Gerechtigkeit Gottes

10.12.2009
3 min

Gott hat den Massstab seiner Gerechtigkeit in sich selbst

Gerecht (díkaios) ist, wer einer Norm (díke) entspricht, wer nach Gottes Geboten lebt. Ein Mensch ist gerecht, wenn sein Leben der göttlichen Norm entspricht, für ihn liegt der Massstab des Verhaltens ausserhalb seiner selbst.

Für Gott kann die Richtschnur seines Handelns nicht ausserhalb seiner liegen, sondern nur in seinem eigenen Wesen und Willen. Was er einmal wollte und bestimmte, dabei bleibt er; das ist seine Gerechtigkeit.

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde; durch den Hauch seines Geistes gab der Schöpfer dem Menschen eine gegenüber allen übrigen Geschöpfen einzigartige Hoheit. Als unmittelbar aus Gott stammend, sollte der Mensch seinem Schöpfer eng verbunden bleiben, ein Werkzeug seines Tuns, ein Träger seines Lichts sein. Der Mensch ist von seiner ursprünglichen Bestimmung abgefallen; das Göttliche in ihm ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt (Röm. 1,32; 3,9.20).

Gottes Gerechtigkeit ist sein Verharren bei seinem Schöpferwillen

Aber Gott verharrt bei dem, was er einmal bestimmte. Sein Wille bleibt so, wie er am Anfang war. Es soll und muss dahin kommen, dass der Mensch zurückkehrt zu seinem Schöpfer, dass das Gottähnliche in ihm wiederhergestellt wird.

Dass das geschehe, dazu setzt Gott Himmel und Erde in Bewegung. Auf dieses Ziel wird mit seinem ganzen Weltregiment abgesehen; darauf geht er gerade (ein hebräischer Ausdruck für »gerecht« ist auch verwandt mit der Bezeichnung für »gerade«), unaufhaltsam und unerschütterlich (Psalm 36,6. 7) los.

Damit das verwirklicht werde, sendet er seinen Sohn. Darum sagt Paulus: »Im Evangelium wird offenbart die Gerechtigkeit Gottes« (Röm. 1,17; Luther übersetzt: die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt). Das heisst: das Evangelium zeigt, dass Gott seinem ursprünglichen Willen treu bleibt: der Mensch solle ihm ähnlich, ihm innig verbunden sein; und dass er diesen Willen trotz aller Hindernisse sieghaft durchsetzt. Und eben darin zeigt sich die Gerechtigkeit Gottes. Die beiden berühmten Stellen: Römer 1,17 und Johannes 3,16 sagen dem Inhalt nach dasselbe.

Gottes Gerechtigkeit äussert sich darin, dass er zurechtbringt

Gott ist gerecht, bedeutet im Neuen Testament: Gott bringt zurecht. Sein Wille, zurecht zu bringen, gilt allen Menschen gleich; Gott will, dass allen Menschen geholfen werde (1. Tim. 2,4).

Seine Gerechtigkeit tritt darin zutage, dass es bei ihm keine willkürliche Bevorzugung einzelner Menschen gibt, kein Ansehen der Person (Röm. 2,11). Gott gibt wohl einzelnen Menschen oder Völkern hervorragende Gaben; aber sein Wille ist nie, dass sie zuungunsten anderer, sondern immer, dass sie zugunsten anderer verwandt werden (Matth. 20,25-28).

Gottes Gerechtigkeit kennt keine Schablonen

Gibt Gott jemandem mehr, so fordert er auch mehr von ihm. Seine Gerechtigkeit zeigt sich darin, dass er nicht alle Menschen mit einem Mass misst, sondern an jeden Menschen dessen besonderen Massstab anlegt (Luk. 12,47. 48). Hat ein Mensch grosse Gaben bekommen, so werden ihm um so grössere Lasten auferlegt und um so schwerere Aufgaben gestellt (2. Kor. 12).

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