Die neue Diskussion

Das ganze Jahr Sonntagsverkauf?

Arbeitnehmerverbände, Kirchen und soziale Organisationen unterstützen den Widerstand gegen die Sonntagsarbeit
Statt vier neu zwölf verkaufsoffene Sonntage pro Jahr in der Schweiz? Eine Standesinitiative aus Zürich, die das fordert, wirft Fragen auf. Was tut dem Menschen wirklich gut?

Bisher können die Kantone in der Schweiz maximal vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr bestimmen, die in der Regel in der Vorweihnachtszeit eingesetzt werden. Sollen es nun zwölf Sonntage werden, wie es eine Initiative des Kantons Zürich fordert? Es sei im Interesse der Konsumenten, zeitlich flexibel einkaufen zu können. Und der Detailhandel müsse seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Internet und dem Ausland stärken – das sind nur einige der Argumente.

Zwei Lager

Die Wirtschaftskommission des Ständerates befürwortet die Initiative, unter anderem mit den oben genannten Argumenten. Grosse Wirtschaftsverbände stellen sich ebenfalls auf die Seite der Ja-Sager. «Allerdings lehnen es grosse Städte wie Bern, Lausanne und Neuenburg ab, zusätzliche Sonntagsverkäufe zu erlauben», schreibt die Sonntagszeitung vom 8. März 26. «Sie gewichten den Schutz des arbeitsfreien Sonntags höher als wirtschaftliche Interessen.»

Unter den Parteien stellen sich SP, Grüne, EVP und EDU gegen die Vorlage: «Sie warnen vor einer unzumutbaren Belastung für das Verkaufspersonal. Einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen erkennen sie nicht.» Auch Arbeitnehmerverbände, Kirchen und soziale Organisationen unterstützen den Widerstand gegen die Öffnung. Gemäss Bundesamt für Statistik müssten 700`000 Erwerbstätige regelmässig am Sonntag arbeiten.

Nicht noch ein Werktag

Auch die grossen Gewerkschaften stellen sich gegen mehr Sonntagsarbeit. «Travailsuisse» droht gar mit dem Referendum: «Der arbeitsfreie Sonntag ermöglicht Arbeitnehmenden zumindest einmal in der Woche eine Erholung von der Arbeit», so Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse. «Aufgrund der zunehmenden Entgrenzung der Arbeit wird der freie Sonntag immer wichtiger. Er darf nicht zum Werktag werden.»

Schutz des Menschen

Für einmal betonen auch Gewerkschaften eine gesellschaftliche Norm, die zutiefst in der Bibel und der jüdisch-christlichen Weltanschauung verankert ist. Es war eine Revolution, als Gott vor ein paar tausend Jahren dem «dauernd Arbeiten» den Sabbat entgegensetzte, aus dem später der Sonntag wurde. Neben dem zeichenhaften «Gott an einem Tag besonders die Ehre geben» stand vor allem der Schutz und die Würde des Menschen im Vordergrund: Der Mensch ist kein Arbeitstier, seine Existenz ist nicht vom «Krampfen» abhängig – und er darf und muss Ruhe finden. Eine grossartige «Erfindung Gottes», dieser freie Tag.

Natürlich kann man sich an alles gewöhnen; in den USA ist es seit langem normal, dass Geschäfte sieben Tage in der Woche, zum Teil sogar rund um die Uhr, geöffnet sind. Aber hierzulande ist (Nacht- und) Sonntagsarbeit grundsätzlich verboten; natürlich muss es Ausnahmen geben, damit unsere Gesellschaft funktioniert (z.B. im Spitalwesen), aber mehr verkaufsoffene Sonntage setzen ein Zeichen und würden einen deutlichen Schritt in Richtung auf eine wirtschaftsdominierte, letztlich inhumane Gesellschaft bedeuten.

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Datum: 12.03.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch / Sonntagszeitung

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