Mutter und Tochter im Knast – «Mein jüngstes Kind hatte mich nie clean gesehen!»

Sandy Harrell
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Sandy Harrell
10.2.2016
4 min

Seit einigen Monaten war Sandy Harrell im Gefängnis. Da berichtete einer der Wärter, dass ihre Tochter Casey bald kommen werde. Nicht als Besucherin, sondern als Insassin. Casey freute sich: Erstmals stritt sie sich nicht mit Mama um die Meth-Pfeife. Das brach Sandys Herz – und führte zu einem Aufbruch.

Jahrlang hatte die US-Amerikanerin Crystal Meth verkauft und konsumiert – erst vor den Augen und und dann gemeinsam mit ihrer Tochter Casey. Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder begann bei der Geburt ihres zweiten Sohnes mit dem Meth-Handel und Konsum. Sie hatte damit begonnen, um nach der Schwangerschaft Gewicht zu verlieren. Doch daraus wurden Jahre des Drogenmissbrauchs – sogar als sie mit Casey schwanger war. «Durch die Drogen merkte ich nicht einmal, dass ich schwanger war – bis im siebten Monat! Mein jüngstes Kind hatte mich nie clean gesehen.»

Doch nun hatte ihr chaotischer Lebenstil die beiden eingeholt und nach der Mutter wurde auch ihr jüngstes Kind ins «Missouri Chillicothe Correctional Center» eingeliefert. «Ich war schon vorher im Gefängnis, aber nie mit meiner Tochter», erinnert sich Sandy. «Nun schlug mir die Realität ins Gesicht!»

Schrei nach Hilfe

«Eines Morgens sass ich in unserer Zelle, trank Kaffee und schaute zu, wie sie schlief. Als sie aufwachte, setzte sie sich hin und sagte: 'Mama, ist das nicht grossartig? Wir haben uns zum ersten Mal nicht über eine Meth-Pfeife gestritten!'» Das brach Sandys Herz. Während ihre Tochter duschen ging, schrie sie zu Gott um Hilfe. In dem Moment erkannte sie, dass der Drogenmissbrauch das einzige Leben war, das ihre mittlerweile 30-jährige Tochter kannte.

«Ich bat Gott um Hilfe, denn ich kannte kein anderes Leben – doch jetzt musste sich etwas ändern!», erinnert sie sich. «Ich spürte seine Gegenwart und einen inneren Frieden. Eine Wärme umhüllte mich und ich wusste, dass er zuhört.» Sie selbst sei in einem «guten» Hause aufgewachsen, «und ich wünschte, ich könnte das über meine beiden eigenen Kinder sagen.»

Auf der Suche

Zwar hatte Sandy immer an Gott geglaubt, aber gedacht, dass sie seiner Liebe nicht würdig sei. Nun spürte sie hinter Gittern, wie er sie rettete. Doch sie hatte keine Ahnung, wie sie nun anders leben sollte, als in den 34 Jahren die seit Beginn der Drogenkarriere verstrichen waren. Harrell hatte nur einen Freund, der clean war und ein Leben führte, das Gott gefallen könnte, doch der lebte in einer anderen Stadt.

Nach ihrer Entlassung blieb sie zunächst bei ihrem zweiten Sohn Chad, der sich im Gegensatz zum Rest der Familie nicht mit Verbrechen und Drogen eingelassen hatte. Bald zog sie in ein eigenes Appartement – und erstmals in ihrem Leben war sie alleine. «Ich war besorgt, ich hatte keine Kirche, keine cleanen Freunde, doch ich las meine Bibel und betete viel. Ich besuchte mehrere Kirchen, doch ich fand keinen passenden Ort für mich.»

Ein «helles Licht»

Ein Cousin lud sie dann zu einem Treffen von «Freeway Ministries» ein. Das ist eine Baptisten-Organisation, die sich um Menschen kümmert, die schwer erreichbar sind, um ihnen den christlichen Glauben auf eine Weise bekannt zu machen, die für sie passend ist – nämlich durch Leute, die aus ähnlichen Umständen und Hintergründen kommen. «Genau danach hatte ich gesucht», erinnert sich Sandy. Selbst die schlimmsten Tage seien nun besser als die besten Tage in ihrem alten Leben.

Inzwischen ist Sandy getauft und engagiert sich für andere betroffenen Personen. «Ich sehe nun, wie Menschen verändert werden.» Von anderen Mitwirkenden wird sie als «helles Licht» beschrieben, Gott habe Grosses an ihrem Herzen und in ihrem Leben getan. Ihr Mann Gary, der nie eine Bibel in der Hand hatte, seit sie Sandy ihn kannte, entschied sich ebenfalls hinter Gittern für ein Leben mit Christus.

Noch sind ihre Tochter und der älteste Sohn im Gefängnis. «Gott kann Familien heilen und wiederherstellen und ich warte darauf, dass wir wieder vereint sind», schaut Sandy Harrell in die Zukunft und verweist auf die Bibelstelle in Jeremia, Kapitel 29, Vers 11: «Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung.»

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