Zerbrochenes ist wichtig – Warum Kirchen ohne gebrochene Menschen kaputt sind

Christen sind gerne mit anderen Christen zusammen. Aber zu viel des Guten schadet der christlichen Gemeinde, sagt der Missiologe Ed Stetzer: Denn Kirchen ohne gebrochene Menschen seien gebrochene Kirchen.

30.9.2023
3 min
Eine Kirche aus einem kaputten Fenster
Pixabay / A_Different_Perspective
Eine Kirche aus einem kaputten Fenster

«Ich war fasziniert von der Tatsache, dass viele Christen Nichtchristen offenbar nicht mögen – auch bekannt als ‘die Verlorenen’ oder welcher Begriff auch immer verwendet wird», hält der Missiologe Ed Stetzer fest. Sie wollten sich offensichtlich von ihnen fernhalten.

Nachdem jemand Christ geworden ist, distanziert er sich häufig von früheren Freunden. «Wir haben das gefunden, was uns erfüllt – nehmen aber Abstand zu denen, die genau das brauchen, was wir gefunden haben. Ich glaube nicht, dass diese Trennung beabsichtigt ist, aber sie geschieht. Unsere Bedürfnisse sind abgedeckt und wir gehen weiter, ohne uns einer Welt bewusst zu sein, die um uns herum auseinanderfällt.»

Jesus lebte anders

«Einer der häufigsten Kritikpunkte, mit denen Jesus konfrontiert wurde, war, dass er zu viel Zeit mit Sündern verbrachte», reflektiert Ed Stetzer. «Er verkehrte mit den Menschen, die sich am Rand der Gesellschaft befinden. Wie vielen von uns könnte man vorwerfen, dass wir zu viel Zeit mit dem ‘Gesindel’ verbringen?»

Niemand verstand besser als Jesus, wie wichtig geistliche Reife, Schriftwissen, ein robustes Gebetsleben und positive Einflüsse sind. «Aber er wusste auch, dass diese Dinge nicht nur zu seinem persönlichen Vorteil waren. Dies muss mit denen geteilt werden, die verloren sind. Ich persönlich komme aus einer dysfunktionalen Familie. Eines Tages sprach ich mit einer meiner Töchter über das, was ich in meiner Kindheit erlebt hatte. Das war für sie schwer vorstellbar, weil unsere Familie funktioniert.» Dies gleiche dem, was Christen erleben: Sie wissen teils nicht, wie «es» ist.

«Generationsgläubige»

Viele Christen sind «Generationengläubige», da sie in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen sind. Da kann leicht vergessen gehen, dass es da draussen eine verletzte Welt gibt. Deshalb sei es wichtig, auf die Nichtchristen zuzugehen.

Jesus kam, um zu dienen. «Überall in der Heiligen Schrift sehen wir das Werk von Christus unter den Witwen, den Blinden, den Zerbrochenen – wer auch immer eine Not hatte. Jesus diente mit Barmherzigkeit.» Weiter kam er, um zu retten: «Er ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten. Und er sagt weiter: ‘Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.» (Die Bibel, Johannes, Kapitel 20, Vers 21).

Perfekte Menschen verboten

Dienen und Retten waren Kennzeichen des Lebens von Jesus auf Erden. Sie sollten auch Kennzeichen seines Volkes sein, erläutert Ed Stetzer: «Dazu müssen wir auf die gebrochenen und verletzten Menschen um uns herum zugehen. Ich möchte Teil einer Kirche sein, in der gebrochene Menschen willkommen sind – eine Kirche, in der perfekte Menschen ‘verboten’ sind.»

Das sei nicht einfach, aber dazu sind wir berufen. «Eine Kirche ohne Zerbrochene ist eine zerbrochene Kirche.»

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