu nehmen. Und zwar chemisch.
Woher stammen die Schriftstücke?
„Grafologen glaubten bisher, dass diese beiden Fragmente zu einem Schriftstück gehören“, sagte Oliver Hahn von der Bundesanstalt für Materialforschung. „Unsere Analyse aber ergab, dass sich die Stücke chemisch unterscheiden. Das heisst, sie gehören nicht zusammen.“
Die chemische Analyse der Qumranfragmente könnte vielleicht auch klären, woher die Schriftstücke ursprünglich stammen und vor allem: Wer sie geschrieben hat. Stammen sie tatsächlich von Qumran oder wurden sie nachträglich dorthin geschleppt und gelagert?
Laut einer Theorie beherbergten die Höhlen von Qumran eine Bibliothek der Essener – eine religiöse Sekte des Judentums, die sich im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt gründete. „Westlich vom Toten Meer wohnen die Essener“, berichtet der römische Schriftsteller Plinius Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus. „Ein einsames und wunderliches Volk. Es lebt ohne Frauen, ohne Geld und nur in Gemeinschaft seiner Palmen.“
Oder hat man die Rollen erst später in die Höhlen gebracht, um sie dort zu verstecken, vielleicht vor den Römern? Stammen sie aus der Tempelbibliothek in Jerusalem? Niemand kennt bislang die Antworten. Vielleicht liegen sie in der Chemie des Pergaments verschlossen.
Zerfall aufhalten
Es geht den Forschern aber nicht nur darum, eine Methode zu entwickeln, mit der sich alte Pergamentseiten chemisch analysieren lassen, sondern auch darum, herauszufinden, wie man den Zerfall der kostbaren Altertumsschätze aufhalten könnte. „Wir haben uns auch deshalb diese beiden Fragmente ausgesucht, weil sie bereits sehr stark zerfressen sind, und wir wollten wissen, woran das liegt“, sagt Hahn. „Wie sich zeigte, ist es die Tinte selbst, die das Pergament Stück für Stück auffrisst.“ Hahn sucht nun nach einem Weg, diese schleichende „Selbstzerstörung“ zu stoppen, indem er die Tinte chemisch entschärft.
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