Kathryn Krick ist als christliche Stimme und geistliche Leiterin bekannt. In einem aktuellen Video des YouTube-Kanals «The Last Reformation» wird kritisch hinterfragt, welche Rolle ihr geistlicher «Papa» beziehungsweise Mentor in ihrem Leben einnimmt.
Von aussen lassen sich persönliche Beziehungen und Motive allerdings nur schwer abschliessend beurteilen. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn es um konkrete Vorwürfe gegenüber einer Person geht.
Letztlich geht es dabei auch nicht allein um die Person Kathryn Krick, sondern um eine Frage, die jeden Christen betreffen kann: Wann wird geistliche Begleitung zu geistlicher Abhängigkeit? Und wann erhält ein Mensch in unserem Leben eine Autorität, die letztlich nur Jesus zusteht?
Ein Mentor soll zu Christus führen
Die Bibel kennt geistliche Begleitung. Paulus schreibt:

«Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi Nachahmer bin.»
1. Korinther 11, 1
ELB
Bemerkenswert ist, worauf Paulus dabei konkret verweist. Er stellt sich nicht selbst ins Zentrum. Seine Vorbildfunktion hat ein Ziel: die Menschen sollen Christus nachfolgen.
Genau darin liegt ein entscheidendes Kennzeichen gesunder geistlicher Begleitung. Ein Mentor, Pastor oder geistlicher Vater soll Menschen nicht an sich selbst binden, sondern ihnen helfen, in ihrer eigenen Beziehung zu Jesus zu wachsen.
Eine gesunde geistliche Leitungsperson macht nicht sich selbst unentbehrlich. Sie weist auf Jesus hin.
Das kann bedeuten, Rat zu geben, Erfahrungen weiterzugeben, zu ermutigen oder auch einmal korrigierend einzugreifen. Doch die letzte Autorität über das Leben eines Christen liegt nicht bei einem Menschen.
«Prüft die Geister»
Die Bibel fordert uns Christen ausdrücklich dazu auf, geistliche Aussagen zu prüfen. Johannes schreibt:

«Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.»
1. Johannes 4,1
ELB
Das bedeutet: Nicht alles ist automatisch richtig, nur weil es von einer geistlichen Autorität gesagt wird. Auch die Aussagen eines Pastors, Propheten, Mentors oder Leiters müssen an der Bibel geprüft werden. Gerade das ist in der Praxis schwierig.
Denn Verführung kommt nicht immer offensichtlich daher. Sie kann fromm klingen, von Jesus sprechen und dennoch langsam den Mittelpunkt verschieben; weg von Christus und hin zu einer Person, einer Bewegung oder einem Leiter.
Warum sind Warnsignale so schwer zu erkennen?
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass Menschen Orientierung brauchen. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit, Anerkennung und geistlicher Sicherheit. Gerade in schwierigen Lebensphasen kann deshalb eine starke geistliche Persönlichkeit enormen Einfluss gewinnen.
Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird es dort, wo die eigene Beziehung zu Gott immer stärker durch die Meinung eines Menschen vermittelt wird. Wenn Kritik an einem Leiter automatisch als Rebellion gilt, Zweifel als mangelnder Glaube interpretiert werden oder jemand Angst bekommt, seinem geistlichen Mentor zu widersprechen, sollten die Warnsignale ernst genommen werden.
Geistliche Autorität darf niemals absolut werden.
Kein Pastor, Prophet, Apostel oder Mentor kann die Stelle Jesu einnehmen.
Wem gilt meine Loyalität?
Es wäre zu einfach, diese Fragen nur auf Kathryn Krick oder andere bekannte geistliche Leitungspersönlichkeiten zu beziehen. Die Fragen richten sich vielmehr an uns selbst:
Wem vertraue ich mehr: Jesus und seinem Wort oder einem Menschen?
Wessen Anerkennung brauche ich?
Kann ich einem geistlichen Leiter widersprechen, ohne Angst zu haben, Gott zu enttäuschen?
Darf ich Fragen stellen und Dinge prüfen?
Bleibt Jesus auch dann im Zentrum, wenn mein Mentor nicht mehr da ist?
Diese Fragen sind nicht Ausdruck von Misstrauen gegenüber geistlicher Begleitung. Im Gegenteil: Sie können helfen, geistliche Beziehungen gesund zu gestalten.
Ein guter Mentor wird nicht verlangen, dass ihm ein Mensch blind vertraut. Er wird ihn vielmehr ermutigen, selbst in Gottes Wort zu lesen, Jesus zu suchen, Verantwortung zu übernehmen und geistlich mündig zu werden.
Jesus bleibt das Zentrum
Geistliche Reife zeigt sich deshalb nicht darin, wie loyal wir einem bestimmten Menschen gegenüber sind.
Sie zeigt sich darin, wie treu wir Jesus Christus folgen.
Menschen können uns begleiten, beraten und prägen. Manche werden für eine bestimmte Zeit wichtige Wegbegleiter sein. Doch kein Mensch kann unseren Platz vor Gott einnehmen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, innezuhalten und Jesus ganz persönlich im Gebet zu fragen:

«Herr, wo habe ich einem Menschen in meinem Leben einen Platz gegeben, der eigentlich dir gehört? Und was möchtest du in mir neu ordnen, damit mein Vertrauen wieder ganz auf dir ruht?»
Deshalb, liebe Leserin und lieber Leser: Am Ende geht es nicht darum, ob wir den richtigen Mentor gefunden haben. Es geht darum, ob unser Blick auf Jesus gerichtet bleibt.



