Wasser (Johannes 3)

9.12.2009
2 min

Der Ausdruck »Wasser« bedeutet im Nikodemusgespräch die Taufe des Johannes

Jesus sagt dem Nikodemus: »Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen« (Joh. 3,5). Jesus versteht hier unter dem Wasser na­türlich nicht die einst kommende christliche Taufe. Was hätte Nikodemus mit einem Hinweis auf diese anfangen sollen? Jesus meint die Taufe des Johannes. *

Johannes taufte nach seinem eigenen Ausspruch zur Busse (»Ich taufe euch mit Wasser zur Busse«, Matth. 3,11). Busse bedeutet: Wiederkehr, Rückkehr zur ursprünglichen Gemeinschaft mit Gott und dar­um Abkehr von der herrschenden Art oder Grundrichtung, die immer weiter von Gott wegführt. **

Wasser bedeutet das Begräbnis der bisherigen Frömmigkeit

Die damaligen Frommen meinen: „Man muss die bestehenden frommen Einrichtungen nur immer weiter ausbauen. Es gilt in der eingeschlagenen Richtung nur immer weiterzugehen. Wir haben viel, wir haben unsere weihevollen Gottesdienste, unsere berühmten theologischen Traditionen, unser vielverzweigtes Gemeindeleben, unsere karitativen Einrichtungen, unsere Predigt. Aber gewiss, das genügt noch nicht. Es muss in dem allem noch viel mehr geschehen."

Aber Johannes ruft: Das Gegenteil ist der Fall. Nicht in dieser Richtung weiterarbeiten, sondern von dem allen radikal umkehren und ein Neues anfangen, denn das, was ihr für so wichtig und göttlich haltet, ist längst seines göttlichen Sinns und Gehalts entleert. Auf diesem Weg ist Gott nicht mehr zu finden; dieser Weg ist aufzugeben.

Busse tun heisst nicht: zerknirscht sein darüber, dass man im Sinne der bestehenden Frömmigkeit so wenig getan oder ihr so wenig entspro­chen hat; damit würde man die bestehende Frömmigkeit bejahen. Busse tun heisst: die bestehende Frömmigkeit verneinen, sich von ihr losmachen. Die bisherige Art und Grundrichtung muss völlig untergehen wie der Mensch, den ich in den Jordan tauche.

Dasselbe meint Jesus, wenn er dem Nikodemus sagt: ein Mensch müsse zuerst durchs Wasser, ehe er ins Reich Gottes kommen könne. Es bedarf dazu nicht bloss der Reue über die persönliche Schuld, sondern der Abkehr von der im öffentlich-kirchlichen Leben herrschenden Grundrichtung.

Dass ein Mensch tatsächlich unter die Gottesherrschaft kommt, wirkt freilich erst der Geist. Wasser (Busse) ist Durchgang, Geist ist Eingang. ***

* Für eine andere Auslegung siehe die Fussnote zum Artikel «Taufe». (Livenet)
** Siehe den Artikel zu «Busse».
*** Siehe den Artikel zu »Taufe des Johannes«.

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