Ein Wort, das vielen nicht gefällt. Wer ist schon gern eng? Heute sind wir tolerant, weitherzig und offen für vieles. Wir sind nicht einseitig, sondern vielseitig. «Jesus, du passt nicht in unsere Zeit.»
Jesus war eng
Macht die enge Pforte engherzig, «narrow-minded»? Schauen wir uns kurz an, wie Jesus selbst lebte. In einem Punkt war er sehr «eng»: in seiner Hingabe an den Vater. Für ihn zählte allein der Wille Gottes. Seine Lebensentscheidung war es, Gott von ganzem Herzen und mit aller Kraft zu lieben. Deshalb machte Jesus Aussagen, die in unseren Augen unverschämt und unfassbar exklusiv sind. Einmal betete er:

«Und genau darin besteht das ewige Leben: dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.»
Johannes 17,3
HFA
Damit sagte er: «Es gibt einen Gott. Und nicht nur das: Er ist der wahre Gott. Andere Götter sind also falsche Götter.»
Über sich selbst sagte er:

«Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.»
Johannes 14,6
HFA
Das war kein Vorschlag für ein besseres Leben. Jesus sagte sinngemäss: «So ist es einfach.» Und er behauptete, dass diese Wahrheit wichtiger sei als alles andere auf der Welt.
Jesus war weit
Und doch:
Dieser Mann, der atemberaubend exklusive Behauptungen aufstellte, begegnete Menschen auf eine ebenso atemberaubend offene und für seine Zeit skandalöse Weise.
Er berührte bewusst einen Menschen mit Aussatz, der als unrein galt. Er erlaubte einer Frau, die als Sünderin bekannt war, ihm die Füsse mit ihren Tränen zu benetzen und mit ihren Haaren zu trocknen. Er lobte einen verhassten römischen Zenturio. Er feierte mit verachteten Zöllnern.
Die Pharisäer regten sich darüber auf, wie offen Jesus mit anderen Menschen umging. Mehr noch: Er liess sich von menschengemachten Regeln nicht beeindrucken, etwa von den strengen Sabbatvorschriften, die für die Religiösen so wichtig waren.
Wo wir es umgekehrt machen
Wir laufen Gefahr, dort eng zu sein, wo wir weit sein sollten – und dort weit, wo Jesus eine klare Grenze zieht. Die Gesellschaft sagt: «Es gibt viele Wege zu Gott» und «Es gibt viele Wahrheiten». Das ist der «breite Weg», der gesellschaftliche Normalfall. Es klingt barmherzig und tolerant, und niemandem wird damit vor den Kopf gestossen.
Auf der anderen Seite bewegen wir uns als Christen oft in einem recht engen Umfeld von Gleichgesinnten. Es fällt manchen schwer, ein normales Gespräch mit Menschen zu führen, die einer ganz anderen sozialen Gruppe angehören. Unsere Gesellschaft ist in tausend Minderheiten zersplittert – selbst die Generationen leben in völlig unterschiedlichen Welten.
Viele Jesus-Nachfolger singen in Gottesdiensten zwar «Jesus ist die Hoffnung der Welt», doch sozial gesehen scheint diese Hoffnung in einer gesellschaftlichen Subkultur eingekapselt. Von der «Welt» werden wir als eine Randgruppe unter vielen wahrgenommen – wenn überhaupt.
Wir neigen dazu, in unserer Hingabe an Gott Kompromisse einzugehen, während wir zu anderen Menschen und in unserer Haltung ihnen gegenüber unerbittlich engstirnig sind.
Jesus hingegen war in seiner Hingabe an Gott kompromisslos, in seinen Beziehungen zu anderen Menschen aber unglaublich aufgeschlossen.
Wäre es nicht an der Zeit, unsere Enge und Weite neu zu definieren?





