Ein Pastor im Schwäbischen bot in seiner Gemeinde Ehevorbereitungskurse an, in denen junge Paare eine Bestandsaufnahme verschiedener Lebensbereiche durchführten. Er kam dann mit ihnen darüber ins Gespräch. Irgendwann sassen ihm Lara und Josh gegenüber und er schaute sie unsicher an. «Ich weiss gar nicht, wie ich anfangen soll», meinte er, «ich habe nämlich noch nie ein Paar vor mir gehabt, das so wenig Übereinstimmungen gehabt hat wie ihr …» Da brach es aus Lara heraus: «Heisst das, wir müssen gar nicht heiraten?» Es stellte sich heraus, dass sich in ihrem Jugendkreis in der Kirche nach und nach alle zu Paaren zusammengefunden hatten. Sie blieben übrig. Deshalb dachten sie: «Dann sind wir wohl füreinander bestimmt.» Dass das nicht so sein musste, war ihnen eine grosse Erleichterung.
Auch ohne solche Erlebnisse bleibt Partnersuche eine echte Herausforderung: Zu den üblichen Anforderungen für die richtige Person (vom Aussehen bis zu Gemeinsamkeiten) kommen für gläubige Menschen noch typisch christliche Kriterien wie gemeinsame Glaubensüberzeugungen hinzu. Was kann dir eigentlich dabei helfen, den Partner oder die Partnerin fürs Leben zu finden?
Es geht ums Gefallen – und um mehr
Natürlich geht es bei Liebe um die «inneren Werte», aber – Hand aufs Herz: Wenn die Chemie nicht stimmt, wenn der andere gar nicht dem entspricht, was du als attraktiv empfindest, dann ist es selten, dass mehr aus einer Beziehung wird. Dabei geht es nicht darum, alle gängigen Schönheitsideale zu erfüllen, aber man muss sich riechen können. Je länger man sich kennt, desto wichtiger werden dann auch charakterliche Dinge, wie zum Beispiel, wie du selbst oder dein Gegenüber mit Frust und Enttäuschung umgehen.
Wichtig ist eine gemeinsame Basis
Wenn du als Christin oder Christ jemanden kennenlernst, ist es nicht nur «nice to have», wenn dein Gegenüber deinen Glauben teilt. Gleichzeitig geht es um viel mehr als festzuhalten: «Hauptsache, der andere ist gläubig …» Hier geht es weniger ums Etikett, sondern darum : Was bedeutet das im Alltag? Wie wertschätzend ist der andere – und wie äussert er Kritik? Welche Rolle spielen Gebet oder die Gemeinde im Leben? Wie geht der andere mit Zweifeln um? Welche Werte sind ihr wirklich wichtig? Kann dein Gegenüber auch andere Meinungen (im Glauben oder darüber hinaus) respektieren?
Vorsicht vor dem «Topf- und Deckel»-Denken
Im Rückblick erzählen etliche Paare, dass sie die einzig richtige Person kennengelernt haben beziehungsweise Gott es so geführt hat. Das hat Charme – aber stimmt so nicht. Denn was geschieht, wenn diese «für dich bestimmte» Person «Nein» sagt? Ist dann dein Leben ruiniert? Bleibt nur Plan B oder gar Plan K übrig? Frage lieber nach tragenden Gemeinsamkeiten, wenn du jemanden kennenlernst und sieh es als deine eigene Verantwortung, eine Entscheidung zu treffen. Das liegt deutlich näher bei dem, was die Bibel unter Führung versteht.
Rede über alles
Es ist eine Binsenweisheit, dass Beziehungen durch Reden aufgebaut und durch Schweigen eingerissen werden. Trotzdem ist es sinnvoll, zu Beginn miteinander über alles zu sprechen: von Lifestyle über Sex bis hin zu dem, was eure Herkunftsfamilien geprägt hat. Du solltest übrigens auch nach 24 Jahren Ehe nicht aufhören mit dem Sprechen …
Könnt ihr streiten?
Fast alle kennen die berühmten «Fünf Sprachen der Liebe». Und es ist sinnvoll, dass du dich damit beschäftigst, wie du deine Liebe so zeigen kannst, dass sie beim Gegenüber ankommt. Genauso wichtig ist es in der Praxis, so etwas wie die «Fünf Sprachen des Streitens» zu lernen, um eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln.
Bete für dein Gegenüber
Aber bete «richtig». Es geht nicht um ein Orakel in der Art von: «Gott, gib mir heute Abend ein Zeichen, ob ich diese Person heiraten soll.» Gesünder, vertrauensvoller und eigenverantwortlicher ist die Bitte: «Gott, hilf mir, diesen Menschen ehrlich wahrzunehmen. Gib mir den Mut, gute Schritte zu gehen – und auch Nein zu sagen, wenn etwas nicht stimmt.»
Partnerschaft ist kein Zeichen für Gottes Segen
Es gibt noch jede Menge Schritte, Hilfen oder Gedanken, die dir auf dem Weg in Richtung guter Partnerschaft weiterhelfen können, doch genauso wichtig ist die Erkenntnis: Es gibt auch ein erfülltes Leben ohne … Nicht alle finden einen Partner fürs Leben. Für manche hat dies ohnehin keine Priorität. Andere wünschen es sich schon, doch es ergibt sich nichts. Da ist es wichtig zu sehen: Verheiratet zu sein ist kein Erkennungsmerkmal für Gottes besonderen Segen. Dein Wert hängt nicht davon ab, ob du gerade einen Partner hast. Wenn du dies entspannt siehst, kann es dir dabei helfen, als Single glücklich zu sein oder – frei von übermässigem Druck – offener auf andere Menschen zuzugehen.





