Massenmord in Homo-Disko

Wenn theologische Streitpunkte in den Hintergrund rücken

Ganz USA steht unter Schock nach dem Massenmord in einer Homosexuellen-Disko in Orlando. Auch aus christlichen Kreisen kamen erste Reaktionen des Beileids und der Anteilnahme, unabhängig davon, ob die jeweiligen Denominationen die Homosexuellen-Ehe unterstützen oder nicht. Eine Gemeinde in Tatortnähe reagierte am Sonntag auf ganz praktische Weise.

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Das Attentat in Orlando erschüttert die ganze LGBT-Szene.
«Lasst uns unsere Gemeinden auffordern, gemeinsam zu beten. Wir müssen erkennen, dass in diesem Fall unsere schwulen und lesbischen Nächsten total verängstigt sind – wer wäre das denn nicht?», rief Russel Moore, Präsident der Kommission für Ethik und Religiöse Freiheit der Südbaptisten, in seinem Blog auf. «Wir müssen ihnen die aufopfernde Liebe Jesu zeigen. Wir müssen nicht im Bezug auf die Bedeutung von Ehe und Sexualität übereinstimmen, um uns gegenseitig zu lieben…»

Auch andere Leiter christlicher Kirchen und Organisationen drückten ihre Trauer aus. «Unsere Herzen und unsere Gebete sind bei denen, die in dieser schrecklichen Tat des scheinbar islamischen Terrorismus getötet und verletzt wurden», sagte Richard Land, Präsident des Southern Evangelical Seminary.

Pastor Miles McPherson der The Rock Church in San Diego hofft, dass die Menschen der USA «Amerikas tödlichster Schiesserei durch die stärksten Gebete für Frieden und Einheit begegnen».

Trennungen verhindern gemeinsame Trauer

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Russell Moore
Russel Moore bedauerte allerdings auch, die teilweise sehr negativen Reaktionen auf die Schiesserei. «Unsere nationalen Meinungsverschiedenheiten und Trennungen machen es schwer für uns, nicht nur zusammen zu arbeiten, sondern sogar anzuhalten und gemeinsam zu weinen. Wir kümmern uns mehr darum, uns von anderen politischen Gruppen zu schützen, als mit denen zu weinen, die trauern.»

Blutspende nach dem Gottesdienst

Auf ganz praktische Weise setzte sich allerdings eine Baptistengemeinde, die nur zwei Häuserblocks vom Tatort entfernt ist, für die Opfer und ihre Familien ein. Den Gottesdienst begann die Kirche mit Rund 1'900 Mitgliedern mit Gebet für die Familien der Opfer, die Polizei vor Ort und die Rettungshelfer, berichtet Troy Peeples, Pastor der Gemeinde. «Im Gottesdienst wurde angekündigt, dass Blutreserven benötigt wurden, und so ermutigten wir unsere Gemeindeglieder zur Blutspende – und viele taten das auch. Jetzt suchen wir nach anderen Wegen, um den diversen Menschengruppen zu helfen, die in die Tragödie verwickelt sind.»

Beim grössten Massenmord eines Einzeltäters in den USA starben am frühen Sonntagmorgen 49 Opfer sowie der Täter, weitere 53 Menschen wurden verletzt. Die Polizei ist noch am Untersuchen des genauen Motivs, wobei es sich scheinbar um einen terroristischen Akt handelt, der aber auch vom Hass auf die LGBT-Szene motiviert war.

«Feier der Sprachlosigkeit» in Zürich

Der Verein «Zurich Pride Festival» hatte am Sonntag mit der Zürcher Kirchgemeinde zu Predigern, Pink Cross und Pink Cop zu einer schlichten Feier der Sprachlosigkeit und Betroffenheit in der Predigerkirche eingeladen. Nachdem am Sonntag in einem Gottesdienst zur Pride die Liebe gefeiert worden sei, «wollen wir heute zu solch menschenverachtenden und homophoben Taten nicht schweigen», hiess es in der Mitteilung. Mit Musik, Reden, kurzen Texten und der Möglichkeit, in der Stille Kerzen anzuzünden, konnte die Verbundenheit zu den Toten, den Verletzten und den Angehörigen von Orlando ausgedrückt werden. 

Christen und Muslime verurteilen die Tat

Der Liberal-Islamische Bund betonte, dass die Tat daran erinnere, welchen Gefahren Homosexuelle immer noch ausgesetzt seien. Es sei traurig, dass das Verbrechen politisch für antimuslimische Stimmungsmache ausgeschlachtet werde: «Als Muslime setzen wir uns bereits seit vielen Jahren gemeinsam mit zahlreichen deutschen und internationalen Partnern für einen inklusiven Islam und gegen die Diskriminierung von homosexuellen Menschen in muslimischen Kontexten ein.» Der Verband kündigte an, sein Engagement gegen Homophobie weiter fortzusetzen. Er hoffe, «dass mehr und mehr Menschen erkennen, dass die Diskriminierung anderer aufgrund ihrer Sexualität sowohl religiös als auch menschlich durch nichts zu rechtfertigen ist». Vorsitzende des 2010 gegründeten Bundes ist die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor.

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Pastor Franklin Graham
Orlandos Bischof John Noonan nannte die Tat einen «massiven Anschlag auf die Würde des menschlichen Lebens», der sich «gegen die Liebe Gottes» richte. Chicagos Erzbischof Blase Cupich sagte: «Unsere Gebete und Herzen sind mit den Opfern der Massenschiesserei von Orlando, ihren Familien und unseren schwulen und lesbischen Brüdern und Schwestern».

Der Leiter des Missionswerkes «Samaritan's Purse» und Präsident der Billy-Graham-Stiftung, Franklin Graham, bat auf Facebook um Gebet für die Hinterbliebenen der Opfer und für die Ärzte, die versuchten, den vielen Verletzten das Leben zu retten. Rick Warren, Pastor der Saddleback-Gemeinde, schrieb auf Facebook, die Tragödie breche ihm das Herz. Joel Osteen, Pastor von Amerikas grösster Kirche in Houston, teilte mit, für die Opfer zu beten. «Wahrer Glaube bedeutet, Gott dann zu vertrauen, wenn das Leben keinen Sinn ergibt», ergänzte er.

Grösster islamischer Terroranschlag seit 9/11

Nach dem Stand der Ermittlungen am Montagmorgen war die Bluttat von Orlando der grösste islamistische Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Der 29-jährige Omar M., 1986 in den USA geboren und dort aufgewachsen, hat in einem Szeneclub für Homosexuelle um sich geschossen. Dabei wurden 50 Menschen getötet und noch mehr verletzt. Vor der Tat bekannte er sich bei einem Anruf bei der Polizei zur Terrormiliz «Islamischer Staat».

Der amerikanische TV-Sender Fusion berichtet, der radikal-islamische britische Prediger Farrokh Sekaleshfar sei vor wenigen Wochen in Orlando aufgetreten. Er ist bekannt dafür, die Todesstrafe für Homosexuelle zu fordern. Ob es eine Verbindung zu Omar M. gibt, ist noch nicht bekannt. Die Eltern des Täters stammen aus Afghanistan. Sie erklärten, ihr Sohn sei kein Islamist gewesen. Er habe sich allerdings einige Wochen zuvor über Männer aufgeregt, die sich in der Öffentlichkeit geküsst hatten. Omar M. ist zweifach geschieden und galt als psychisch instabil.

Zum Thema:
Glaubensfrage: Warum lässt Gott das Böse zu? 
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Datum: 14.06.2016
Autor: Rebekka Schmidt / Anja Janki
Quelle: Livenet / Christian Post / PRO Medienmagazin / idea

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