Treue ist eine wichtige Eigenschaft
Wenn zwei Menschen sich finden und heiraten, schwören sie sich bei der Trauung in vielen Fällen auch ewige Treue. Auch in Freundschaften, in Verpflichtungen, bei Arbeitsaufträgen gilt es, treu zu sein. Treue ist eine wertvolle Eigenschaft, die Disziplin und auch Leidenschaft benötigt – und natürlich auch einen langen Atem.
In der Regel ist Treue etwas, das nicht einfach so auf die Schnelle entsteht, sondern erst mit der Zeit. Zuverlässig sein gegenüber Projekten, Verpflichtungen und auch Menschen. Das Gleiche gilt in unserer Beziehung mit Gott. Treue hat auch hier mit Integrität und Rechenschaft zu tun. Was ich sage, lebe ich auch. Das kann heissen, eine Rechnung rechtzeitig zu bezahlen oder pünktlich zu einem Termin zu erscheinen.
Treue in der heutigen Zeit
Treue schwärmt man heutzutage schnell in einem Lippenbekenntnis vor, doch dann passiert es oft, dass man danach etwas völlig anderes sagt, tut oder vorlebt. Diese Tendenz kann man zum Beispiel in der Profi-Fussball-Welt beobachten: Spieler küssen erst nach einem erfolgreichen Spiel das Vereinslogo auf dem Trikot, nur um dann ein paar Monate später dem Ruf des grossen Geldes zu folgen und doch zum Starverein zu wechseln.
Hingegen werden Vereinsikonen wie Francesco Totti (AS Rom), Paolo Maldini (AC Milan) oder Ryan Giggs (Manchester United) immer seltener, die ihre gesamte Karriere nur bei einem einzigen Verein spielten, ohne den Verlockungen der grossen Vereine zu erliegen. Nun kann man an dieser Stelle sagen, dass dies nur Verträge sind.
Wie sieht es denn bei den Ehen aus? Diese ist nicht nur ein Vertrag, sondern ein Bund. Doch heute scheint ein Ehe-Versprechen nicht mehr so viel zu bedeuten wie früher, und die Ehe kann jederzeit wieder aufgelöst werden.
Treue in der Bibel
Dabei sagt uns Jesus Christus deutlich im Matthäus-Evangelium:
«Und was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.»
Matthäus 19,6
HFA
Das ist ein deutlicher Aufruf zur Treue in der Ehe.
Natürlich finden wir unzählige weitere Verse in der Bibel zu Treue. Die Treue unseres Gottes kommt zum Beispiel im 1. Thessalonicherbrief zum Ausdruck:
«Gott hat euch ja dazu auserwählt; er ist treu, und was er in euch begonnen hat, das bringt er auch ans Ziel.»
1. Thessalonicher 5,24
HFA
So wie der Vater treu ist, so ist auch der Sohn treu. Jesus Christus hat seine Treue bewiesen, indem er Leiden ertragen hat, am Kreuz für uns starb, am dritten Tag auferstanden ist und mit seiner Auffahrt von dieser Welt in den Himmel seinen göttlichen Auftrag vollendete. Im 2. Timotheusbrief heisst es:
«Sind wir untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht untreu werden.»
2. Timotheus 2,13
HFA
Als Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus Christus sind wir gewissermassen auch eine Visitenkarte. Als «kleine Christusse» repräsentieren wir Jesus auf dieser Erde. So dürfen wir auch lernen, Jesus in seiner Treue nachzuahmen.
«Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Grossen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Grossen ungerecht.»
Lukas 16,10
HFA
Andere Verse fordern uns auf, im Umgang mit Geld, bei den Treffen mit anderen Gläubigen (Lukas 16,11) oder im Geben (Matthäus 25,20-21) treu zu sein. Jede dieser Facetten der Treue können wir uns zum Vorbild nehmen.
Treue im Alltag trainieren
Die beiden biblischen Hauptbegriffe für Treue in der Bibel sind «Pistis» (πίστις) und das dazugehörige Adjektiv «Pistos» (πιστός). «Pistis» bedeutet je nach Kontext Treue, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit, aber eben auch Glaube und Vertrauen.
«Pistos» beschreibt dementsprechend auch eine Person, die treu, zuverlässig, glaubwürdig und loyal ist – jemanden, der seinen Auftrag bewährt erfüllt.
Treu wird man nicht einfach so von heute auf morgen. Auch wenn man vielleicht eher Mühe hat, an etwas dranzubleiben, kann man die kleinen Dinge im Alltag trainieren:
Zusagen einhalten: zum Beispiel pünktlich bei Terminen oder Verabredungen erscheinen
Wort halten: Nur «Ja» sagen, wenn man es auch einhalten kann.
Pflichten erfüllen: ungeliebte Aufgaben im Haushalt oder Job ordentlich erledigen
Dasselbe gilt auch für geistliche Disziplinen. Die Frucht des Geistes wächst durch die Nähe zu Gott. Geistliche Routinen verankern unser Leben in Gottes Treue.
Feste Zeiten: sich jeden Tag fünf bis zehn Minuten für Gebet und Bibellesen reservieren
Qualität vor Quantität: lieber jeden Tag einen kurzen Vers lesen als einmal im Monat ein ganzes Kapitel
Beständigkeit: auch dann zu einem Treffen (Gottesdienst oder Kleingruppe) gehen, wenn man keine Lust hat
Diese Liste ist beliebig erweiterbar. Auch empfiehlt es sich, mit einer Person im Austausch zu sein, der man vertraut und die vielleicht ein bisschen älter oder erfahrener ist. Treue ist eine Eigenschaft, die man trainieren kann. Der Heilige Geist kann uns dabei helfen und uns ausrüsten. Er ist es, der uns Treue schenkt.



