Ursula Meister

Unfertig und zufrieden

Ursula Meister, 66 Jahre, wohnt in Burgdorf
Ursula Meister aus Burgdorf arbeitet als Pflegefachfrau und ist eine bodenständige, begeisterungsfähige, sowohl aktive als auch kreative Frau. Sie hat ein grosses Herz für hilfsbedürftige Menschen.

Mit ihrem Bruder auf einem Bauernhof im Emmental aufgewachsen, erlebte Ursula eine schwierige Kindheit. Von ihrem Lehrer wurde sie geplagt und blossgestellt, was für sie traumatisch war. Ursula erinnert sich: «Ich hatte keinen Plan, was ich mit meinem Leben anfangen sollte und fühlte mich extrem minderwertig.» Da sie sich niemandem anvertrauen konnte, versank Ursula in ihrer Not in ihre eigene Traumwelt.

«Ich hatte keinen Plan, was ich mit meinem Leben anfangen sollte und fühlte mich extrem minderwertig.»

Tiefflug

Nach dem Bauernlehrjahr arbeitete sie als Schwesternhilfe und schloss sich einer Gruppe von kreativen, originellen Menschen an. Diese akzeptierten Ursula, wie sie war und machten sie mit Cannabis bekannt. Ursula kiffte bis zu ihrer Ausbildung als Krankenpflegerin. Durch ihre rebellische Art gegenüber Autoritätspersonen wurde sie jedoch kurz vor Ausbildungsabschluss rausgeworfen. Ein tiefes innerliches Loch tat sich in ihr auf. Daraufhin begann sie Heroin zu spritzen und man traf sie in der Drogenszene auf dem Münsterplatz in Bern.

Man verliert dabei alles

Ursula fand einen Arzt, der ihr zuhörte und sie verstand, was ihr sehr wohltat. Unter Methadon durfte sie nach Hause, machte dort einen schwierigen Entzug und wurde danach schwanger von ihrem Freund, der auch drogenabhängig war. Ihr kleines Mädchen Eva war ihre grosse Freude und Lebensrettung. Sie begann nun Verantwortung zu übernehmen und verabschiedete sich mit Hilfe von Medikamenten endgültig von den Drogen.

«Ich will dir die Jahre zurückerstatten, die dir die Heuschrecken gefressen haben.»

Der Paradiesvogel landet

Ursula lernte einen Mann kennen, der ihr begeistert von Jesus erzählte. Sie rebellierte jedoch massiv und sprach in abschätziger Weise über den Glauben. Als dieser Mann ganze Sache mit Gott machte, geriet Ursula in Rage. Er verwies sie an einen Heilsarmeeoffizier in Burgdorf. Dieser lud die damals 26-Jährige an eine christliche Veranstaltung mit dem Referenten Wilhelm Pahls nach Biel ein. Was Ursula tief im Herzen traf, war die Botschaft, dass Jesus alle Menschen liebt, also auch sie. Am selben Abend vertraute sie Jesus ihr Leben an. Ein Schlüsselerlebnis für sie waren folgende Zeilen in einem Andachtsbuch: «Ich will dir die Jahre zurückerstatten, die dir die Heuschrecken gefressen haben.» (Die Bibel, Joel, Kapitel 2, Vers 25). Wie ein Paradiesvogel angezogen, besuchte Ursula mit ihrer kleinen Tochter Eva fortan die Heilsarmee. Über ihre erste Zeit dort sagt sie: «Die Menschen nahmen mich herzlich auf, aber meine Abhängigkeit von
Tabletten belastete mich sehr. Wir beteten viel dafür.» Eines Tages entschied sich Ursula, einen Entzug zu machen.

«Meine Abhängigkeit von Tabletten belastete mich sehr.»

Migräne und dunkle Zeiten

Ursula begann die Ausbildung zur Pflegefachfrau. Im zweiten Lehrjahr bekam sie Zugang zum Schrank mit den starken Medikamente, darunter Opiate. Wie würde sie damit umgehen? Tatsache war: Sie war wirklich frei! Was für ein Geschenk! Ursula heiratete und bekam zwei Buben. 30 Jahre lang litt sie unter schwerer Migräne, kannte auch depressive Zeiten und wurde deswegen bitter in ihrem Herzen. Sie suchte professionelle Hilfe und es wurde für sie gebetet. Da
erinnerte sich Ursula wieder an die Zeilen im Andachtsbuch und realisierte, dass ihr die Jahre tatsächlich zurückerstattet wurden: Freiheit von Drogen, Heilung von Migräne, eine Familie und ein spannendes, unkonventionelles Leben voller Überraschungen in Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen.

Der «Eggstei»

Eine spannende und herausfordernde Zeit war die Mitarbeit als Ehepaar bei der Gassenarbeit «Eggstei» in Burgdorf. Die Vision von einem Haus, wo Menschen den Ausstieg aus den Drogen schaffen, wurde Realität in Burgdorf. Mit viel Eigenleistung und Spenden konnten Ursula und ihr Mann einen Hausteil anbauen, den sie zehn Jahre mit viel Herzblut ehrenamtlich leiteten.

Frisches Wasser

Eine rund 100-jährige esoterisch interessierte Klientin sprach einmal mit Ursula über den Glauben. Die Frau erklärte ihr, dass wir im Wassermannzeitalter leben würden. Ursula sagte ihr dann: «Ich kenne den Wassermann. Er heisst Jesus Christus. Er gibt uns immer wieder frisches Wasser zu trinken.» Dabei bezog sich Ursula auf folgende Worte von Jesus in der Bibel, im Johannes-Evangelium, Kapitel 4, Verse 11-14: «Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.»

«Ich kenne den Wassermann. Er heisst Jesus Christus!»

Unfertig zufrieden

Nicht alle Wünsche von Ursula wurden erfüllt, nicht alles kam zu einem Ende und bleibt somit unfertig. «Mir ist es wichtig, auch im Alter zufrieden zu bleiben»,
bekräftigt Ursula. Angesprochen auf das bevorstehende Weihnachtsfest, strahlt sie und sagt: «Ich finde Weihnachten cool, es hat eine tiefe Bedeutung für mich. Was sich Gott da ausgedacht hat, wie er in dieser völligen Schwachheit sich unter die Menschen gesellte. Wie grossartig ist denn das?!»

Zur Person

Einer meiner Lieblingsplätze:
Schrattenfluh

Meine Lieblingsmusik:
Balladen

Meine Hobbies:
Abstraktes Malen, Wandern, Lesen

Datum: 14.11.2022
Autor: Jacqueline Schär
Quelle: HOPE-Regiozeitungen

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