«In die Augen schauen» – Almosen geben – oder Liebe?

13.4.2016
3 min
Armut
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In seiner Predigt am letzten Wochenende vor 50'000 Menschen wagte sich Papst Franziskus auf Glatteis. Für einmal ging es nicht um Fragen der Sexualethik oder um Missbrauch. Sondern um die feine Linie zwischen gedankenloser Wohltätigkeit und wirklicher Liebe. Der Unterschied macht Welten aus.

«Almosen geben» ist die antike Praxis, dass man Menschen in Not Geld oder etwas zu essen gibt. Heute würden wir es «Wohltätigkeit» nennen. Auch im Judentum und in der Bibel hat diese soziale Handlung ihren festen Platz – gab es doch damals keine sozialen Institutionen, die für Arme sorgten. Wohltätig sein ist wichtig – aber es kann auch gefährlich sein. Der Papst hielt in seiner Predigt fest: «Almosen geben heisst nicht einfach hastig irgendeiner Person etwas Kleingeld geben, ohne sie anzuschauen, ohne ein kurzes Gespräch, ohne zu verstehen, was sie wirklich brauchen.» Stattdessen sei es «ein Akt ernsthafter Aufmerksamkeit gegenüber denen, die um unsere Hilfe bitten; man macht es ohne Aufhebens, und nur Gott kennt und versteht den Wert.»

Feine Linie

Natürlich ist es wichtig, Geld zu geben. Christen geben zum Beispiel von jeher freiwillig den «Zehnten» (Teil ihres Einkommens) für geistliche und soziale Zwecke. Ohne Geben – regelmässig und auch spontan – würden tausende von Menschen unnötig sterben und viel Gutes wäre nicht möglich.

Die Linie zwischen Almosen und Liebe ist eine feine Linie. Franziskus warnt uns, nicht einfach Geld zu geben als Entschuldigung, dass wir uns nicht um den Menschen kümmern, der uns gegenübersteht. Wohltätigkeit kann gefährlich sein: wir beruhigen unser Gewissen, wir «tun unseren Teil» - und verabschieden uns damit aus der Liebe. Allzu schnell wird das Geben zu einem Routine-Akt.

Wenn Wohltätigkeit das Gegenteil erreicht

Wir können «Geld geben» als Gelegenheit nutzen, uns Menschen vom Leib zu halten. Wohltätigkeit kann eine Distanz zwischen Geber und Empfänger schaffen, so dass keiner das Leben des anderen wirklich beeinflusst. Wir müssen wirkliche Armut nicht aushalten und keinem Menschen in die Augen schauen. In diesem Sinn kann Wohltätigkeit und Spenden den Status Quo zementieren, statt etwas zu verändern. Statt Armut zu bekämpfen, werden die Zustände verfestigt, denn es gibt keine Begegnung und kein inneres Engagement. Wirkliche Liebe erfordert einen Kontakt und inneres Engagement «von Angesicht zu Angesicht».

Gott ist mehr als wohltätig

Die Predigt des Papstes erinnert daran, wie Gott gehandelt hat. Statt im Himmel sitzen zu bleiben und die Menschen «bloss» mit guten Gaben zu unterstützen (was er ja permanent und reichlich tut), suchte Gott die persönliche Begegnung und setzte sich der Armut und dem Bösen unter uns Menschen sehr direkt aus. Jesus ist «Gott als Mensch unter uns». Gott kam auf Augenhöhe zu uns. Und in der Passionszeit, die gerade hinter uns liegt, haben wir gesehen, was die Menschen mit ihm gemacht haben und was Gott seine Liebe gekostet hat. Billiger ging es nicht, und dieser Tod veränderte alles und erlöst uns. Wer sein volles Vertrauen auf Jesus setzt, wird aus Verlorenheit und Gottferne errettet und bekommt eine Beziehung mit Gott – das nennt die Bibel «ewiges Leben».

Stellen Sie sich vor: Sie bitten Gott um ein paar Almosen (ein bisschen Glück, ein bisschen Gesundheit), aber der Schöpfer des Universums bleibt stehen, schaut Ihnen in die Augen und sagt: «Ich möchte eine persönliche Beziehung der Liebe zu dir. Du bist mir wichtig.» Gehen Sie darauf ein?

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