Kurzgeschichten mit Sprengkraft

14.12.2019
3 min

Wir schauen uns den einflussreichsten Mann der Geschichte etwas genauer an. Heute geht es um die Gleichnisse von Jesus, mit denen er Menschen zum Nachdenken über sie selbst brachte.

Wenn Jesus lehrte, dann oft mit Gleichnisgeschichten. In diesen einfachen Geschichten war der Ausgangspunkt meist eine Alltagssituation, und es traten Menschen auf, die jeder so oder ähnlich kannte. Dann aber nahm die Handlung regelmässig eine unerwartete Wendung. Das machte die Geschichten spannend. «Wie würde jene Figur nun handeln?», fragten sich die Zuhörer. «Und warum? Wen stellt sie dar? Und wie hätte ich gehandelt?» Auf diese Weise gelang es Jesus immer wieder, Menschen zum Nachdenken über ihr eigenes Tun anzuregen. Und weil die Personen in den Gleichnissen (trotz ihres alltäglichen Charakters) oft anders handelten, als es der gängigen Sitte entsprach, realisierten manche Zuhörer: «Gott hat vieles auf der Welt anders geplant als es nun geworden ist.» Es ging um Umkehr und persönliche Veränderung, ohne dass Jesus das Wort gebraucht hatte. Er sagte einfach: «Macht es ebenso.» Das war in der Tat etwas ganz anderes als das übliche Gebote-Lernen an den Schulen der Schriftgelehrten: «Du sollst..., du sollst..., du sollst..., du sollst nicht...» Jesus drängte nicht. Er sprach volksnah und einprägsam; ein Kind konnte ihn verstehen. «Wer hören kann, soll gut zuhören.» Ob sich jemand allerdings auf die Botschaft einlassen wollte, blieb seine freie Entscheidung.

Alle reagierten unterschiedlich

Und natürlich hörten nicht alle auf die gleiche Art zu; das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld veranschaulicht das überdeutlich. War es die unfromme Sprache, die einfache Botschaft – oder war es der Zimmermannssohn selbst, mit dem sich die Religiösen, Studierten und Einflussreichen so schwer taten? Oder war es die Tatsache, dass Jesus die Braven und die Sünder vor Gott auf dieselbe Stufe stellte, ja, die Sünder gelegentlich noch zu bevorzugen schien? Es waren die Verrufenen und Armen, die in Scharen zusammenströmten, um den Rabbi aus Nazareth zu hören. Bei Jesus fanden sie, was sie bei den frommen Schriftgelehrten vergeblich gesucht hatten: Liebe und eine von Hochmut freie Heiligkeit.

Verrat gewittert

Kein Wunder, dass das Establishment Verrat an der Religion witterte: «Mit welchem Gesindel er sich da abgibt. Er setzt sich sogar mit ihnen an einen Tisch! Mit Jesus kann etwas nicht stimmen. Das Milieu, in dem er sich bewegt, beweist es.» Jesus schlug nicht zurück, weder mit Taten noch mit bösen Worten. Aber er begann, eine Geschichte zu erzählen, die das Bild von Gott als den liebenden Vater für alle folgenden Zeiten geprägt hat: das Gleichnis vom Vater mit den zwei verlorenen Söhnen (Lukas, Kapitel 15, Verse 11-32).

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