Gott und die Zwilchhosen

schwingen-sport
Unsplash
Im Sägemehlring zählen nicht nur Kraft und Technik, sondern auch Fairness, Respekt und Gemeinschaft.

Schwingen ist ein Sport, den es nur in der Schweiz gibt. Beim letzten nationalen Schwingfest in Mollis GL sicherten sich die Brüder Matthieu und Etienne Burger den eidgenössischen Kranz. Die beiden Brüder finden im Glauben Halt und Kraft. Er trägt sie durchs Leben. Auch Schwingerkönig Armon Orlik holt Kraft im Glauben.

24.7.2026
4 min
Markus Baumgartner

Armon Orlik wächst katholisch auf. Er sei kein regelmässiger Kirchgänger, meint der 1,90 Meter grosse und 115 Kilogramm schwere Modellathlet. «Gott trage ich in meinem Herzen. Er gibt mir Kraft. Ich verrichte jeweils kurze Gebete. Oder ich bedanke mich dafür, dass es mir so gut geht und ich immer genügend zu essen bekomme», erzählt er der «Glückspost».

Auch Matthieu Burger ist 115 Kilogramm schwer, 193 cm gross und trägt Schuhgrösse 50. Er betet kurz am Sägemehlrand bevor der Gang beginnt. Der 25-Jährige gewann trotz Verletzung in Mollis seinen zweiten eidgenössischen Kranz.

Fairplay und Zusammenhalt

Matthieu Burger arbeitet auf einem prächtigen, aber sehr abgelegenen Bauernhof im Berner Jura, auf dem es kaum Handy-Empfang gibt. Mutterkühe und der Ackerbau bestimmen den Alltag. Der Hof steht auf 1200 Metern und ist siebeneinhalb Kilometer vom Ortskern von Les Prés-d’Orvin (BE) entfernt. Zusammen mit seinen jüngeren Brüdern Etienne und David ist Matthieu dort zweisprachig aufgewachsen.

Die aus dem Kanton Schaffhausen stammende Mutter hat ihren Buben Deutsch beigebracht, mit dem Vater wird französisch parliert. Matthieu hat nach einer Lehre als Forstwart auch die Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen. Er war ein 7-jähriger Knirps, als ihn der Vater erstmals in den Schwingkeller nach Biel gefahren hat. Seine Motivation zum Schwingen beschreibt er heute so: «Ein wesentlicher Grund, der mich zum Schwingen gebracht hat und für mich eine wichtige Rolle spielt, sind der Fairplay und Zusammenhalt, sowie die familiäre Atmosphäre innerhalb der Schwinger Gemeinschaft. Darüber hinaus bedingt es stets den Fokus, die Disziplin, Ausdauer und Selbstbeherrschung zu bewahren. Manchmal muss man auch in schwierigen Momenten auf die Zähne beissen, um weiterzukommen.»

Der Glaube gibt ihm Kraft

Der Traum von der zweiten Teilnahme am eidgenössischen Schwingfest drohte zu platzen. Matthieu Burger lag im Spital, frisch operiert, und haderte mit seinem Schicksal. «Im ersten Moment war alles scheisse», sagt der Eidgenosse rückblickend. Und dann passierte etwas, das der gläubige Christ wohl nie mehr vergessen wird. «Gott hat mir im Spital gesagt, dass das mit Mollis klappt. Er meinte, ich werde Erfolg haben.» Wie genau dieser Erfolg aussehen würde, wusste Burger nicht. «Aber es gab mir Stabilität und ein gutes Gefühl», erzählte er dem «Blick».

Knapp vier Monate später bodigt Burger im achten Gang Roger Bürli und sichert sich seinen zweiten eidgenössischen Kranz. Sekunden zuvor hat schon Bruder Etienne (23) gejubelt. Er gewinnt sein erstes Eichenlaub an einem Eidgenössischen. «Das war eine riesige Erlösung und gleichzeitig völlig verrückt», sagt Etienne.

Ein Ruhetag ist Pflicht

Die Rollen auf dem Bauernhof sind klar verteilt. «Ich bin eher der Typ für die Tiere», sagt Etienne. Matthieu hingegen fühlt sich im Ackerbau wohler, erzählen sie dem «Blick». Weil sie sich derart gut ergänzen, sind die Zukunftspläne bereits gemacht. «Irgendwann wollen wir den Betrieb übernehmen.» Ob zu zweit oder mit dem dritten Bruder, ist noch offen.

Neben der Leidenschaft für die Landwirtschaft und den Schwingsport verbindet sie auch ihr Glaube. Er ist im Alltag der Burger-Brüder fest verankert. Sie beten täglich und besuchen wenn immer möglich am Sonntag die Kirche. Wenn das wegen eines Schwingfests nicht geht, wird der Ruhetag einfach verschoben. «Einmal in der Woche machen wir Sonntag», sagt Matthieu. «Auch wenn das ein Montag ist.»

Der Glaube ist für sie kein Lippenbekenntnis. «Wenn du gläubig bist, versuchst du, so gut wie möglich nach der Bibel zu leben. Aber wir sind auch Sünder und nicht besser als andere.» Einen ersten Kontakt zum Glauben erhielten sie durch ihre Eltern. Früher ging die ganze Familie regelmässig in die Kirche. Mit den Jahren wurde daraus kein «Müssen» mehr, sondern «eine feste Überzeugung». Matthieu hat gemerkt, dass das Leben «einfacher ist, wenn man mit Jesus unterwegs ist». Das bedeutet nicht, dass alles reibungslos läuft.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Katie Souza

Katie Souza – Heilung für die verwundete Seele

Kriminell und drogenabhängig - das war Katie Souzas Leben, als sie als junge Frau ins Gefängnis kam. Dort lernte sie Jesus kennen - doch innerlich war sie immer noch gefangen. Wie konnte sie Heilung für ihre verwundete Seele finden?
Story
Tim Green mit drei seiner Enkel

Ex-NFL-Spieler: Ermutiger trotz schwerer Krankheit

An einem Tag wird man von Tausenden bejubelt, am nächsten ist man vergessen, erinnert sich Ex-NFL-Spieler Tim Green. Er berichtet, was ihm wahre Identität gegeben hat und wie ihn Gott in seiner ALS-Krankheit trägt.
Story
Amanda Lindsey Cook

Amanda Cook: Worship und psychische Gesundheit

Die Kanadierin Amanda Cook ist eine der bekannten Stimmen von Bethel Music. Sie erzählt, wie sich ihr Blick auf die Kunst, Gott und sich selbst verändert hat.
Story
Depressionen können sich auch völlig unbemerkt ins Leben schleichen (Symbolbild)

Depression: Wenn Dunkelheit leise kommt

Wer gut funktioniert, kann nicht krank sein – oder? Judith Beständig beschreibt ihre ganz persönliche Geschichte mit der Depression und warum trotzdem Hoffnung bleibt.