Weil das Leben so kurz is t…

9.9.2017
4 min

…müssen wir es gut nutzen, ausnutzen, Ressourcen weise einsetzen. Aber wie? Was ist weise? Die Bibel gibt da einen guten Ausgangspunkt.

Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich in meinem Alltag in die gewohnte Routine und die gewohnten Sorgen rutsche: Wie können wir uns besser organisieren, um weniger auszugeben und besser mit unserem Geld klarzukommen? In welcher Schule sollte ich meine Tochter im nächsten Jahr einschulen? Sollten wir uns, auf unsere Bedürfnisse abgestimmt, ein grösseres Auto kaufen? Die Fragen sind vielseitig und bei jedem Menschen wieder anders. Und es sind ja auch wichtige Themen… Doch vergesse ich in meinem Alltagstrott so schnell, dass es im Leben überhaupt nicht primär um den Alltag, die Routine geht.

Ein uraltes Gebet, immer noch aktuell

Das erkannte schon Mose, Jahrhunderte bevor Jesus auf diese Welt kam, und schrieb: «Unser Leben dauert siebzig Jahre, und wenn wir noch Kraft haben, dann auch achtzig Jahre. Und was uns daran so wichtig erschien, ist letztlich nur Mühe und trügerische Sicherheit. Denn schnell eilen unsere Tage vorüber, als flögen wir davon.» (Psalmen, Kapitel 90, Vers 10) Und dann bittet er Gott um etwas, das wir alle brauchen: «Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!» (Vers 12) Oder in einer anderen Übersetzung (Hoffnung für alle) heisst es: «Mach uns bewusst, wie kurz das Leben ist, damit wir unsere Tage weise nutzen!»

Andere segnen

Wie kann ich meine Tage weise nutzen? Was kann ich in meiner Alltagsroutine – die man ja nicht einfach so wegwischen kann – tun, das ewigen Bestand hat? Ganz kurz gesagt: Das einzige, was ewigen Bestand hat, sind Menschen oder Menschenleben. Und so sagte es schon Pastor René Breuel: Ob unser Leben gelingt, kann man an den Menschen messen, die wir segnen (Livenet berichtete). Ich kann mich also fragen: Wie kann ich heute einen Menschen segnen? Sei es durch einen kurzen Telefonanruf oder eine Nachricht, sei es durch ein Lächeln oder einen Händedruck auf der Strasse, es gibt so viele Möglichkeiten, wie wir bekannte und unbekannte Menschen segnen können. Dazu gehört natürlich auch, anderen von Jesus zu erzählen, womit sich mancher etwas schwerer tun. Aber auch das ist etwas, das definitiv ewigen Bestand hat, wenn andere durch uns und unser Zeugnis zum Glauben kommen.

Wir können auch am Morgen Gott darum bitten, dass er uns zeigt, was er für uns bereithält. Denn manchmal bin ich so beschäftigt mit Haushalt, Arbeit, Kirche und Familie, dass ich vermutlich Dinge überhaupt nicht sehe, die Gott mir vielleicht nahelegen möchte. Aber Gott behält den Überblick. Und er sieht genau, wo ich anderen ein Segen sein und dadurch letztlich selbst beschenkt werden kann.

Auch das Leben der anderen ist kurz

Das Bewusstsein, dass das Leben kurz ist, brauchen wir aber nicht nur im Bezug auf uns selbst, sondern auch auf andere. Beispielsweise unsere Eltern, ältere Verwandte. Oder jeden, der uns im Leben wichtig ist, denn wie viele Menschen werden durch Krankheit oder Unfall nicht mehr alt. Wann haben Sie zuletzt ihren Eltern gesagt, dass Sie sie liebhaben? Oder Ihren Kindern? Wir drücken unsere Liebe oft scheinbar durch jede Menge Dinge aus, aber die Worte «Ich hab dich lieb» kommen uns nicht über die Lippen. Auf der anderen Seite haben meine Eltern eine schöne Tradition eingeführt, eben weil man nicht weiss, wann man sich das letzte Mal sieht: Jedes Mal, wenn sie jemanden nach längerer Zeit wieder treffen, beten sie zum Schluss mit ihm oder ihr – im Bewusstsein, dass es durchaus das letzte Mal sein könnte.

Klingt das makaber? Vielleicht. Aber das Bewusstsein, dass unser Leben kurz und unbeständig ist, hilft uns, auf das Wesentliche zu schauen, Prioritäten zu setzen und vor allem andere zu segnen. Ich möchte in jedem Fall das Gebet von Mose zu meinem Morgengebet machen: «Herr Jesus, mach mir bewusst, wie kurz das Leben ist, damit ich diesen Tag heute weise nutze!»

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