Selig, Seligkeit

9.12.2009
2 min

Selig gleich glücklich, freudetrunken

Luther hat zwei in ihrer Grundbedeutung recht verschiedene Wörter mit »selig« übersetzt. Das eine (griechisch makários) bedeutet: glückselig oder »glücklich zu preisen.« So ist der Ausdruck wiederzugeben in den Seligpreisungen der Bergpredigt: »O, glücklich die, welche ...«

Derselbe Ausdruck findet sich im ersten Kapitel des Jakobusbriefs, wo von dem, der durchblickt in das vollkommene Gesetz der Freiheit, gesagt ist (V. 25): »Er wird selig sein in seiner Tat.« Hier ist für »selig« zu setzen etwa: freudetrunken.

Selig gleich errettet; Seligkeit gleich Rettung Heil

Ein anderer Ausdruck steht im griechischen Text überall da, wo Luther übersetzt: »selig machen, selig werden.« Dieses Wort (sózein) bedeutet: erretten, im Passiv errettet werden. Dementsprechend bedeutet das Hauptwort: soteria (Seligkeit), Rettung, Heil. Luther übersetzt dieses Hauptwort auch viel häufiger mit Heil.*

Zu verstehen ist unter dieser Rettung (sotería) die göttliche Befreiung aus unerträglicher Knechtschaft; die Herauslösung des Menschen aus aller Überfremdung, die er unter dem Einfluss dämonischer Mächte erlitten; die Wiederherstellung all des Grossen und Edlen, das der Schöpfer in ihn gepflanzt hat.

In diesem Sinn sind zum Beispiel folgende Stellen zu lesen:

  • »Die frohe Botschaft ist eine Gotteskraft, die Rettung bringt (Luther: »selig macht«) jedem, der daran glaubt« (Röm. 1,16).
  • »Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet (selig) werde« (Joh. 3,17).
  • »Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, eine Torheit. Uns aber, die wir errettet werden (selig werden), ist es eine Gotteskraft« (1. Kor. 1,8).
  • Jesus Christus ist gekommen, die Sünder zu erretten (selig zu machen, 1. Tim. 1,15).

* Siehe auch den Artikel zu «Heil».

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