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Weihnachten ist jedesmal furchtbar für mich...
von Peter Hauri, Ecuador
...denn ich schaffe den Spagat zwischen Kitsch, Kommerz und
Krippenspiel nicht.
Ab
Spätherbst geistert Papa Noel durch die Einkaufszentren. Santa
Claus auf ecuadorianisch. Posiert mit den Knirpsen und wirbt nebenbei
für Handys und Stereoanlagen. Stille Nacht dann mal. Weihnachtsgeschenke
können in sechs Monatsraten abgestottert werden. Süsser die Kassen
nie klingen.
Hier im Kinderheim in Cayambe sind die Tage zum Bersten voll.
Sämtliche Projekte wollen feiern. Die ganz Kleinen, die Kindergärtner,
die Schulkinder, die Senioren und die Gemeinde. Und wehe es fehlt
eine der traditionellen Weihnachtstüten mit Keksen und Schokolade.
Dann reklamieren die Mütter höchstpersönlich. Als wir letztes
Jahr im Altenheim anfragten, ob wir mit den Tüten vorbeikommen
sollen, lehnte die Direktorin dankend ab. "Die Pensionäre haben
jetzt schon Durchfall davon". Wir brachten stattdessen Toilettenpapier
und Seife.
Höhepunkt im hiesigen Festtaumel ist Stadt auf stadt ab die Miss
Weihnachtsstern-Wahl. Auch hier im Heim strapazieren Eltern, diese
Tradition auslebend, ihr Budget um Kostüme und Accesoirs für ihre
Töchterchen zu mieten. Die Mädchen spazieren zuerst im Badeanzug
über den Laufsteg und hinterher präsentieren sie sich in Gala
und in Begleitung eines Kavaliers der beinahe unparteiischen Jury.
Während der Rummel kein Ende nehmen will, wacht Gott ganz besonders
über uns. Damit wir nicht völlig aus der Haut fahren. Wenn wir
endlich völlig erschöpft selber Weihnachten feiern könnten, klopft
es sicher noch an der Tür unten. Was uns nicht kümmert. Wir überhören
es in solchen Momenten bewusst.
In dieser Nacht bewachten draussen auf dem Feld einige Hirten
ihre Herden, sagt meine Bibel. Idylle pur. Obwohl damals tausende
von Menschen in ihre Heimatstädte hetzten, weil sie an der römischen
Volkszählung teilnehmen mussten. War es an Weihnachten niemals
friedlich? An Heiligabend vor einigen Jahren pendelte ich entnervt
zwischen den beiden Bahnhöfen einer Kleinstadt hin und her. Der
eine Gast für die Einsamen-Weihnachtsfeier kam nicht an. Als ich
mit meinem kleinen Sohn auf den Armen vor dem Haus einer Witwe
ausstieg, die wir ebenfalls eingeladen hatten, blickte ich eine
Sekunde an den Nachthimmel und sah eben eine Sternschnuppe zerbröseln
da oben. Eine geballte Ladung Weihnachtstimmung durchfuhr mich.
Doch was schreibe ich da. Detonierende nordamerikanische Marschflugkörper
zerrissen diesen Herbst die nächtliche Stille Afgahnistans. Präsident
Bushs Antwort auf die von Fanatikern entführten Verkehrsflugzeuge,
die an einem strahlendhellen Morgen in die Zwillingstürme am Südende
Manhattans rasten. Ein massiver Vergeltungsschlag gegen den Terrorismus,
der auch 800 Personen in einem Flügel des Pentagons das Leben
kostete. Die vierte Maschine mit Ziel aufs weisse Haus stürzte
bei Pittsburgh in einen Wald. Abertausende von Nordamerikanern
fragten sich, wo denn eigentlich Gott war in diesen schrecklichen
Sekunden, als alle Hollywoodfantasien Wirklichkeit wurden.
"Gott ist da und spricht durch diese Katastrophe zum amerikanischen
Volk", sagt der bekannte New Yorker Pastor David Wilkerson. Seine
Kirche liegt mitten auf dem Times Square in einem riesigen alten
Broadwaytheater. Kurz nach der Attacke auf Manhattan ging Wilkersons
prophetische Botschaft in alle Welt: "Gott will, dass wir zu ihm
umkehren. Die Kirchen sind zwar im Augenblick voll mit Menschen.
Aber erinnert euch an den Golfkrieg. Schon eine Woche später versank
das Land im Partyrausch… Gott hat alles unter Kontrolle. Er liess
diese Katastrophe zu, damit wir uns auf ihn besinnen. Aber ich
befürchte, dass Amerika die Botschaft nicht mitkriegt."
Gott ist kein blutrünstiges Weltraummonster. Seit biblischen Zeiten
liess er immer wieder Katastrophen zu, damit die Menschen sich
auf ihn besannen und umkehrten von ihren verkehrten Wegen. Er
wacht über die Vorgänge hier unten. Hat alles unter Kontrolle.
"Ja, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht" schreibt
einer der Psalmdichter.
Mir graust es vor dem weihnachtlichen Festgetöse. Weil es jedesmal
ablenkt von Gott, der Mensch wurde und herkam, um mich, ja uns
alle, aus diesem verkrampften und mickrigen bisschen Leben herauszurufen.
Zu ihm zurück. In ein erfülltes und lebenswertes Leben. Wo gestopfte
Truthähne und Lichterbäume keinen grossen Stellenwert mehr haben.
Verpassen wir die Botschaft nicht.

Peter Hauri und seine Frau Katharina sind Schweizer Heilsarmee-Offiziere.
Seit August 1999 leiten sie ein Kindertagesheim in Cayambe im
nördlichen Hochland Ecuadors. Zur Zeit planen sie nebst ihrer
anspruchsvollen Tätigkeit ein Haus für Teenagermütter und geschlagene
Frauen in Manta an der Pazifikküste. Projektstart: 2002/3.
Webseite: www.streetlegal.ch
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