Warum manchmal das Gute gut genug ist

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Informatik, insbesondere im Bereich Cybersicherheit, hatte ich das Privileg, zahlreiche Unternehmen zu beraten. Eine Frage, die mir dabei immer wieder begegnete, lautete: «Was ist die Best Practice?» Mit anderen Worten: Wie sollte man vorgehen, um die IT-Sicherheit optimal zu gewährleisten? 

21.6.2026
2 min
geschrieben von
Beat Kunz
gemischte-gruppe-arbeitet-an-laptops
Unsplash+
Menschen versuchen in allen möglichen Bereichen ihr Leben zu optimieren.

Diese Frage habe ich schon so oft gehört, dass ich jedes Mal ein wenig schmunzeln muss. Denn die Antwort ist oft ernüchternd: Best Practice gibt es nur unter idealen Bedingungen – unbegrenztes Budget und unbegrenzte Zeit. Alternativ könnte man natürlich komplett auf Computer verzichten und jedem Mitarbeitenden einen Papierblock und einen Bleistift geben. So arbeitet man zwar sicher vor Hackerangriffen, aber auch ziemlich ineffizient.

Überall das Beste geben?

Diese Erfahrung lässt sich auch auf das christliche Leben übertragen. Auch als Jesus-Nachfolgerinnen und -Nachfolger streben wir oft nach der Best Practice, versuchen unser Leben zu optimieren und scheitern dabei immer wieder. Warum ist das so? 

Auch wir haben nicht unendlich viel Zeit auf dieser Erde; unsere Tage sind gezählt (beschränktes Lebensbudget). Wir können nicht einfach alles machen und überall das Beste suchen. Natürlich haben wir als Christen den Anspruch, dass wir das Beste schon haben – die Vergebung Gottes und die Hoffnung auf das ewige Leben. Damit sollten wir uns eigentlich zufriedengeben.

Doch in meinem christlichen Umfeld nehme ich häufig eine Art geistliche Optimierung wahr – den Wunsch, noch besser als Christ zu leben, das Leben noch besser zu meistern und eine noch tiefere Beziehung zu Gott zu haben. Ich finde das an sich gut, aber oft ist es einfach zu viel. Es kann uns von der Freude am Glauben ablenken und uns unter Druck setzen.

Mit dem Guten zufrieden sein

Manchmal ist es gut, eine Stufe zurückzuschalten, vom Besten zum Guten. Das erklärt vielleicht auch, warum das Evangelium auf Deutsch die «gute Nachricht» heisst und nicht die beste. Natürlich dürfen wir sagen, dass wir die beste Nachricht haben, aber oft ist es hilfreich, einfach mit dem Guten zufrieden zu sein. Mit dem, was Gott uns gegeben hat, und mit dem, was wir in unserem Alltag leisten können. Go(o)d Practice ist manchmal genau das, was wir brauchen.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Blog
Korkenziehen

Barmherzigkeitslevel – oder wer ist mein «Nächster»?

Wie barmherzig sind wir eigentlich? Gerade zu Menschen, die wir nicht so gut kennen. Und wann ist Barmherzigkeit unangemessen? Beat Kunz reflektiert darüber und was ihn eine Begegnung im Restaurant gelehrt hat.