«Ich habe einen Vater – im Himmel»

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Eva und Peter Okonda mit ihrer Familie

Eva Okonda ist im Kongo geboren. Als Maturandin besuchte sie das Land erneut - heute ist sie mit dem Kongolesen Peter verheiratet. Das Paar bietet Kindern ein Förderprogramm und plant, ein Haus für Strassenkinder aufzubauen.

24.6.2026
5 min
Mirjam Fisch

«Für meine Maturarbeit reiste ich nach Kinshasa», erzählt Eva Okonda. «Ich wollte Land und Leute wieder kennenlernen.» Ihr Vater baute damals eine Flugzeugpiste für Hilfsgüter auf dem Luftweg. Wegen des Bürgerkriegs verliess die Familie das Land, als Eva 18 Monate alt war. Nun interviewte sie Einheimische zu den Veränderungen, die seither stattgefunden hatten.

Sie wohnte bei Maman Hélène, die zusammen mit der jungen Französin Mouna ein Haus für Strassenkinder führte. Dabei lernte sie den 22-jährigen Peter kennen, ein Ehemaliger, der hin und wieder zu Besuch kam. Eva und Peter blieben in Kontakt, nach und nach erfuhr die Schweizerin seine Geschichte.

Nirgends erwünscht

Peter ist das jüngste Kind einer der drei Frauen seines Vaters. Dieser starb kurz nach seiner Geburt, und als Sechsjähriger verlor er auch seine Mutter. Die Geschwister wurden bei Verwandten untergebracht. «Dort waren wir nicht willkommen», stellt Peter klar. «Sie hatten selbst genug Kinder, und in ihrem magischen Denken war ich schuld am Tod der Mutter.» Er wurde misshandelt, dabei wurden auch seine Hände versengt.

«Doch wir mussten jeden Abend zur Kirche gehen …», erzählt der 34-Jährige. Er konnte nicht verstehen, dass Gott sein Leid zuliess und lehnte den Glauben an ihn ab. Schliesslich floh er aus dem Haus des Onkels. «Aber die Strasse ist ein gefährliches Pflaster für einen 8-Jährigen», hält er fest. Er hatte Angst vor Alkoholikern, Junkies, Missbrauch, Prügeln. «Einmal ging ich nach Hause zurück – doch da war es nicht besser …»

Wieder auf der Strasse hielt er sich manchmal in einem Zentrum auf, wo Kinder ohne Eltern essen und sich waschen konnten, ab und zu auch übernachten. Hier lernte er Mouna kennen, die inzwischen ein eigenes Haus für Strassenkinder führte. Sie lud den nun 12-Jährigen ein, dort zu wohnen und die Schule zu besuchen. Er lernte rasch und brachte sich vieles selbst bei.

Mouna schenkte den 50 Heimkindern sehr viel Mutterliebe und erzählte ihnen von Jesus. Peter klammerte sich an sie, sodass sie ihm erklärte: «Das Liebesloch in deiner Seele ist so gross – ich kann es nicht füllen. Das ist nur Jesus möglich.» Doch davon wollte Peter nichts wissen. Er liebte seine Pflegemutter, sie ihn – das genügte.

Chancen nutzen

Als Jugendlicher spielte er viel Basketball – etwas anderes hatte er nicht zu tun. Trotz Intelligenz und Geschick fand er keinen Job. Er lebte in der WG eines Kollegen. Mehrmals wurde er eingeladen, sein Leben Gott anzuvertrauen. Manchmal träumte er auch, Jesus selbst lade ihn ein. Doch er reagierte nicht darauf. Bis er eines Abends in der WG vor dem Fernseher sass und sein eigenes Leben vor sich ablaufen sah.

Der 25-Jährige erkannte: «Jetzt ist es Gott selbst, der mich zu sich ruft.» Und diesmal fiel er auf die Knie, bekannte weinend seinen Starrsinn. «Jesus erfüllte mich mit seinem Geist», erinnert er sich. Er erkannte: «Ich bin nicht vaterlos – ich habe einen Vater im Himmel.» Nun wollte er dem Sohn Gottes nachfolgen und ging freiwillig in die Kirche, um ihn besser kennenzulernen.

Der Leiter eines Kinderheims forderte ihn auf, bei ihm zu arbeiten. Die nächsten drei Jahre wurden für den jungen Mann so zur praktischen Ausbildung zum Sozialarbeiter. Er verstand die Strassenkinder, kannte ihre Ängste und Wünsche aus eigener Erfahrung. Dann meldeten sich Mouna und ihr Mann. «Du solltest eine Jüngerschaftsschule besuchen, damit dein Glaube gestärkt wird», legten sie ihm nah. Diese Anfrage trieb ihn um, er bat Gott um Führung. Niemand schien ihn zu verstehen, als er seine sichere Stelle für diese Schule aufgab. Bis auf Eva.

Hochzeit feiern

Sie hatte sich zur Lehrerin für Kindergarten und Unterstufe ausgebildet und suchte ebenfalls Gottes Weisung für ihrem weiteren Weg. Die beiden hatten sich ineinander verliebt und wollten zusammen sein. 2020 brach die junge Frau ihre Zelte in der Schweiz ab und wanderte aus in den Kongo. In Kinshasa feierten sie in kleinstem Kreis ihre Hochzeit: «Die Kongolesen verstanden das nicht – aber es war während der Coronapandemie, und für uns passte es.»

Beide kümmerten sich um Strassenkinder, bis ihre erste Tochter zur Welt kam. Sie zogen 120 km weg von der Hauptstadt und liessen sich in Kisautu nieder, einem weitläufigen Dorf. Hier bieten sie Kindern aus armen Familien an vier Tagen pro Woche neben einer Mahlzeit ein Förderprogramm an. Dazu gehören Spiele, Singen, Basteln, Sport, biblische Geschichten, um sie sozial, intellektuell und geistlich zu fördern. 50 Kinder nehmen daran teil. Sie gründeten den Verein Elikia ya Kongo («Hoffnung für den Kongo», in der Schweiz «Elikia ya lobi», Hoffnung für morgen).

Kulturunterschiede …

«Wir kommen aus zwei verschiedenen Kulturen – da gibt es Missverständnisse …» gesteht Eva. Doch sie seien sich dessen bewusst, sprechen es an. Mit Moura und ihrem Mann zusammen möchten sie ein Haus für Strassenkinder aufbauen.

Spuren der Kolonialisierung seien immer noch spürbar, stellt Eva klar. «Weil ich weiss bin, nehmen Einheimische automatisch an, ich sei reich und sorgenfrei …» Manchmal vermisst Eva ihre Familie, immer wieder mal leidet sie an der grossen Distanz zwischen der alten und neuen Heimat. Dennoch liebt sie es, in Afrika zu leben. Der Lebensrhythmus sei langsamer. So habe sie Zeit für ihre eigenen und andere Kinder, könne ihnen Gottes Liebe weitergeben.

Im Gegensatz zu Peter erlebte sie das als Kind: «Ein grosses Privileg!» Nun möchte das Paar einheimischen Kindern ein Stück unbeschwerte Kindheit ermöglichen. «Und Hoffnung auf eine Zukunft.»

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