Wohin schaust du?

Mit 31 hat mir ein Freund das Skifahren beigebracht. Breite Piste, gutes Wetter, ein einzelner Baum am Pistenrand. Und genau dorthin schaute ich. Was passierte? Ich umarmte den Baum, was für mich schmerzhaft war und dem Baum vermutlich auch keine Freude bereitete. Mein Freund half mir hoch und fragte nur: «Wohin schaust du?»

4.9.2026
4 min
geschrieben von
Alexander Bachmann
skiunfall
Unsplash
Was hilft dir, Kurs zu halten?

Eine einfache Frage, auf die ich keine vernünftige Antwort hatte. Denn jeder von uns weiss: Wohin ich schaue, dahin komme ich. Mich hatte die Angst geleitet, in den Baum zu fahren. Und genau deshalb hatte ich den Blick nicht mehr von ihm losbekommen.

Baum-Umarmungsmomente in der Bibel

Wir leben in einer Zeit, in der alles nach Aufmerksamkeit schreit. Jeder will deinen Blick für sein Produkt, seine Meinung, seine Lebensweise, seinen neusten Ernährungstrend. Und täglich stellt sich dieselbe Frage: Wohin schaust du? Worauf setzt du deine Hoffnung, wenn die Angst vor dem Baum hochkommt? Am Abend im Bett. Auf dem Weg ins Spital. Vor einem schwierigen Gespräch. Vor der Rechnung im Postfach. In diesen Momenten entscheidet dein Blick, ob du in den Baum krachst wie ich oder die Kurve kriegst.

Die Bibel beschreibt solche Baum-Umarmungsmomente als Zielverfehlung. Nicht in erster Linie als Regelbruch, sondern als Blick, der am falschen Ort hängen bleibt und dich unweigerlich dorthin führt, wo es schmerzt. Aber wie kann es uns im Alltag gelingen, dass wir auf der Piste bleiben? Die Bibel ermutigt uns, den Blick auf Jesus zu richten. Persönlich habe ich einen Satz in meinem Leben etabliert, um diese Ausrichtung zu pflegen:

Ich möchte Tag für Tag, Schritt für Schritt, näher zu Gott.

Tag für Tag

Gott schenkt dir Lebenszeit, dem einen mehr, dem anderen weniger. Und er hat diese Zeit unterteilt in Tage. Das ist ein Segen. Die Nacht unterbricht deine Arbeit, dein Körper kommt zur Ruhe, du schliesst die Augen. Am nächsten Morgen darfst du den Blick neu ausrichten. Denn Gottes Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu (Klagelieder Kapitel 3, Verse 22 und 23).

Jesus selbst sagte einmal, dass die Sorgen für einen Tag genug sind (nachzulesen in Matthäus Kapitel 6, Vers 34). Du musst dein ganzes Leben nicht heute in Ordnung bringen. Du darfst diesen Tag leben, ihn erleben, ihn verarbeiten. Das nimmt Druck heraus und ermöglicht es, den Blick jeden Tag aufs Neue auszurichten. Du brauchst keine perfekte Lebensbilanz, um Gott näher zu kommen. Du brauchst nur heute.

Schritt für Schritt

In diesem begrenzten Rahmen entscheidest du mit jedem Schritt, wohin du fährst. Auf den Baum zu oder auf die freie Piste. Die Zeit fragt nicht, ob du sie nutzt – sie läuft ungefragt weiter. Gott verlangt von dir keinen Sprung, der nicht zu deinen Umständen und Kapazitäten passt. Er wünscht sich, dass du in deinem Tempo Schritt für Schritt auf ihn zugehst. Und er kommt dir dabei entgegen (Jakobus Kapitel 4, Vers 8).

Beim Skifahren korrigierst du deine Richtung mit leichtem Kantengeben. Niemand baut eine Piste ganz neu, nur weil er einen Baum sieht. Ein Gebet sprechen, statt zum Handy zu greifen. Die Bibel aufschlagen, statt die nächste Negativschlagzeile zu lesen. Und ja, an manchen Tagen machst du trotz richtigem Blick ein oder zwei Rückschritte. Das gehört dazu.

Näher zu Gott

Da lag ich nun vor dem Baum, verkeilt zwischen Stöcken und Skiern, und alles Training der Welt hätte mir in diesem Moment nichts genützt, um wieder aufzustehen. Mein Freund musste mich erst einmal hochziehen, bevor er mir den nächsten Tipp geben konnte.

Genauso ist es bei Gott. Den ersten Schritt hat er gemacht und uns hochgezogen. Den Zugang zu ihm kannst du dir nicht selbst erarbeiten (Epheser Kapitel 2, Verse 8 und 9). In Jesus hat sich Gott gezeigt und ist bereits auf uns zugegangen (Hebräer Kapitel 9, Vers 26). Nicht als ferne Idee, sondern als Gott, der Mensch wird und zu uns kommt (Johannes Kapitel 1, Vers 14). Du musst also nicht auf ein Erlebnis warten. Du darfst dich an etwas halten, das schon passiert ist.

Am Kreuz rief Jesus:

Icon Bibel

«Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»

Matthäus-Evangelium

Kapitel 27, Vers 46 (HFA)

Er durchlebte die grösste Angst: getrennt von Gott zu sein, stellvertretend für uns. Er ist in den Baum gefahren, damit du es nicht musst. Somit ist der Weg zu Gott offen. Was bleibt, ist offenes Gelände. Und ein Gott, der neben dir fährt.

Wohin schaust du?

Die Frage, die mein Freund mir im Schnee gestellt hat, bleibt. Sie ist kein Vorwurf, sondern eine tägliche Einladung: Tag für Tag, Schritt für Schritt näher zu Gott zu kommen. Und heute ist ein guter Tag für dich, einen Schritt auf Gott zuzugehen.

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