Biblische Orte heute – Der Areopag – viele haben ihn vergessen

16.2.2016
3 min

In Griechenland ist der Akropolis ein allgegenwärtiges Monument. Doch bei vielen Einheimischen unbekannt ist der gleich danebenliegende Areopag. Da von diesem einst ebenfalls prägenden Ort heute nur ein leerer Steinhügel übrig geblieben ist, spielt der Ort für viele keine Rolle mehr.

Die Griechen sind stolz auf ihre Geschichte. Der Areopag, das alte Olympia-Stadion und viele Stätten sind dem Touristen zugänglich. An jeder Strassenecke sind Miniaturen der damaligen Hochkultur erhältlich. In der «Wiege der Demokratie» wird gern die Leistung der antiken Griechen hervorgehoben.

Sogar in der Bibel erwähnt, ist der Areopag. Einst tagte an dieser Stätte der oberste Rat. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Paulus bei seinem Athen-Besuch vor dem Areopag auftrat: «Weil die Philosophen mehr über die neue Lehre erfahren wollten, nahmen sie den Apostel mit vor den Areopag, den Gerichtshof von Athen. 'Was wir von dir hören, ist alles neu und fremd für uns', erklärten sie Paulus. 'Wir möchten gern mehr davon wissen.' Denn sowohl die Athener als auch die Fremden in dieser Stadt beschäftigten sich am liebsten damit, Neuigkeiten zu erfahren und weiterzuerzählen.» So heisst es in der Apostelgeschichte, Kapitel 17, Verse 19 bis 21.

Areopag untouristisch

Und im Folgenden ist beschrieben, wie Paulus auf das Anliegen eingeht: «Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: 'Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit grosser Hingabe dient; denn ich habe in eurer Stadt viele Heiligtümer gesehen. Auf einem Altar stand: 'Dem unbekannten Gott.' Von diesem Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, spreche ich. Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben.'» Wie Paulus Gott vorstellte, kann hier weiter mitverfolgt werden.

Nun könnte man davon ausgehen, dass diese biblische Erwähnung im heutigen Griechenland ebenfalls mit aller Kraft den Touristen feilgeboten wird, bei der ansonsten allgegenwärtigen Glorifizierung von Kultur und Geschichte. Doch weit gefehlt: Weder auf Bildern noch in kleinen Tonausgaben ist eine Miniatur-Replik des Areopag in der Vielzahl der Shops in der Stadt erhältlich. Und auf Nachfrage bedauern die Verkäufer, dass ihnen weder der Areopag noch Paulus etwas sagen.

Ausflugsziel

Bevölkert ist der Steinhügel aber immer, er ist ein beliebter Picknick-Ort, bietet er doch einen atemberaubenden Blick über Athen. Wer den Fussmarsch von der U-Bahn-Station neben der antiken Bibliothek Agora hinauf zu Akropolis nicht scheut, kraxelt über den Areopag. Da und dort ist ein Kehrichteimer aufgestellt, damit er nicht zur Geröllhalde wird.

Nur eine kleine Gedenktafel deutet auf die ruhmreiche Vergangenheit hin.

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