Gott in neun «Sprachen» lieben

4.3.2018
3 min

Wie können wir im Glauben wachsen? Die Antwort auf diese Frage fällt oft sehr ähnlich aus: «Lies jeden Morgen in der Bibel und besuche am Sonntag den Gottesdienst.» Was aber, wenn diese «Strategie» nur für einen Teil der Gläubigen zum gewünschten Wachstum führt und für die anderen vor allem eine ernüchternde Erfahrung ist?

Das Buch «Neun Wege, Gott zu lieben» von Gary L. Thomas nimmt den Leser mit auf eine Reise. Eine Reise zur eigenen Persönlichkeit und gleichzeitig weit über den bekannten Horizont hinaus. Thomas zeigt auf, dass es nicht nur eine Art Glaubensleben gibt, sondern dass verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Zugänge zu Gott haben können. Diese neun «geistlichen Temperamente» könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch haben sie ein gemeinsames Anliegen: Gott nahe zu sein und im Glauben zu wachsen.

Extravertierte Aktivisten und ruhige Asketen

Gott hat jeden von uns mit einem individuellen Charakter geschaffen. Somit verwundert es nicht, dass wir ihn auf ganz unterschiedliche Art suchen und anbeten. Mehr noch: «Wir bestätigen Gottes Schöpfungswerk, wenn wir ihn so anbeten, dass es dem entspricht, was er in uns hineingelegt hat.» So gibt es beispielsweise den «aktivistischen Typ», der seine Liebe zu Gott dadurch ausdrückt, dass er für Gerechtigkeit einsteht. Konfrontation und Diskussionen liegen diesem Typ nahe, ja er schöpft sogar aus dieser Art der Auseinandersetzung mit anderen Menschen neue Energie. Auch der «enthusiastische Typ» mag Gemeinschaft mit anderen, insbesondere dann, wenn es feierlich und dynamisch zugeht. Enthusiasten klatschen im Gottesdienst in die Hände, tanzen zum Lobpreis und drücken ihre Anbetung für alle sichtbar aus.

Im Kontrast zu diesen extravertierten Typen steht der «asketische Typ». Er ist angesichts solcher Begeisterung mehr verwirrt als erfreut und fühlt sich schnell abgelenkt. Lieber wäre er irgendwo in der Einsamkeit und Ruhe. Nur er und Gott, alleine im Gebet. Asketen könnten eines schwachen Glaubens angeprangert werden, weil sie ihre Liebe zu Gott nicht lautstark nach aussen tragen. Innerlich jedoch sind sie tief mit ihm verbunden.

Nicht schlecht, sondern anders

«Neun Wege, Gott zu lieben» nennt und beschreibt noch sechs weitere geistliche Temperamente: den «intellektuellen», «sinnlichen», «fürsorglichen», «kontemplativen», «traditionalistischen» und den «Natur-Typen».

Beim Lesen des Buches wird klar: Kein Typ ist «geistlicher» oder besser als der andere. Gary L. Thomas fordert die Leser heraus, andere Temperamente nicht zu verurteilen, sondern anzuerkennen, dass es verschiedene Zugänge zu Gott gibt, und dass sie alle gleich wertvoll sind. Die Individualität des eigenen Zugangs zu Gott hat jedoch auch Grenzen. Gott ganz ausserhalb einer Glaubensgemeinschaft zu suchen, sei weder biblisch noch weise: «Unser individueller Ausdruck des Glaubens muss sich in den gemeinsamen Lobpreis des Leibes Christi einfügen können.»

Ruhige Oase gesucht

Mir persönlich hat das Buch die Augen geöffnet für mein eigenes Temperament. Thomas hat in Worte gefasst, was ich immer schon spürte, aber nicht recht formulieren konnte. Als Asketin werde ich manchmal als zurückgezogen empfunden, weil ich «Pausen» brauche, in denen ich meine Beziehung zu Gott pflegen kann. Ein Gemeindewochenende beispielsweise ist für mich bereichernd, jedoch auch unglaublich anstrengend. Darum geniesse ich es, wenn es darin Zeitblöcke zur freien Verfügung gibt: Zeiten, in denen ich alleine einen Gebetsspaziergang machen oder mich mit der Bibel in einen bequemen Sessel zurückziehen kann.

Temperamente, die ihre Liebe zu Gott deutlich sicht- und hörbar ausdrücken, sind eine Herausforderung für mich. Wissend aber, dass dies die gottgegebene Art ist, ihre Liebe auszudrücken, kann ich sie als wertvolle Bereicherung der Gemeinde annehmen. Und – unter uns gesagt – ab und zu tut es auch Asketen gut, aus dem Kokon herauszukommen und in den Begeisterungssturm der Enthusiasten einzustimmen.

Zum Buch:
«Neun Wege, Gott zu lieben»

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