Ganz etwas Neues – Vom Western zu Ostern

13.4.2017
4 min

Die Geschichte trägt alle Kennzeichen eines guten Westerns. Der einsame Reiter kommt in die Stadt; keiner weiss, wer er ist. Man tuschelt. Das anfängliche Misstrauen wird bald zu offenem Hass, geschürt von den Besitzern der Spielhöllen und Bordelle. Denn der Mann ist so anders.

Ja, er war anders. Nicht nur ein bisschen moralischer als alle, sondern anders. Wo sie stritten, vermittelte er. Wo sie sich hassten und Parteien bildeten, redete er von Vergebung. Oh, er war kein Schwächling – einmal warf er einige Schelme hochkant aus dem Saloon, als sie ahnungslose Reisende ausnehmen wollten. Den führenden Herren der Stadt redete er ins Gewissen.

Es kam, wie es kommen musste. Anfangs war er bei einigen noch beliebt, aber die meisten konnten mit seinem Anderssein einfach nicht umgehen. Er weigerte sich, die Spielregeln der Gesellschaft zu akzeptieren. Er war unparteiisch und radikal ehrlich.

Das hatte letztlich keinen Platz in der Stadt. Es begann ein Kesseltreiben gegen ihn, den Fremden. Mit einem hastig zusammengerufenen Gericht wurde ihrem Entscheid das Mäntelchen fadenscheiniger Gerechtigkeit übergehängt. Und er landete am Galgen.

Endlich war die Welt wieder in Ordnung. Der Störenfried war weg. Für zwei Tage.

Das Erdbeben

Machen wir den Sprung vom Western zu Ostern. Hölle, Tod und Teufel dachten, den Störenfried Jesus endlich los zu sein. Aber sie hatten sich getäuscht. Sein Leichnam, doppelt und dreifach gesichert und bewacht, wurde am dritten Tag nach seinem Tod von einer gewaltigen Kraft gepackt – sie war als Erdbeben spürbar – und wieder auf die Beine gestellt. Er befreite sich aus den Leintüchern, erschien hunderten von Leuten, ass und trank mit ihnen – und startete als Erster die neue Geschichte Gottes mit der Welt.

Drei Tage vorher, bei seinem Tod, wurde in Wirklichkeit die grosse Schuld bezahlt. Jetzt, am Ostermorgen, ging es dem Tod an den Kragen. Dieser letzte Feind, der die ganze Kreatur mit eiserner Faust gefangen hielt, wurde hinterrücks entmachtet. «Gib mit meinen Sohn zurück», grollte der Vater im Himmel. Und Jesus kam zum Leben.

Ground Zero – Stunde Null

Diese drei Tage waren die Stunde Null der Weltgeschichte. Etwas grundlegend Neues, noch nie Dagewesenes geschah. Der Schöpfer selbst gab sich dem Tod in die Hände, um ihn dann von innen aufzubrechen. Denn diese Auferstehung von Jesus war viel mehr als dass «nur» ein Toter wieder lebendig wurde. Es war wie der Startschuss der neuen Schöpfung. Die Bibel deutet die atemberaubende Dimension dessen an, was da geschah: So wie Jesus auferstanden ist, werden wir auferstehen. Und wird die Welt auferstehen. Am Schluss steht nicht der Tod und das Vergehen, sondern eine «Welt 2.0», eine neue Schöpfung, zu der sich unsere alte Welt wie ein verblichenes Schwarzweiss- zu einem strahlenden Farbfoto verhält. Denn wenn der Tod nicht mehr seine absolute Macht ausüben kann, dann kann endlich neues Leben möglich werden.

Konsequenzen

Eigentlich schade, dass Christen nur Kruzifixe tragen. Denn der Tod Jesu war nicht das Letzte. Die Auferstehung wirft das Licht des Sieges auf das Kreuz. Es wird plötzlich klar: Dieser grausame Tod vor drei Tagen war kein Scheitern, sondern in Wirklichkeit notwendiges Geschehen. Ostern bestätigt Karfreitag, und Karfreitag bereitet den Weg für Ostern. Weil Schuld vergeben wurde, hat auch der Tod kein Recht mehr, die Welt gefangen zu halten.

Für uns heute heisst das ganz einfach: Es ist so etwas wie eine neue Geburt möglich. Mit Fug und Recht können sterbliche Menschen «ewiges Leben» bekommen. Die Linie ist ganz einfach: Wie Jesus als erster den Tod aufgebrochen und besiegt hat, werden wir auferstehen. Und wird schlussendlich die Schöpfung auferstehen. Das Ende ist nicht Jammer, Krankheit und Tod, so sehr es auch noch Realität zu haben scheint. Dank Ostern sind Dinge möglich, die es in keinem Western gibt. Willkommen in der Zukunft. Frohe Ostern!

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