„Klimaveränderung hat auch eine religiöse Bedeutung“

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Atsumu Ohmura, Professor für Klimaforschung
Atsumu Ohmura ergründet die Fakten zur Klimaveränderung. Der ETH-Professor unterrichtet an Hoch- und Primarschulen. Im Gespräch erklärt Atsumu Ohmura, warum Wissenschaftler sich über dieses Thema streiten.

Der Japaner ist Professor für Klimaforschung an der ETH Zürich und Direktor des «World Radiation Monitoring Centre», einer Abteilung des «World Climate Research Programmes (WCRP)», die auch an der Herausgabe des neusten Welt-Klimaberichts massgeblich beteiligt ist, schreibt das Magazin „ideaSpektrum Schweiz.

Als 1979 an der ersten Weltklimakonferenz in Genf über die Klimaerwärmung diskutiert wurde, habe sich noch kaum jemand für dieses Phänomen interessiert, erzählt Atsumu Ohmura. Während 1979 in Genf nur wenige namhafte Wissenschaftler dabei gewesen seien, habe sich das an der zweiten Konferenz von 1990 schon gründlich geändert. Der Andrang der Wissenschaftler sei so gross gewesen, dass die Staaten Mühe gehabt hätten, ihre Delegationen zusammenzustellen.

Malaria und Meeresspiegel

Die in den Klimaberichten erarbeiteten Prognosen der Klimaforscher – ein Minimalkonsens verschiedener Meinungen – hätten sich weitgehend bewahrheitet, berichtet Ohmura. Eine 1986 vorausgesagte global wirksame Erwärmung der Erde von 0,6 Grad sei eingetroffen. Für die nächsten 100 Jahre erwarten die Wissenschaftler eine weitere Erwärmung um 2 bis 3 Grad. Das scheine zwar wenig, habe aber schon bedeutende Auswirkungen in verschiedenen Bereichen.

Biologen hätten eine veränderte Insektenaktivität in Europa festgestellt, sodass die Anopheles-Mücke – Trägerin von Malaria – praktisch schon in unseren Breitengraden überleben könne.

Weiter zugenommen hätten auch die Extremereignisse wie starke Winde, Hurrikane und intensive Niederschläge. Vom Meeresspiegel, der in 100 Jahren um 15 Zentimeter angestiegen ist, erwarten die Forscher in den nächsten 100 Jahren ein weiteres deutliches Ansteigen. Allerdings werden hier sehr unterschiedliche Meinungen vertreten, was Ohmura mit der Ungewissheit über die Entwicklung in der Antarktis erklärt. Falls die dortige Eisschicht mit einer Dicke von 67 Metern ins Rutschen gerate, sei ein Anstieg des Meeres, um deutlich über einen Meter zu erwarten.

Einfache Ratschläge

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Als 1979 an der ersten Weltklimakonferenz über die Klimaerwärmung diskutiert wurde, habe sich noch kaum jemand für dieses Phänomen interessiert.
Dann gibt Ohmura auch Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Klima ab. Es erstaunt, dass er dabei mit einfachen Erziehungssätzen beginnt: Lichter löschen, Fernseher und Computer ganz ausschalten! Besonders wer an Gott glaube, solle auch ein Verhalten zeigen, das die Umwelt schone und den Schöpfer ehre, meint Ohmura.

Die eigentliche Knacknuss und zugleich der Schlüssel zum Erfolg, liege aber bei den bevölkerungsreichsten Staaten mit hohem oder stark steigendem Energieverbrauch, den USA (wo dreimal mehr Energie pro Kopf verbraucht wird als in der Schweiz), China und Indien. «Irgendwie müssen wir die Amerikaner, Chinesen und Inder dazu bringen, dass klimabewusstes Handeln dringend nötig ist», sagt Ohmura.

„Schlimmer als apokalyptisch“

Ohmura sagt, er glaube an Gott. Das Thema Klimaveränderung habe schon auch eine religiöse Bedeutung. «Die Wahrheit macht euch frei», laute die Bibelstelle, die ihm immer wieder dazu einfalle. Das Szenario des Weltklimas sei aber für ihn kein apokalyptisches eines plötzlichen Weltuntergangs. «Viel schlimmer als apokalyptisch, weil der Wandel kaum wahrgenommen wird», sagt Ohmura.

Statt die Frage zu verpolitisieren, solle man lieber bei der Erziehung anfangen, und besonders da könnten die Kirchen mitwirken, indem sie mehr über die Umwelt redeten, die doch Gottes Geschenk sei.

Zur Person
Atsumu Ohmura, ist seit 1983 Professor an der ETH Zürich. Der japanische Klimatologe geniesst weltweites Ansehen für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Klimaerwärmung. Er arbeitet in zahlreichen internationalen Forschergruppen mit.

Datum: 08.03.2007
Autor: Thomas Hanimann
Quelle: idea Schweiz

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