Worum es beim Glauben geht – Jesus vergibt und schenkt Würde

Beim Wort «sündigen» mag mancher daran denken, dass jemand in der Fastenzeit schwach wurde und Verbotenes gegessen hat. «Sündigen» meint in der Bibel etwas anderes: Der Mensch braucht Gott. Und zwar umfassend, weil er vor Gott nicht würdig ist.
24.9.2025
3 min
Screenshot aus The Chosen: Jesus vergibt Maria Magdalena
YouTube / @Steve McCranie
Screenshot aus The Chosen: Jesus vergibt Maria Magdalena

Alle Menschen haben nach diesem Verständnis einen Mangel, übrigens ganz gleich, ob sie an Jesus glauben oder nicht. Christen sind nicht die besseren Menschen, sie sind, um es salopp zu sagen, «nur» besser dran. Denn sie erleben, dass Gott ihnen ihre Schuld vergeben hat und immer wieder vergibt. Christen wissen demnach nicht nur um ihre Defizite, sondern auch, wohin sie damit gehen können. Das bringt unglaublich viel Erleichterung und Hoffnung ins Leben!

Jesus hatte schlechten Umgang

Genau diese Sicht vermittelte Jesus, als er vor zwei Tausend Jahren predigte und unterwegs war. Die besonders Frommen der damaligen Zeit aber regten sich darüber auf, weil er sich mit Menschen abgab, die als inakzeptabel galten. Der Arzt Lukas berichtet: «Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; sie wollten ihn alle hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. 'Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!', sagten sie.» (Evangelium nach Lukas, Kapitel 15)

Jesus vergibt und gibt Würde zurück

Jesus erklärte sich zu dieser Kritik klipp und klar: Er sagte den Frommen seiner Zeit, dass sich der Himmel mehr über die Umkehr eines einzigen Sünders freut als über 99 Gerechte; man müsste wohl eher sagen «vermeintlich Gerechte», denn gerecht vor Gott ist nur, wer sich auf Jesus beruft. Das heisst: Jeder Mensch braucht die Vergebung, die allein Jesus geben kann. Nur Jesus kann einem Menschen Vergebung, Gerechtigkeit und damit auch wieder Würde geben.

Manchmal gerät dieses zentrale Anliegen von Jesus aus dem Blick von Christen. Sie halten sich für besser als diejenigen, die mit dem Glauben an Jesus nichts zu tun haben und ihre Sonntage nicht in der Kirche verbringen. Das aber geht völlig an dem vorbei, was Jesus wichtig war. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der im KZ gefangen war und dort starb, drückte das es in einem gereimten Text so aus: «Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod und vergibt ihnen beiden.»

Gemeinden: Ein Ort für Menschen mit Fehlern

Die christliche Gemeinde ist so gesehen eine Versammlung von Sündern und nicht von besonders tollen Leuten. Deshalb sollten sie ein Ort sein, wo Menschen zusammen kommen, die um ihre Schwächen und ihre Schuld wissen und gerade deshalb auch miteinander barmherzig umgehen, Menschen also, die sich nicht über andere erheben oder sie sogar verurteilen.

Der grosse Lehrer und Verkündiger Paulus drückte es vor 2'000 Jahren so aus: «Hat da noch irgendjemand einen Grund, auf etwas stolz zu sein? Nein... denn alle haben gesündigt... Ihn (Paulus meint Jesus) hat Gott vor den Augen aller Welt zum Sühneopfer für unsere Schuld gemacht. Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen, und durch den Glauben kommt sie uns zugute.» (Römerbrief, Kapitel 3, Verse 24 und 25)

Es ist nicht kompliziert

Durch den Glauben bekomme ich also Vergebung. Aber wie geht das? Es ist ganz simpel: Ich sage Jesus meine Fehler, bitte ihn um Vergebung und erkläre ihm, das ich ihm vertrauen will. Das ist schon alles. Wenn du es einmal machst, wirst du erleben, wie befreiend und Mut machend eine solche Erfahrung ist.

Dieser Artikel erschien im März 2016 auf Jesus.ch.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Um Heuchelei entgegenzuwirken, ist eine Kultur des Miteinanders notwendig

Schluss mit dem Theater! – Mehr Schein als Sein

Haben Sie schon einmal über einen Menschen gedacht: Der ist ja ein Heuchler! Sie waren ungehalten oder haben sich richtig aufgeregt. Doch was ist der Grund für dies Verhalten? Und hat die Person überhaupt die Möglichkeit, es zu ändern?
Thema
Hahn auf dem Kirchturm

Wenn Traditionen reden – Welcher Vogel gehört auf den Kirchturm?

Warum auf den meisten Kirchturmspitzen ein Hahn thront, hat mit der Passionszeit zu tun und eine tiefe Bedeutung. Eigentlich müsste aber ein anderer Vogel dort oben sitzen.
Thema
Ist die Gesundheit wirklich das wichtigste?

Es gibt Wichtigeres – Hauptsache gesund?

Sie kennen es: Man fragt «Wie geht's?» und kriegt meistens zur Antwort «Danke – Hauptsache gesund». Gesundheit ist das Wichtigste im Leben, meinen die meisten. Aber ist das so?
Thema
Völlerei und Geiz können ein gesundes Miteinander gefährden.

Der Hunger nach mehr – Sind manche Sünden «gleicher» als andere?

Sünde ist Sünde – da gibt es keine Unterschiede. In der Praxis sieht das oft anders aus. Es gibt sogar Sünden, die in Kirchen und Gemeinden weit verbreitet sind, dort aber im Windschatten mitsegeln – unerkannt, unbenannt. Dazu gehört die Völlerei.