Schuldgefühle – Selbstbefriedigung – Was sagt die Bibel wirklich?

8.12.2012
4 min
Junge mit Schuldgefühlen
Imported Image
Junge mit Schuldgefühlen

Die Bibel erwähnt im Gebiet der Sexualität viele Sünden. Sie schweigt aber zur Masturbation. Jörg Schori ist Coach und Therapeut – lesen Sie seinen Beratungstext zu einem tabuisierten Thema.

Wenn man bei Seelsorgern nachfragt, wo Jugendliche vor allem anstehen, sind Selbstwertprobleme und Selbstbefriedigung die meistgenannten Ursachen. Finden wir über unseren Wert als Kinder Gottes zahlreiche Ermutigungen und Hilfen in der Bibel, erwähnt die Heilige Schrift das Thema Selbstbefriedigung nie. Viele Christen sind trotzdem überzeugt: Onanieren ist eine Sünde! Aber ist das wirklich so? Worauf stützt sich diese These?

Oft wird zum Thema Selbstbefriedigung fälschlicherweise die Geschichte Onans ins Spiel gebracht (1. Mose, Kapitel 38, Verse 1 bis 10). Onan, Judas’ Sohn, hat nicht onaniert, sondern das damals geltende Gebot Gottes gebrochen und in der Schwager-Ehe nicht für Nachkommen gesorgt. Das hat Gott bestraft. Korrekt müsste man bei Onans Vergehen von einem unterbrochenen Geschlechtsverkehr sprechen und nicht von Selbstbefriedigung.

Grosse Chance, innerlich zu wachsen

Weitere Bibelstellen gibt es nicht – das Wort Gottes schweigt zu diesem Thema. Das gibt uns die Freiheit, ohne Schuldgefühle oder moralische Vorurteile über Selbstbefriedigung nachzudenken. Die erwachende Sexualität in der Pubertät ist mit einem schönen aber (noch) wilden Tier vergleichbar, dass sich in das Leben drängt. Nun stellt sich die Wahl:

  • Lasse ich mich von diesem wilden Tier beängstigen und beherrschen?

  • Dränge ich es in einen Käfig, damit es dort noch wilder und unberechenbarer wird?

  • Gehe ich daran, es zu bändigen und in meinen Dienst zu stellen?

In diesem Licht gesehen ist das Üben mit der eigenen Sexualität eine grosse Chance, am inneren Menschen zu wachsen. Anders ausgedrückt: Selbstbefriedigung ist die Gottgegebene Möglichkeit, sexuelle Disziplin zu lernen. Ich lerne Ja oder Nein zu sagen, wenn mich das sexuelle Verlangen packt.

Vergebung für Suchtverhalten in Anspruch nehmen

Die Frage ist: Warum befriedigt man sich selbst? Dafür gibt es viele Gründe: Frustration, Einsamkeit, Druck, Stress. Bei suchtgefährdeten oder innerlich verletzten Persönlichkeiten kann sich Selbstbefriedigung zur Sucht ausweiten. Suchtartige Selbstbefriedigung findet normalerweise täglich oder mehrmals pro Tag statt und lässt sich kaum steuern. Sie läuft parallel zu einem starken Gefühl der Unzulänglichkeit oder des Abgelehntseins (Minderwertigkeitsgefühle, Selbstwertprobleme, und ähnliches).

Vom Wort Gottes her lässt sich ableiten, dass Suchtverhalten falsch und Erlösung möglich ist (1.Timotheus. Kapitel 3, Vers 3; 2.Timotheus, Kapitel 2, Vers 26; 1.Korinther, Kapitel 6, Vers 11, 2.Korinther, Kapitel 10, Verse 4 bis 6). In diesen Fällen ist es biblisch richtig, dies zuzugeben, die Schuld zu bekennen und Vergebung in Anspruch zu nehmen (1.Johannes, Kapitel 1, Verse 7 bis 9). Genauso dringend, wie das Suchtverhalten zuzugeben, ist es allerdings, die Verletzungen und Persönlichkeitsprobleme, die der Suchtstruktur zugrunde liegen, seelsorgerlich anzugehen.

Folgende Punkte können helfen

Kommen wir zurück zur Titelfrage: Die Christen sind sich uneins. Die einen sagen entschieden Ja, andere schweigen lieber dazu. Ich lege mich nicht fest, erwähne aber die Tatsache, dass uns Gott in die Freiheit führen will von Dingen, die uns belasten. Folgende Punkte sollen dabei helfen:

  1. Kämpfe nicht mehr gegen die Selbstbefriedigung! Oft wird die Masturbation noch mächtiger, wenn man ständig darüber nachdenkt. Setze Dir Zwischenziele. Sage nicht: «Nie wieder», das wäre unrealistisch, sage lieber: «Heute nicht» oder «Heute ja». Freue Dich über Erfolge.

  2. Keine Selbstbefriedigung mit pornografischen Vorlagen. Diese Art der Selbstbefriedigung führt eher zu negativen Verhaltensbindungen oder zu (berechtigten) Schuldgefühlen und lenkt deine Gedanken in die falsche Richtung.

  3. Falls du ungelöste innere Spannungen hast oder empfindest, dass deine Art der Selbstbefriedigung nichts mit einem Lernprozess zu tun hat: Suche Dir einen gläubigen Freund oder Seelsorger, mit dem Du offen Deine Probleme durchsprichst!

  4. Vertraue Dein Leben ganz Jesus Christus an! Stelle Deinen Körper und Dich selbst Gott ganz zur Verfügung (Römer, Kapitel 6, Vers 13), einmal und immer wieder.

Livenet bietet Hilfe 

Auf der Webseite «Escape.jetzt» findest du viele Informationen und Hilfsmittel zum Thema «frei sein von Pornografie». Das Beratungsteam von Escape unterstützt dich beim Ausstieg aus der Pornosucht. Melde dich bei Fragen oder zur Vereinbarung eines Erstgesprächs bei uns. Oder mach bei der 30-Tage Porno-Frei Challenge mit (30-Tage Newsletter mit Inputs & Motivation).

Webseite:
Jörg Schori
Escape.jetzt

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Es gibt Aufklärungsbedarf im kirchlichen Umgang mit dem Thema Sexualitat

Sexualität und Glaube – Kuss, erster Sex und Zusammenleben

Viele Filme gaukeln uns vor, dass schon bei der ersten Begegnung ein Sprung ins Bett das Normalste ist. Aktuelle Zahlen zeigen, dass etwa der erste Sex im Schnitt erst nach drei Monaten stattfindet. Christen sind nicht prüder und doch anders.
Thema
Ein Kalender ohne Termine

Beziehungsimpulse – Wie man als Paar mehr Sex haben kann

Ist Sex planbar? Ja, findet Marc Bareth. Im Blog von «familylife», einem Arbeitszweig von Campus für Christus, hat er erklärt, wie das gehen kann.
Thema
Spaziergang als Paar

Zehn Lebensprinzipien – Leidenschaften im richtigen Rahmen geniessen

Vor über 3'000 Jahren diktierte Gott Mose die zehn Gebote. Sie sind aber nicht Schnee von gestern, sondern hochaktuell. Jesus.ch betrachtet die zeitlosen Lebensprinzipien. Heute das siebte Gebot, das die Ehe als Rahmen für Sexualität definiert.
Thema
David Bennett's Buch «Liebe. Total.»

Liebe. Total. – Sexualität im Horizont biblischer Verheissung

Christen stellen sich grundlegende Fragen. Schliessen sich Homo­sexualität und christlicher Glaube aus? Heisst «einmal schwul», «immer schwul»? Welche Ebenen der sexuellen Identität spricht die Bibel an?