1’000 Gründe – Warum Menschen glauben

Immer wieder ist in der Bibel vom Vertrauen auf Gott die Rede – vom Glauben. Doch der Weg dorthin ist so unterschiedlich wie die Menschen, die ihn gehen.
6.5.2026
4 min
Menschen finden ihren Weg zu Jesus auf ganz verschiedene Weise
Unsplash +, Chris Barbalis
Menschen finden ihren Weg zu Jesus auf ganz verschiedene Weise

Am Ende eines Gottesdienstes für Gäste und Interessierte hat der Prediger vieles zum Glauben gesagt und erklärt. Nun fordert er seine Zuhörenden heraus: «Wenn dich das Gesagte überzeugt hat und du innerlich weisst, dass es für dich dran ist, an Gott zu glauben, dann lade ich dich nun dazu ein…» Viele Menschen kennen tatsächlich einen Startpunkt in ihrer Beziehung zu Gott, der so ähnlich aussah. Wesentlich mehr haben ihren Glauben allerdings auf eine andere Art gefunden oder entwickelt. Gibt es dabei ein richtig oder falsch? Was ist eine geeignete Motivation?

Krisen hinterfragen dich

Manche Menschen scheinen auf alles eine Antwort zu haben. Sie kommen glatt durchs Leben und es geht ihnen gut. Gott spielt dabei nicht unbedingt eine (grosse) Rolle. Doch von einem Tag auf den anderen kann sich so etwas ändern: Da bricht Krankheit in dein Leben ein. Probleme machen sich breit. Plötzlich funktioniert nichts mehr so, wie du es dir vorstellst. Und wenn dir klar wird, dass dein bisheriges Mindset nicht mehr trägt, dann kann es sein, dass du bei Gott nach Trost, Orientierung oder Hoffnung suchst.

Du findest Vorbilder

Sehr häufig ist auch ein Zugang zum Glauben durch attraktive Vorbilder. Das können die Eltern sein oder eine Lehrerin, gute Freundinnen oder Kollegen. Und manchmal sogar jemand, den du nur indirekt kennst. Jedenfalls sind es meist Menschen, die dich inspirieren, weil sie ihren Glauben authentisch leben und du dir überlegst: «Das möchte ich auch probieren.»

Die Sinnfrage

Irgendwann schaut jeder Mensch mal zum Sternenhimmel auf und fragt sich: «Wo komme ich her? Und warum bin ich hier? Was gibt meinem Dasein Sinn und Bedeutung? Vielleicht sogar über dieses Leben hinaus?» Dann fallen dir wahrscheinlich viele Anbieter auf dem Markt der Sinnstifter ein und sicher auch der christliche Glaube. Wenn du ihn mal abseits der weit verbreiteten Klischees anschaust, wirst du feststellen, dass er durchaus Antworten zu bieten hat, gerade durch eine Bindung an Gott – genau das bezeichnet die Bibel als Glauben.

Ein Ja zu deiner Prägung

Etliche Menschen wachsen mit einer frommen Prägung auf, weil die Eltern oder Grosseltern glauben. Wenn das auf dich zutrifft, scheint es dir vielleicht so, als hättest du deinen Glauben und dein Wissen über Gott schon mit der Muttermilch bekommen. Vielleicht bist du glücklich damit, oder du überlegst dir, ob inzwischen etwas anderes für dich dran ist. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, das Ganze einmal für dich zu überdenken. Wenn du nur so hineingerutscht bist in den Glauben, benötigst du irgendwann die innere Bestätigung: «Ich werde nicht geglaubt, ich glaube. Es ist meine Entscheidung.»

Du gehörst dazu

Ein wichtiger Grund für viele Menschen ist auch das Gefühl, dazuzugehören. Dass du glaubst, ist ja keine Solo-Aktion, sondern findet meist in Gemeinschaft statt. Das ist nicht «nice to have», sondern gehört mitten ins Zentrum des Glaubens: dass du Nähe erlebst, das Gefühl von Angenommensein bekommst und Unterstützung bzw. Korrektur durch andere erfährst.

995 andere Gründe

Diese Liste liesse sich fast beliebig fortsetzen. Und sie macht deutlich, dass Glaube längst nicht mehr die Normalität ist, aus der du aussteigen müsstest, wenn du ihn nicht mehr mit deinem Leben vereinbaren kannst. Stattdessen ist der Glaube etwas geworden, dem du dich bewusst zuwendest – selbst, wenn du in einem kirchlich geprägten Umfeld aufwächst. Dass sich der Glaube an Gott heute in der Regel gegen andere Lebensentwürfe durchsetzen muss, macht ihn nicht besser oder schlechter als früher: So ist es momentan einfach. Und der Blick in die Geschichte ist bei der Frage, wie du deinen eigenen Zugang zum Glauben finden kannst, auch nicht unbedingt hilfreich. Gerne wird hier Martin Luther zitiert, der längere Zeit verzweifelt auf der Suche nach einem gnädigen Gott war. Das klingt für viele wie aus der Zeit gefallen, ist aber immer noch ein Grund für Menschen, zu glauben.

Gleichzeitig ist es längst nicht der einzige. Wenn du dich nun selbstkritisch fragst, ob deine Motivation vielleicht viel zu einfach oder zu «weltlich» ist, ob du dich nicht sogar aus den falschen Motiven auf den Weg gemacht hast, dann tut es gut zu sehen, dass kein Mensch bisher aus reinen Motiven glauben konnte. Glaube war zu allen Zeiten ausbaufähiges Vertrauen, zweifelndes Unterwegssein und bestenfalls ein «kleines Pflänzchen». «Wie bitte?», fragt Jesus dich. «Dein Glaube ist nur klein? Wenn er nur so gross ist wie ein Senfkorn, dann reicht mir das.»

Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Er ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und drei Enkel. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich. Ehrenamtlich arbeitet er in der humanitären Hilfe mit, ausserdem begeistert er sich fürs Radfahren, Lesen und Kunst.

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