Biblische Perspektive – Das Schlachtfeld der Gedanken

Jeden Tag schwirren tausende von Gedanken durch unseren Kopf. Darunter sind neutrale, gute aber auch schlechte. Wie können wir mit diesen Gedanken umgehen. Und was sagt eigentlich die Bibel dazu?
8.5.2026
5 min
Für was lebe ich?
Unsplash, Christophe Meyer
Für was lebe ich?

Stan Wawrinka ist einer der erfolgreichsten Tennisprofis der Schweiz. Das vergisst man gerne. Überstrahlt wird er von einem Roger Federer, dem grossen Tennis-Maestro, der für die Schweiz 20 Grand-Slam-Titel (also Titel an den grössten Turnieren) gewinnen konnte. Stan Wawrinka dagegen gewann «nur» drei. Aber diese drei hatten es in sich. Er war schon in einem fortgeschrittenerem Alter mit 28 Jahren, als er seinen ersten Titel an den Australian Open in Melbourne holte.

Never give up!

Stan Wawrinkas Tattoo
Tennischannelblog
Stan Wawrinkas Tattoo

Eindrücklich war dabei seine Resilienz. Stan Wawrinka hatte die Gabe, aus Rückschlägen zu lernen und besser zu werden. Das zeigt auch ein Tattoo, das er auf seinen Arm tätowiert hat. Dort heisst es übersetzt: «Versucht. Gescheitert. Egal. Erneut versuchen. Erneut scheitern. Besser scheitern.»

Lang stand Stan Wawrinka im Schatten der ganz Grossen, wie Federer, Nadal oder Djokovic. Seine Einstellung hat ihn dazu geführt. Auch weil er seine Gedanken wohl immer wieder erneuern musste. Die negativen Folgen des Scheiterns musste er auslöschen und sie wieder mit positiven und hoffnungsvollen Gedanken füllen.

Apostel Paulus

Es gibt eine Person in der Bibel, von der wir dazu sehr viel lernen können. Es ist der Apostel Paulus. Ein Mann, der selbst eine dramatische Bekehrungsgeschichte hinter sich hat  – vom Christenverfolger zum leidenschaftlichen Nachfolger und Apostel von Jesus. Er gilt auch als einer der erfolgreichsten Missionare und einer der ersten Theologen. Er ist zudem der Autor der meisten neutestamentlichen Briefe.

Sterben als Gewinn

Paulus hat gewisse Aussagen gemacht, bei denen wir heute wohl die Stirn runzeln müssen. Eine davon steht im Philipperbrief, Kapitel 1, Vers 21 (HFA): 

«Denn Christus ist mein Leben und das Sterben für mich nur Gewinn.»

Eine radikale Aussage. Der erste Teil ist für viele Menschen nachvollziehbar. Christus ist das Leben. Das würde wahrscheinlich jeder Mensch befürworten, der sich als ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin von Christus bezeichnet.

Beim zweiten Teil wird’s schon schwieriger. Sterben soll ein Gewinn sein? Gerade in unserer westlichen Kultur, wo Sterben als etwas Trauriges, Schwerfälliges und sehr Schwieriges angeschaut wird.

Herkunft von Paulus

Gemälde von Apostel Paulus
Ministerio de Cultura, El Grecos
Gemälde von Apostel Paulus

Um dies zu verstehen, müssen wir in der Biografie von Paulus zurückspulen. Paulus stammt ursprünglich aus Zilizien, Das war eine Region im damaligen Klein-Asien, der heutigen Türkei. Dies gehörte in dieser Zeit zum römischen Gebiet und darum erhielt Paulus auch die römische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern waren sehr wohlhabend und er erlernte dazumal auch das Handwerk des Zeltmachers.

Er ging beim jüdischen Rabbi Gamaliel in die Schule und wurde schon bald zu einem der erbittertsten Verfolger der noch jungen ersten Kirche. Doch durch ein dramatisches Bekehrungserlebnis (nachzulesen in den ersten Versen des 9. Kapitels der Apostelgeschichte) wechselte er die Seiten.

Das neue Leben von Paulus

Gleich nach seiner Bekehrung heisst es, dass Paulus etwas gegessen hatte und zu Kräften kam. Dabei verbrachte er auch einige Tage bei den Jüngern in Damaskus (Apostelgeschichte Kapitel 9, Vers 19).

In diesen Passagen steht zwar ausdrücklich nichts von einem neuen Denken. Es ist aber anzunehmen, das Paulus schon zu dieser Zeit eine tiefe innige Beziehung zu Gott pflegte und dabei auch an seinem inneren Menschen (seiner Seele) erneuert wurde.

Eine neue Weise, zu denken

Eine zentrale Aussage des Apostels Paulus findet sich auch im Römerbrief. In den ersten beiden Versen des zwölften Kapitels:

«Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe. Passt euch nicht den Massstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.» (HFA)

Hier spricht Paulus von einer neuen Weise zu denken. Sicherlich ist hier einerseits der Moment gemeint, wenn wir wiedergeboren werden, also uns für ein Leben der Nachfolge für Jesus Christus entscheiden. In diesem Moment wird unser Geist komplett erneuert. Das tägliche Leben mit dem heiligen Geist, der dann in uns lebt, ist ebenfalls ein stetiger Erneuerungsprozess.

Aber das ist noch nicht alles.

Für was lebe ich?

Jeden Tag können wir uns von neuem entscheiden, für was wir leben. Das kann unser Auto sein, oder der Fussball-Verein oder auch der eigene Ehepartner. Das ist alles nicht schlecht. Aber wenn wir es höher gewichten als unsere Beziehung zu Jesus Christus, dann ist diese Sache nicht am richtigen Platz. Die Bibel hat einen passenden Ausdruck dafür: Götzendienst.

Wie lege ich das ab? Indem ich mich jeden Tag mit seinem Wort beschäftige und mich von diesem inspirieren und prüfen lasse. Aber das allein reicht noch nicht.

Für wen lebe ich?

Römer Kapitel 12, Vers 1 ergänzt hier: Wir sollen auch ein lebendiges und heiliges Opfer werden. Also unser ganzes Leben Gott zur Verfügung stellen. Das heisst: Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille!

Sind wir bereit unsere Träume und Wünsche aufzugeben für Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist?

Zum Autor: Nach einer KV-Lehre und einigen Berufsjahren hat Karl Dittli Theologie am TDS studiert. Später hat es ihn in den Journalismus verschlagen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Amriswil. Karl ist leidenschaftlicher Jogger, Leser und trifft sich gern mit Menschen. Ausserdem ist er begeistert von Italien.

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