Merry Xmas – was bedeutet das X eigentlich?

Man hört es immer wieder: «Jetzt schreiben sie nicht mehr Christmas, sondern nur noch Xmas – man will Christus nicht mehr öffentlich nennen.» Aber stimmt das? Was bedeutet das X?

16.12.2025
3 min
Das X wurde zum Platzhalter für Christus (Symbolbild)
Envato / Chatham172
Das X wurde zum Platzhalter für Christus (Symbolbild)

Der Weihnachtsrummel ist auch bei uns zu einem grossen Teil amerikanisiert, darum erscheint in Werbungen und auch sonst in tausendfacher Form immer häufiger «Merry Xmas» für «Fröhliche Weihnachten». Viele Christen machen sich Sorgen, dass man so «Christus» aus Weihnachten «durchkreuzt». Aber die Geschichte des grossen X geht auf eine alte christliche Gewohnheit zurück.

Wo das X herkommt

Im griechischen Neuen Testament lautet das Wort für Christus ΧΡΙΣΤΟΣ (in Großbuchstaben) oder Χριστός (in Kleinbuchstaben), was in römischen lateinischen Buchstaben zu «Christos» wird und bei uns zu «Christus», dem griechischen Äquivalent zu «Messias». Die ersten beiden griechischen Buchstaben von Χριστός sind Chi und Rho, geschrieben ΧΡ, die wie die Buchstaben X und P aussehen. Diese werden seit langem als heiliges Monogramm für Christus verwendet.

Die beiden miteinander verflochtenen Buchstaben bilden das alte Chi-Rho-Symbol ☧, das auf Bannern, Altartüchern, Gewändern, Kelchen und Buntglasfenstern in katholischen und anglikanischen Kirchen zu finden ist. Seine Verwendung geht auf das vierte Jahrhundert und die Zeit von Kaiser Konstantin zurück, dem ersten römischen Kaiser, der das Christentum begünstigte. Später, da Chi (Χ) der erste Buchstabe von Χριστός ist, begannen Schriftgelehrte in der christlichen Tradition, X allein als anerkannte Abkürzung für den Namen Christi zu verwenden.

Tausend Jahre christliche Kurzschrift

Lange bevor es Weihnachtskarten und Ladenschilder gab, verwendeten Mönche und Geistliche das X als heilige Abkürzung in handschriftlichen Dokumenten, um Zeit und Platz zu sparen. Ein frühes belegbares englisches Beispiel stammt aus der Angelsächsischen Chronik um 1100, wo «Christmas» als «Xp̄es mæsse» erscheint. Daraus entwickelte sich eine ganze Familie von Abkürzungen: «Christian» konnte als «Xian» geschrieben werden, «Christoph» als «Xoph», «Christina» als «Xina» – und «Christmas» eben als «Xmas». In jedem Fall ersetzt das X nicht Christus, sondern steht für ihn und leitet sich direkt vom ersten Buchstaben seines griechischen Titels Χριστός ab. Wenn auf einem Schild oder einer Karte «Xmas» verwendet wird, wird damit unwissentlich ein alter christlicher Code übernommen – wenn es auch nicht auszuschliessen ist, dass man gelegentlich «Christus» damit vermeiden will. Und Leute damit aufregt: Im Jahr 2008 wählte der Verein deutsche Sprache «Xmas» sogar zum nervigsten und überflüssigsten Wort des Jahres 2008!

Den X-Faktor einbringen

Wenn man aber weiss, wofür das grosse X eigentlich steht, entfernt das X in Xmas Christus nicht, sondern verschlüsselt nur seinen Namen, ganz nach der Praxis der alten Mönche. Anstatt sich darüber zu beschweren, dass «Xmas» auf einer Karte oder in einer Werbung steht, können Christen das als Gesprächsstoff nutzen: Sie können erklären, dass das X von Χριστός stammt, dass es seit Jahrhunderten in christlichen Schriften verwendet wird und dass es auf den Kern dessen hinweist, worum es an Weihnachten geht. So kann X wie Christus in Gesprächen lebendig werden.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Auch ohne Partner kann man die Festzeit mit Freude geniessen (Symbolbild)

Die schönste Zeit im Jahr – diesmal wirklich

Manchmal hat Rebekka Gohla in der Adventszeit den Eindruck: Zwischen der Stille und Einsamkeit der Singles, die sie selbst gut kennt, und dem chaotischen Wahnsinn der Familien gibt es wenig. Doch das muss nicht so sein.
Thema
Ist die Geschichte von den weisen Männern aus dem Morgenland ein Mythos?

Eine starke Ansage – Vom Mut der Männer aus dem Orient lernen

Sie waren weder heilig noch drei noch Könige. Sie waren Gelehrte, die aufgrund ihrer Erkenntnisse unglaubliche Konsequenzen auf sich nahmen - und damit den Tyrannen der damaligen Zeit ganz schön in Angst versetzten. Ihre Geschichte ist hochaktuell.
Thema
Gehen wir einen Schritt auf den Frieden zu?

Jesus, der Friedefürst – Glauben trotz Terror und Hass? Jetzt erst recht!

Weihnachten – die Geburt des Kindes, das Frieden bringen soll. Doch angesichts von Terror, Angst und Hass fragt man sich: Wo ist dieser Friede? Sollte das Kind im Stall nicht die Hoffnung der Welt sein? Die Antwort ist eine andere.
Thema
Lasst uns einander beschenken (Symbolbild)

Gastbeitrag zu Heiligabend – An Weihnachten ist Verzicht eine Sünde

In der festlichen Zeit wird oftmals zum Verzicht aufgerufen. Dabei sollte man aus theologischer Sicht gerade in den Festtagen besonders grosszügig sein – findet der Publizist Giuseppe Gracia, ab 2026 Herausgeber des «schweizer monat».