Enttäuschte Erwartungen – Warum Jesus abgelehnt wurde

23.12.2016
4 min

Weihnachten erinnert daran, dass Jesus Mensch wurde. Er kam in die Welt mit denkbar guten Absichten. Dennoch gab es viele, die ihm nicht folgten. Warum war das so?

Die Ablehnung, die Jesus erlebte, drückt Johannes, ein Mitarbeiter und Freund von Jesus, mit folgenden Worten aus: «Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.» (Die Bibel, Johannes-Evangelium, Kapitel 1, Vers 10 und 11)

Nicht fromm, nicht schön, nicht mächtig genug

Warum widerfuhr Jesus, der so viele gute Dinge gesagt und getan hatte, Desinteresse, Widerstand und Ablehnung? Es wäre aufschlussreich, könnte man die Leute von damals heute befragen. Mögliche Gründe waren:

  • Zum einen gab es etliche, die zwar einen Mann Gottes, einen Messias, erwarteten, sie stellten sich diesen aber anders vor. Sie rechneten mit einem Mann, der mehr von den Geboten sprach und der abgesondert lebte. Jesus entsprach nicht diesem Bild.
  • Andere erwarteten, dass Jesus sich als Führer der Juden gegen die Römer wenden und sein Land in die Unabhängigkeit führen würde. Doch Jesus tat das nicht.
  • In der persönlichen Begegnung war Jesus beeindruckend, aber wohl nicht von seinem Äusseren. Er sah nicht gut aus und trug keine schöne Kleidung. Er machte, so würden wir heute sagen, einfach nichts her. Sicher haben sich viele über ihn lustig gemacht.
  • Trotz der Wunder erwarteten viele einen Mann mit sichtbarer Macht, wenn man von seinen Wundern einmal absieht. Wer wollte da glauben, dass dieser umherziehende Mann der Sohn Gottes und der König der Welt ist?
  • Schliesslich gab es Menschen, die sich zwar für Jesus begeistern konnten, die aber nicht bereit waren, ihr Leben zu ändern. Sie wollten nicht, dass Jesus über ihr Leben bestimmte. Das ging ihnen dann doch zu weit.

Jesus fordert nichts ein

Wie geht Jesus mit Ablehnung um? Er versucht nicht, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen. Er biedert sich nicht an und er überredet niemanden. Jesus liebt nicht nur jeden Menschen, er respektiert auch sein «Nein».

Dass der Mensch frei entscheiden kann, das klingt mit heutigen Ohren so völlig normal und selbstverständlich, zumindest in Ländern, in denen es Freiheit gibt. Zur Zeit von Jesus aber gab es keine freie Entscheidung für einen Gott, sie war Teil des Herrschaftssystems. Da interessierte es nicht, wie der einzelne dachte.

Jesus macht sich machtlos

Dass Jesus keine Macht einsetzt, um Menschen zu sich zu ziehen, ist sein Herrschaftsstil. Er verzichtet auf alle Machtmittel und auf alles, was ihm an Anerkennung zustehen würde. Das ist es, was Johannes meint, wenn er sagt, dass Jesus in sein Eigentum kam, aber dennoch abgelehnt wurde.

In diesem Sinn macht sich Jesus uns gegenüber machtlos. Jesus fordert nicht ein, dass er der Herr ist, sondern er wartet darauf, dass ein Mensch ihn zu seinem Herrn macht.

Die Macht der Kinder Gottes

Zugleich verspricht er aber jedem, der ihm folgt, ein Kind Gottes zu werden. Wenige Zeilen später heisst es in dem Text von Johannes: «Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. «Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden....» (Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 12)

Worin aber liegt denn die Bedeutung (hier ist von «Macht» die Rede), ein Kind Gottes zu sein? Gott schenkt jedem, der sich ihm zuwendet ein neues und ewiges Leben. Er vergibt alle, wirklich alle Schuld. Und: Er wohnt in jedem Menschen, der ihn zum Herrn Macht, mit seinem Geist. Das sind grosse Zusagen. Das ist die Art seiner Herrschaft, die so ganz anders funktioniert als das, was wir sonst kennen und erwarten.

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