«Ein guter Christ liest jeden Tag in der Bibel!» Diese Redewendung kennen vermutlich viele. Schnell hören wir diese Aussage auf dem Appell-Ohr: Als wäre das Bibellesen etwas, das wir machen müssten. Dadurch wird es oft zur Last, die man entweder beiseiteschiebt oder einfach erledigt wie eine Hausarbeit. Viele spüren zudem Druck von aussen.
Dabei heisst es doch in der Bibel, dass wir unsere Gedanken erneuern lassen sollen (Römer 12,2). Wie machen wir das? Natürlich durch das Wort Gottes. Deshalb lohnt es sich, zu fragen, wie sich die Bibel wirklich verinnerlichen lässt, anstatt sie nur stumpf zu lesen.
Gottes Wort meditieren
Es gibt verschiedene Arten, wie man die Bibel lesen kann. Eine Form ist meditatives Bibellesen. Dabei geht es nicht darum, sich sich von allem loszulösen, wie es bei anderen Religionen der Fall ist. Es geht vielmehr darum, sich mit Gottes Wort zu füllen. Man kann eine Bibelstelle lesen, sie verinnerlichen und immer wieder bewegen.

«Sag dir die Gebote immer wieder auf! Denke Tag und Nacht über sie nach, damit du dein Leben ganz nach ihnen ausrichtest. Dann wird dir alles gelingen, was du dir vornimmst.»
Josua 1,8
HFA
Das ständige Meditieren (Verinnerlichen) des Wortes soll es in uns tief verankern, sodass unser Glaube unabhängig von schwankenden Umständen oder Gefühlen ruht.
Schliesslich geht es auch darum, diese Worte immer wieder laut auszusprechen. «Meditieren» heisst im Hebräischen «Hagah» («הָגָה»). Das bedeutet so viel wie «murmeln» oder «halblaut vor sich hin sprechen». Somit bezeichnet es einen aktiven, hörbaren Prozess.
Praktische Schritte zur Anwendung
Diese Form der Meditation oder Verinnerlichung kann in mehreren Schritten angewendet werden. Am Anfang steht die Auswahl eines konkreten Bibelverses. Aber welche eignen sich dazu? Am besten wählst du eine Stelle, in der Gott eine konkrete Verheissung schenkt, beispielsweise im zweiten Timotheusbrief:
«Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.»
2. Timotheus 1,7
NLB
Dann liest du ihn ein paar Mal langsam durch – zuerst leise, dann laut. Lerne ihn auch gerne auswendig. Wiederhole den Vers während des Tages immer wieder.
Anschliessend kannst du versuchen, den Vers auf dein persönliches Leben zu beziehen. Mache dir den Vers noch einmal bewusst, bevor du schlafen gehst. Er darf auch gerne am nächsten Morgen wieder der erste Gedanke sein.
Mehr als blosse Repetition
Aber was soll das nun konkret bringen? Es ist wie bei einem Prozess, der Zeit braucht. Je mehr man Gottes Wort verinnerlicht hat, desto mehr wird es sich auf unseren Glauben und unser Leben auswirken.
Das ist es, was wir uns als Nachfolger von Jesus wünschen: einen lebendigen, kraftvollen Glauben, der uns freisetzt und unser Leben beflügelt.





