Geduld

10.12.2009
2 min

Der Sinn des Ausdrucks

Der griechische Ausdruck hypomoné bedeutet eigentlich »Darunterbleiben.« Doch nicht so, dass man willenlos über sich ergehen lässt, was da kommt; sondern so, dass man unter dem Druck widriger Verhältnisse oder feindlicher Mächte an seiner Überzeugung festhält und auf Befreiung hofft.

Ein Geduldiger beugt sich in Ehrfurcht unter die Hoheit des göttlichen Willens, wenn ihm Schweres auferlegt ist (er läuft nicht aus der Schule), steht aber doch auch wieder aufrecht da, besonders vor Menschen, und verliert nicht die Zuversicht.

An vielen Stellen ist der griechische Ausdruck am besten mit Tapferkeit, Standhaftigkeit oder Durchhalten zu übersetzen. Jakobus 5,11 ist zu übersetzen: »Siehe, wir preisen selig, die standhalten. Von der Standhaftigkeit Hiobs habt ihr gehört.« Das Wort Jesu (Matth. 24,13) lautet: »Wer durchhält bis zum Ende, wird errettet.«

Geduld ist eine Lebensenergie des Glaubens

Geduld wächst aus dem Glauben (Jak. 1,3) - Ungeduld aus dem Atheismus (das heisst aus einem gottfernen Leben). Der Geduldige trägt seine Last mit grosser Freudigkeit, nicht mit anerzogenem Gleichmut (Matth. 5,10-12; Hebr. 10,32-36; Jak. 1,2); er überwindet nicht mit knapper Not - er überwindet weit, er ist »mehr als Sieger« in den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Glauben und Unglauben, in dem rasenden Getümmel der Weltkrisen (Röm. 8,34-39).

»Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden« (Röm. 5,3-5). In diesem Sinn ist der Darunterbleibende ein Darüberstehender.

Die Geduld bewährt sich zu Zeiten auch darin, dass man Gewehr bei Fuss warten kann, wo alles zum Angriff drängt, dass man bei der scheinbar höchsten Notwendigkeit des Handelns auf jedes Unternehmen verzichtet, bis die ausdrückliche Weisung kommt (Joh. 11,6).

Wo von der Geduld Gottes die Rede ist, steht im Griechischen selten hypomoné, sondern meist makrothymía (Langmut) oder anoché (An-sich-Halten).

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Ruach bedeutet Geist, Wind, Atem

Was bedeutet «Ruach»? – Wo Gottes Geist in Bewegung bringt

Mit dem Wort «Ruach» beschreibt die Bibel den Geist Gottes. Die Literaturwissenschaftlerin Beate Bittner lädt ein, das altbekannte Wort neu zu entdecken. Steckt hinter dem vermeintlich vertrauten Begriff womöglich mehr als wir ahnen?
Thema
Es gibt viele Eigenschaften, die einen guten Hirten beschreiben.

Hirte sein – Von Schafen, Königen und dem Mann aus Nazareth

Die Bibel berichtet unzählige Male vom Beruf des Hirten. Welche Bedeutung hat er in der Bibel und und für uns heute? Und wie sieht das aus Perspektive der Schafe aus? Erläuterungen von Lydia Rieß.
Thema
Auch Gottes Mund und seine Nase werden in der Bibel beschrieben

Menschliche Eigenschaften – Gottes Mund und Gottes Nase

Die Gesichtsmerkmale Augen, Ohren, Mund und Nase üben die Funktionen von Sehen, Hören, Sprechen und Riechen aus. Alle diese Sinnesorgane sind nach biblischem Zeugnis auch Gott eigen. Was sagt die Bibel über Gottes Mund und Nase?
Thema
Leonard Cohen

Nachgehakt – Was bedeutet «Halleluja»?

Leonard Cohen ging mit seinem Lied «Halleluja» in die Geschichte ein. Manche benutzen den Begriff inzwischen als Ausdruck des Erstaunens. Und natürlich kennt man das Halleluja aus der Kirche. Doch was bedeutet dieses Wort eigentlich?