Der Zukunftsforscher Jamais Cascio prägte im Jahr 2020 den Begriff «BANI». BANI steht für die Begriffe «brüchig», «ängstlich», «nichtlinear» und «unbegreiflich». Ich stimme ihm zu, dass sich der Alltag, das persönliche Empfinden und die Stimmung in unserer Gesellschaft irgendwie sehr BANI-mässig anfühlen. Cascio beschreibt auch sehr schön, wie wir diesen Herausforderungen begegnen können. Er empfiehlt beispielsweise, Resilienz aufzubauen sowie Empathie, Vertrauen und psychologische Sicherheit zu fördern. All das fordert uns heraus, flexibel und beweglich zu bleiben – inmitten aller Spannungsfelder.
Im Graffland, dem «Streetart-Mekka» in Opfikon bei Zürich, bekam ich die Gelegenheit, eine grosse Wand frei zu gestalten. Es entstand ein temporäres Gemälde, das in einigen Monaten von einem anderen Künstler oder einer anderen Künstlerin übermalt werden wird. Gerade weil das Bild nicht für immer bleiben wird, wagte ich mich an ein Selbstporträt, in dem ich mich mit meiner Ohnmacht angesichts meines Bemühens um Frieden auseinandersetze und mich selbst ins Visier nehme.
Loslassen
Ich stelle mich selbst als eine Person dar, die den «Job» einer Friedenstaube hat und sich dafür als entsprechendes Maskottchen verkleiden muss. Der Text im Bild lautet: «Job got hard lately.» Ich nehme die Vogelkopf-Haube ab und setze mich erschöpft hin. Ich bin müde und mag dieses «Spiel» nicht mehr spielen.
Ich bin frustriert über meine eigene Ohnmacht, Frieden zu stiften. Viel zu viel liegt – aus globaler Sicht betrachtet – nicht in meinen Händen, was dieses Gefühl der Ohnmacht noch verstärkt. Dieses Hinsitzen und Innehalten sind für mich eine Art Kapitulation, ein Loslassen, ein Aufgeben. Ich kann es nicht mehr aus eigener Kraft stemmen.
Ich muss nicht mehr
Und genau in diesem Aufgeben und Loslassen liegt für mich eine Chance. So war es auch, als ich an drei heissen Sommertagen diese Wand gestaltete. Während ich daran arbeitete, konnte ich mich selbst reflektieren und mich beinahe meditativ mit diesem Thema auseinandersetzen.
Viele Passanten blieben stehen, fragten nach und konnten sich in dieses Gefühl der Ohnmacht hineinversetzen, beziehungsweise dieser Erfahrung zustimmen.
Wir sind nicht allein
Mein Trost und meine Hoffnung sind, dass ich mit diesem Gefühl nicht allein bleiben muss. Ich bin tief davon überzeugt, dass Jesus die gesamte Situation kennt und sie immer noch überblickt. Gott ist letztlich meine Resilienz. Auf ihn kann ich vertrauen, wenn alles um mich herum unsicher wird. Er ist wie ein Fels in der Brandung.
Wie weiter?
Dieses Bild soll zum Nachdenken anregen. Jeder Mensch kann sich fragen, wohin er sich mit seiner Ohnmacht wenden möchte. Ich persönlich erlebe immer wieder, dass es in Ordnung ist, überfordert zu sein, und dass es sich lohnt, meine Last bei Jesus abzulegen. So darf ich auch das «Friedenstaube-Kostüm» ablegen und muss nicht mehr aus eigener Kraft kämpfen.
Jesus spricht: «Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.» (Matthäus Kapitel 11, Vers 28; HFA)


