Ehemalige Oben-Ohne-Tänzerin – «Ich wollte doch eigentlich nur geliebt werden»

5.4.2019
5 min

In frühen Jahren sexuell missbraucht, wurde Polly Hamp Oben-Ohne-Tänzerin und schlief mit unzähligen Menschen. Sie meinte, die Kontrolle über ihr Leben zu haben, stellte aber fest, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist … Heute hilft sie anderen Frauen, die in der gleichen Situation sind, wie sie damals.«Niemand würde über mich die Kontrolle erlangen dürfen», sagt Polly Hamp. Sie sei ein unabhängiges, willensstarkes Einzelkind gewesen – doch in ihrem Inneren sei sie so verletzt gewesen, dass sie eine Schutzmauer errichtet hatte. Denn sie war im Alter von sieben Jahren sexuell missbraucht worden.

Verzerrter Blick auf die Liebe

«Diese Qual führte zu einem lebenslangen Pfad der Zerstörung. Nach dem Missbrauch wurden meine sexuellen Sinne geweckt. Ich musste von den Jungs beachtet werden. Ich dachte, der einzige Weg geliebt zu werden, wäre, wenn man 'ausgeht'. Mein Blick auf die Liebe war verdreht und verzerrt.»

Als sie acht war, liessen sich die Eltern scheiden, Vater verschwand fast vollständig. Dann wenn er sie abholen sollte, tauchte er selten auf. Und wenn er da war, konnte sie manchmal nicht mitgehen, weil er betrunken war.

Typen und LSD

Ihre noch sehr junge Mutter – bei Pollys Geburt war sie 16 – rackerte sich ab und heiratete erneut, als Polly elf war. «Zuerst habe ich den neuen Mann an ihrer Seite gehasst. Wie kann er es wagen, in mein Leben und das meiner Mutter einzugreifen? Ein Einzelkind für eine alleinerziehende Mutter zu sein, war grossartig, denn ich hatte die ganze Aufmerksamkeit und wurde verwöhnt. Nun kam er und ruinierte alles. Doch das Gefühl änderte sich, er entpuppte sich als ein liebevolles Beispiel für einen wahren Vater, obwohl er selbst mit Alkoholismus zu kämpfen hatte.»

Mit 13 fing sie an, sich nachts rauszuschleichen. «Ich habe ein paar Mal mit dem Tankstellenangestellten rumgemacht. Ich dachte, ich wäre erwachsen. Ich hatte die Kontrolle. Ich fing an, hier und da Drogen zu nehmen.» Zum Beispiel LSD oder Ecstasy. «Während eines Drogendeals im Alter von 14 Jahren wurde ich vergewaltigt und dadurch schwanger. Die Schwangerschaft endete mit einer Abtreibung.»

Den Eltern erzählte sie eine andere Geschichte. «Ich sagte nicht dass ich vergewaltigt wurde. Ich sagte, ich hätte mit einem Kerl geschlafen. Aus irgendeinem Grund schien das eine bessere Idee zu sein, als zu erklären, dass ich rausschlich und gerade versuchte, mit den Drogen aufzuhören.»

Plötzlich Oben-Ohne-Tänzerin

Alles habe sich angefühlt, wie ein gutes Leben. «Ich schrieb gute Noten und hatte einen süssen Freund. Aber ich schlich mich immer wieder hinaus, um Typen zu treffen und high oder betrunken zu werden.»

Ein Freund von ihr, ein DJ in einer lokalen Topless-Bar, riet ihr, doch mal zum Vortanzen zu kommen. «Er sagte, ich würde wirklich gutes Geld verdienen und die Leute seien nett.»

Und tatsächlich floss das Geld in Strömen. «Die Männer sabberten wegen mir! Sie wollten mich, und ich konnte 'ja' oder 'nein' sagen. Ich hatte mir selbst gesagt, dass ich die Kontrolle über die Situation haben würde, und ich dachte definitiv, ich hätte die Kontrolle über die Männer.»

Trügerisches Selbstwertgefühl

«Das Tanzen gab mir ein Selbstwertgefühl, jedoch auf eine so trügerische und destruktive Weise, dass ich zuerst nicht erkannte, dass ich mich mehr und mehr in einer Grube der Hölle angekommen war.» In den kommenden zwei Jahren schlief sie mit unzähligen Männern, scheiterte am College und verlor völlig denn Sinn dafür, wer sie eigentlich war.

Sie wollte sich das Leben nehmen, entschied sich dann aber, in einen anderen Staat zu ziehen. Doch die Probleme folgten ihr. Sie war in den frühen Zwanzigern und wollte doch eigentlich nur geliebt werden.

Jesus?

Ihr wurde in diesen turbulenten Jahren von Jesus erzählt, aber sie hörte nicht zu. «Ich hasste Gott. Welche Art von Gott würde zulassen, dass einem Kind diese schrecklichen Dinge zustossen?» Doch Jesus Christus habe sie immer noch umworben. «Er liebte mich zu tiefst, obwohl die Welt mich ansah und sich beschämt abwandte. Er hat sich nie für mich geschämt. Er kannte mich, bevor ich den ersten Atemzug machte. Er wusste, welchen Weg ich gehen würde, wollte mich aber trotzdem.»

Sobald sie ihn ins Herz liess, begannen sich die Dinge zu ändern, auch wenn sie weiterhin mit gewissen Mustern zu kämpfen hatte. «Selbst als ich glücklich verheiratet war und süsse Zwillinge hatte, kämpfte ich immer noch gegen den Alkoholismus und destruktive Gedanken.» Aber Gott habe sie nie im Stich gelassen. «Er war und ist geduldig mit mir, während ich durch mein Leben gehe und für ihn lebe. Er hat mich von meinen Abhängigkeiten befreit. Er hat mich von den Gedanken befreit, die sagten: 'Ich bin der Liebe nicht würdig.'»

Nicht die Ketten kontrollieren

Sie gründete die Organisation «We are Cherished», die sich um Frauen in ähnlichen Situationen kümmert. Sie ermutigt andere Frauen: «Nur Gott kann dich wirklich erfüllen. Er möchte, dass du mit ihm redest. Er bricht die Ketten und schenkt Freiheit. Freiheit bedeutet nicht, die Ketten zu kontrollieren. Die Freiheit kommt von der Befreiung aus den Ketten und dem Festhalten an der Liebe Jesu.»

Im Laufe der Jahre führte ihr Dienst dazu, dass unzählige Frauen den liebenden Gott kennenlernen konnten. Zusammen mit ihrem Mann hat sie mittlerweile sechs erwachsene Kinder und drei Enkel.

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