Geschosse analysiert – Neue Belege für Belagerung von Jerusalem

16.8.2022
3 min
Ausgrabungsarbeiten in Jerusalem (Bild: haaretz.com)
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Ausgrabungsarbeiten in Jerusalem (Bild: haaretz.com)

Archäologen lokalisieren den Ausgangspunkt des römischen Artillerieangriffs auf das antike Jerusalem. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Angreifer bei der Belagerung im Jahr 70 ihre Geschütze vom heutigen Cats Square aus abfeuerten.

Im Jahr 70 belagerten römische Truppen unter dem Kommando von Titus Jerusalem und besiegten es anschliessend. Dabei zerstörten sie eine dritte Befestigungsmauer, die Jahrzehnte zuvor begonnen, dann aufgegeben und von den jüdischen Rebellen in aller Eile fertiggestellt worden war.

Neue Forschungen des Archäologen Kfir Arbiv von der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) zeigen, wo die römischen Truppen zumindest einen Teil ihrer Artilleriegeräte konzentriert haben könnten: Auf dem heutigen Cats Square. So lautet der Spitzname eines Platzes im modernen Jerusalemer Stadtteil Nahalat Hashiva. Sein offizieller Name ist Maccabi Mutzery-Mani Square, nach einem Offizier der vorstaatlichen Haganah-Miliz, der 1948 starb.

Geschosse analysiert

Computergestützte Forschungen von Kfir Arbiv berechneten die Ballistik des 2000 Jahre alten Schlachtfeldes.

Seine Ergebnisse bringen neue Aufschlüsse über die Stärke der römischen Armee sowie den Ort der Attacke auf Jerusalem in dem Angriff, der zur Zerstörung des Zweiten Tempels führte.

«Die Römer verfügten über eine gut ausgebildete, mächtige Armee. Es war eine rücksichtslose Kriegsmaschine», orientiert Kfir Arbiv. Mehrere hundert ballistische Steine des römischen Arsenals wurden bislang entdeckt.

Arbivs analysierte die verschiedenen Grössen und Gewichte der Steine. Einige der Geschosse (gefunden wurden auch gepanzerte Pfeilspitzen für Bolzenwurfmaschinen) waren gegen Personen gerichtet, andere um die Festungsmauern zu zerstören.

Mit Computer-Berechnungen ermittelt

Bei seinen Computer-Berechnungen berücksichtigte Kfir Arbiv die Fundorte der Steine, die Topografie, die Lage der Stadtmauern und errechnete Wurfweiten und Schusswinkel.

Je nach Projektilgrösse, Winkel und geografischen Gegebenheiten konnten die Objekte bis zu 400 oder sogar 500 Meter weit geschleudert werden, sagt Kfir. Er fügt hinzu, dass eine Entfernung von 400 Metern in der Forschung akzeptiert wird, beispielsweise basierend auf früheren Studien in Masada und Gamla.

IAA-Leiter Eli Eskosido bilanziert, dass die ausufernde Materialschlacht der römischen Legion die enorm harten Kämpfe widerspiegeln. «Trotz der eigenen Streitigkeiten, der minimen Chancen hielt eine kleine Gruppe jüdischer Verteidiger die Römer mehrere Monate lang auf.» Bis die Stadt nicht mehr zu halten war. Eli Eskosido weiter: «Modernste Forschungsmethoden enthüllen immer mehr über die faszinierende Geschichte Jerusalems.»

Forschungen stimmen mit Josephus überein

Gemäss den Berechnungen befanden sich manche Abschussmaschinen im Zentrum des heutigen Jerusalems, darunter wie eingangs erwähnt, auf dem heutigen Cats Square.

Weiter bringt die Arbeit von Kfir Arbiv Aufschluss über jene Stellen, an denen die Armee in die Stadt einfiel. Bei der eingangs erwähnten, dritten Mauer wurde beim Russian Compound (ein heutiges Stadtviertel in Jerusalem) Hunderte Geschosse gefunden. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die kaiserlichen Truppen ihr Augenmerk besonders auf diese Stelle gerichtet hatten.

«Wer diese Stelle kontrolliert, beherrscht das gesamte Gebiet und das Schicksal der Stadt», wird Kfir Arbiv zitiert. Seine Erkenntnisse stimmen mit den Aufzeichnungen des weitherum bekannten Historikers Josephus. Laut seinen Dokumentationen befehligte Titus seine Truppen von der nordwestlichen Seite der Stadtmauer in das antike Jerusalem einzudringen.

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