Stefanie Schöni

Kräuterbutter und Gottvertrauen

Sie ist erst 18 und hat doch schon unglaublich viel erreicht: Stefanie Schöni hat die Matura in der Tasche, ihre eigene Firma gegründet und beliefert Coop mit ihrer Kräuterbutter. «IVCG Reflexionen» unterhielt sich mit der Christin und Jungunternehmerin.

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Stefanie Schöni
IVCG Reflexionen: Was wollten Sie mit sieben Jahren werden?
Stefanie Schöni: Lehrerin, wie meine Mutter, oder Krankenschwester. Am liebsten aber Prinzessin!

Und Ihr Berufswunsch mit 17?
Anwältin. Doch ich habe gemerkt, dass ich nie Strafanwalt oder auch Scheidungsanwalt sein könnte. Auch Wirtschaftsanwalt und immer nur Verträge studieren wäre nicht mein Ding. Ich bin zu gerne mit Menschen unterwegs. Seit einem Jahr bin ich nun Studentin der Betriebswirtschaft. Als Nebenfach habe ich doch Jura gewählt. Eine gute Ergänzung.

Sie wurden in eine christliche Unternehmerfamilie hineingeboren. Wie war das für Sie?
Als mein Vater die Transportfirma von meinem Onkel gekauft hatte, sagte er: «Ich bin nun Unternehmer.» Ich war etwa fünfjährig und hatte keine Ahnung, was das heisst. Ich fand es zuerst gar nicht cool, weil ich dachte, mein Vater sei nun viel mehr fort. Doch ich bekam dann schon als Kind manches über die Wirtschaft mit auf den Weg, von dem ich nun profitieren kann. So kannte ich die Wirtschaft aus der Praxis, bevor ich überhaupt die Theorie dazu wusste. Auch durfte ich oft in Vaters Firmen mitarbeiten, was mir von Anfang an Spass gemacht hat.

Wurde Ihnen auch der Glaube quasi in die Wiege gelegt?
Das kann man auf jeden Fall so sagen. Meine Eltern haben in unserer Erziehung immer grossen Wert auf die christlichen Werte gelegt und sie auch vorgelebt. Der christliche Glaube hat immer zu unserem Familienleben gehört.

Schon mit 18 Jahren wurden Sie Unternehmerin, als Sie «Steffi's Kräuterbutter» gegründet haben. Wie kam es dazu?
Im Gymnasium ist am Schluss eine Matura- oder Abitursarbeit zu schreiben. Ich wollte etwas machen, das Hand und Fuss hat. Mit meinem Vater zusammen habe ich allerlei ausprobiert, bis wir auf die Kräuterbutter kamen. Zu Beginn dachte ich nie an einen öffentlichen Verkauf. Es ging mir mehr um Entwicklung und Marketing für mein Produkt. Nach der Matura schickte ich meine Kräuterbutter dann doch an den Grossverteiler Coop, ohne grosse Erwartung. Ich konnte meine Kräuterbutter jedoch in Basel persönlich vorstellen, und schon ab Sommer 2014 stand sie in den Regalen der grössten Coop-Filialen.

Wie läuft der Absatz?
Die Grillsaison dauert bei uns ja höchstens drei Monate. In dieser Zeit läuft es super, doch nach dem Sommer bricht dies leider jeweils schnell ein.

Wo wird Ihre Spezialität hergestellt?
Hier in Oberbipp in der Käserei. Es sind vor allem Leute von der Firma Schöni Finefood, also der Sauerkrautfirma meiner Eltern, die dort produzieren. Ich selber bin für alles Administrative verantwortlich.

Wozu verwenden Sie selber «Steffi's Kräuterbutter»
Natürlich zu Fleisch, zu Fisch, im Winter auch zu Raclette, zu Kartoffeln, zu Teigwaren, zum Knoblauchbrot. Wir haben bereits fünf Geschmacksrichtungen entwickelt.

Sie kommen gerade von einem vierwöchigen Volunteer-Einsatz in Tansania zurück. Was hat Sie dazu motiviert?
Ich fragte mich, was ich in meinen langen Semesterferien Sinnvolles tun könnte. Wir kennen ein Ehepaar, das in Tansania ein christliches Kinderheim leitet. Sie sagten mir sofort zu, als ich bei ihnen anfragte.

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Stefanie Schöni beim Herstellen ihrer Kräuterbutter in der Käserei in Oberbipp.
Das Heim mit 17 Kindern wird eigentlich von drei afrikanischen Frauen geführt. Wir waren wie eine grosse Familie. Das war eine sehr prägende Erfahrung. Mir wurde wieder bewusst, wie gesegnet wir in der Schweiz sind. Für mich ist es wichtig, persönlich die Armut und Not in andern Ländern zu sehen und wenn möglich zu helfen.

Was folgt nach «Steffi's Kräuterbutter»
Ich halte mir die Zukunft wirklich offen. Zuerst kommt das Studium der Betriebswirtschaftslehre. Da lege ich sicher das Schwergewicht auf Marketing und Management. Es ist aber gut möglich, dass ich nach dem Studium etwas ganz anderes mache.

«Der Mensch denkt, aber Gott lenkt», lesen wir in der Bibel. Wie erleben Sie das Lenken Gottes?
Das Wirtschaftsstudium war für mich eigentlich immer klar. Im ersten halben Jahr des Studiums fragte ich mich jedoch, ob ich wirklich am richtigen Platz sei. Im Winter arbeitete ich dann in den Semesterferien wieder bei meinem Vater in der Firma. Das hat mir neue Motivation gegeben. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. In dieser Zeit habe ich auch Gott stark gefragt, wie es weitergehen soll. Ich habe gemerkt, dass ich allein nicht weiterkomme und Gott wirklich die Führung übergeben muss. Je mehr ich Gott das gesagt habe, umso mehr schenkte er mir die Gewissheit, dass dieser Weg der richtige ist.

Wie lernt man als junger Mensch, sich von Gott führen zu lassen?
Der Glaube wurde mir durch meine Eltern mitgegeben. Ich lernte die biblischen Geschichten und Fakten früh kennen. Doch es war noch nicht das Eigene, die persönliche Beziehung mit Gott. Ich musste selber merken, dass alle Errungenschaften dieser Welt, alle Reisen, alle Freunde, alle Erfolge nicht einfach glücklich machen. Es ist letztlich nur die Beziehung mit Gott, die auf Dauer glücklich macht. Diese Beziehung konnten mir meine Eltern nur vorleben, aber nicht vermitteln. Dazu musste ich mich selber entschliessen. Erst diese Beziehung gibt mir wirklich Halt und Geborgenheit.

Was kennzeichnet überzeugte christliche Geschäftsleute?
Das sehe ich bei meinem Vater. Er ist offen und ehrlich, sei es zu Mitarbeitenden, Kunden oder Lieferanten. Er spricht sogar offen darüber, dass er darüber betet, welches der richtige Preis ist. Er weiss, wem er letztlich geschäftliche Erfolge verdankt, nämlich Gott. Er gibt einiges von seinem Erfolg an andere, Not leidende Menschen weiter. Er investiert auch einiges davon in das Reich Gottes. Ich bin sehr stolz auf ihn.

Wie stellen Sie sich später einmal das Miteinander von Beruf und einer eigenen Familie vor?
(Lächelt) Das frage ich mich auch! Ich bin ein mega Familienmensch. Ich möchte unbedingt eine eigene Familie haben. Und doch steckt das ganze Unternehmerleben in mir drin. Ich bin der Überzeugung, dass eine Mutter zuerst für ihre Kinder da sein soll. Ich vertraue, ehrlich gesagt, darauf, dass mir Gott auch da Wege ebnet für eine gute Lösung. Es ist heute ja auch kein Problem, von zu Hause aus zu arbeiten.

Von welchem Satz der Bibel lassen Sie sich leiten?
Mein Lieblingstext steht im Epheserbrief: «Aus Gnade sind wir gerettet, durch den Glauben.» Die Gnade und die Rettung sind ein Geschenk von Gott. Ich bin kein perfekter Mensch. Diese Gnade muss ich jeden Tag wieder annehmen. Ich bin so dankbar, dass ich sie immer wieder neu empfangen darf. Doch dazu braucht es meinen Glauben. Ich bin gesegnet. Und so kann ich auch ein Segen sein für diese Welt.

Was stimmt Sie optimistisch für Ihre Zukunft?
Warum sollte ich nicht optimistisch sein? Ich fühle mich auf dem richtigen Weg. Ich habe grosse Unterstützung durch meine Eltern. Und ich vertraue auf Gottes Führung. Ich freue mich auf die Zukunft!

Wie stellen Sie sich in zehn Jahren vor?
Dann bin ich 30. Ich mache dann vielleicht das ganze Marketing für alle unsere Firmen. Vielleicht habe ich schon eine Familie mit einem kleinen Kind. Das wäre das Naheliegende. Aber es kann auch ganz anders kommen.

Zum Thema:
Teddys auf dem Eis: SCL-Plüschtiere kommen zu Waisen nach Osteuropa

Beispiel Schöni: Es braucht mehr Chefs mit sozialem Unternehmergeist

Datum: 07.11.2016
Autor: Andrea Vonlanthen
Quelle: IVCG Reflexionen

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