Bibelstudium: Matthäus 12,38-42

1.7.2008
4 min

Wir wollen Beweise!

38 Einige Schriftgelehrte und Pharisäer traten an Jesus heran und sagten: «Vollbringe vor unseren Augen ein Wunder, an dem wir eindeutig erkennen können, ob du wirklich von Gott kommst!» 39 Jesus antwortete ihnen: «Nur böse, gottlose Menschen können dafür noch Beweise verlangen. Aber sie werden auch nur das gleiche Zeichen zu sehen bekommen, das am Propheten Jona geschah. 40 Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des grossen Fisches. Ebenso wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Grab sein. 41 Die Einwohner Ninives werden euch am Gerichtstag verurteilen, denn sie änderten sich. Nach Jonas Predigt wandten sie sich von ihrem sündigen Leben ab und bekehrten sich zu Gott. Der hier vor euch steht, ist aber grösser als Jona. Und ihr glaubt ihm nicht! 42 Die Königin aus dem Süden wird einmal beim Gericht Gottes als Zeugin gegen dieses Volk auftreten und es verurteilen. Denn sie kam von weit her, um von der Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Der hier vor euch steht, ist grösser als Salomo, aber ihr weigert euch dennoch, seinen Worten zu glauben.» Übersetzung: Hoffnung für Alle

Kommentar

12,38 Trotz aller Wunder, die Jesus gewirkt hatte, besassen die Schriftgelehrten und Pharisäer die Frechheit, ihn nach einem Zeichen zu fragen. Sie deuteten damit an, dass sie glauben wollten, wenn er sich als Messias ausweisen könnte! Aber ihre Heuchelei war leicht zu durchschauen. Wenn sie nach so vielen Wundern immer noch nicht glauben wollten, wie konnten sie durch weitere Wunder überzeugt werden? Die Haltung, die Wunder und Zeichen als Bedingung für den Glauben verlangt, gefällt Gott nicht. Wie Jesus schon zu Thomas sagte: "Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh 20,29). Nach Gottes Plan folgt das Sehen dem Glauben. 12,39 Der Herr sprach sie als "böses und ehebrecherisches Geschlecht" an - böse, weil sie absichtlich für ihren Messias blind waren und ehebrecherisch, weil sie geistlich ihrem Gott untreu geworden waren. Ihr Schöpfer-Gott, eine einzigartige Person, die in sich die absolute Gottheit und die vollkommene Menschlichkeit verkörperte, stand in ihrer Mitte und sprach zu ihnen, und sie wagten es, ihn nach einem Zeichen zu fragen! 12,40 Zusammenfassend sagte er ihnen, dass sie kein Zeichen erhalten würden als das des Propheten Jona. Damit bezog sich Jesus auf seinen Tod, sein Begräbnis und seine Auferstehung. Jonas Erlebnis, als er von dem Fisch verschlungen und wieder ausgespien wurde (Jona 1,17;2,10) war ein Hinweis auf das Leiden und die Auferstehung des Herrn. Jesu Auferstehung aus den Toten ist allerdings das endgültige, grösste Zeichen seines Dienstes am Volk Israel. Genauso, wie Jona drei Tage im Bauch des grossen Fisches war, so, sagte unser Herr voraus, würde er drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Diese Aussage wirft ein Problem auf. Wenn, wie normalerweise angenommen wird, Jesus am Freitagnachmittag begraben worden ist, und am dritten Tage auferstanden ist, wie kann man dann sagen, dass er drei Tage und drei Nächte im Grab verbrachte? Die Antwort lautet folgendermassen: Nach der jüdischen Zeitrechnung zählt jeder Teil eines Tages und einer Nacht als ein vollständiger Zeitraum. "Ein Tag und eine Nacht sind ein onah, und ein Teil des onah ist wie das Ganze" (Jüdisches Sprichwort). 12,41 Jesus stellte die Schuld der jüdischen Führer durch zwei Gegensätze dar. Erstens waren die Heiden in Ninive weitaus weniger bevorzugt, doch als sie die Predigt des ungehorsamen Propheten Jona hörten, taten sie Busse. Sie werden im Gericht aufstehen, um die Menschen zu verdammen, die in den Tagen Jesu den nicht annahmen, der grösser war als Jona: den fleischgewordenen Sohn Gottes. 12,42 Zweitens führt Jesus die Königin von Saba an, eine Heidin, die ausserhalb der jüdischen Vorrechte lebte, die "von den Enden der Erde" gereist kam, und zwar unter grossem Aufwand und Kosten, um ein Gespräch mit Salomo zu führen. Die Juden in den Tagen Jesu mussten noch nicht einmal eine Reise machen, um ihn zu sehen, er war vom Himmel in ihre Nachbarschaft gekommen, um ihr Messias-König zu sein. Doch hatten sie in ihrem Leben keinen Platz für ihn - der doch unendlich grösser als Salomo ist. Eine heidnische Königin wird sie am Tage des Gerichtes für diese mutwillige Unachtsamkeit verurteilen. In diesem Kapitel ist gezeigt worden, dass unser Herr grösser als der Tempel .(V. 6), grösser als Jona (V. 41) und grösser als Salomo ist. Er ist "grösser als das Grösste und weit besser als das Beste".

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Die Bibel spricht immer wieder davon, dass Gott eine gewisse Vorliebe für die Armen und Benachteiligten hat.

Glücklich sind die Abgebrühten und Arroganten?

In unserer Welt sind Stärke und Selbstsicherheit gefragt. Wer gross herauskommen will, muss von sich überzeugt sein. Nichts könnte weiter von der Vision entfernt sein, die Jesus in seinen Seligpreisungen formuliert hat.
Thema
Ist die Bibel schwer verständlich?

Sind die Paulusbriefe schwer verständlich?

Grundsätzlich ist das Neue Testament leichter verständlich als das Alte. Dennoch meiden viele die Briefe, die vom Apostel Paulus geschrieben wurden, weil auch sie scheinbar nicht leicht zu verstehen und interpretieren sind – aber ist dem wirklich so?
Thema
Freude, die mehr ist, als ein Gefühl

Die «Trotzdem»-Freude: Paulus' Philipper-Perspektive

Dass Freude mehr ist als ein Gefühl, das einen ab und zu überwältigt, zeigt Paulus im Philipperbrief. Der ist leidgetränkt, sehr bodenständig und trotzdem voller Freude.
Thema
Gottes Wort sättigt

Was satt macht: Das Brot Gottes

Im Johannesevangelium geht es nicht nur um die Spuren von Jesus, sondern es schimmert auch immer wieder die Gedankenwelt des Alten Testaments durch. Eine Miniserie zeigt diese Dimensionen auf, heute geht es um das Brot des Lebens.