In Matthäus 28, Vers 20 spricht Jesus vom «Ende der Welt», beziehungsweise vom «Ende der Zeit». Genau hier berühren wir das, was die Bibel mit «Endzeit» meint.
Viele Menschen verbinden das Wort «Endzeit» sofort mit Katastrophen, Kriegen, Krisen und einem dramatischen Weltuntergang. Endzeit klingt nach Angst, Bedrohung und düsteren Zukunftsbildern. Doch die Bibel meint mit Endzeit mehr – und sie setzt den Beginn der Endzeit viel früher an, als viele denken.
Ein Schlüsseltext steht im Hebräerbrief. Dort heisst es:
«In der Vergangenheit hat Gott immer wieder und auf vielfältige Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen. Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns. Durch ihn schuf Gott Himmel und Erde, und ihn hat er auch zum Erben über alles eingesetzt.»
Hebräer Kapitel 1, Verse 1 und 2
HFA
Diese Formulierung ist entscheidend. Der Text sagt nicht: Irgendwann in ferner Zukunft wird die letzte Zeit beginnen. Sondern: Die letzte Zeit ist bereits angebrochen. Dies ist geschehen, als «Gott durch seinen Sohn zu uns» sprach.
Wir leben bereits am Ende der Zeit
Das bedeutet: Endzeit beginnt im Neuen Testament nicht erst mit den letzten Katastrophen vor der Wiederkunft von Jesus. Sie begann bereits mit dem ersten Kommen von Jesus. Seitdem Gott in Jesus zu uns gesprochen hat, leben wir biblisch gesehen am Ende der Zeit. Dieser Gedanke wird an mehreren Stellen bestätigt. Als an Pfingsten der Heilige Geist ausgegossen worden war, erklärte Petrus dieses Ereignis mit den Worten des Propheten Joel: «In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen.» (Apostelgeschichte Kapitel 2, Vers 16; HFA).
Pfingsten bedeutet also: Die letzte Phase von Gottes Geschichte mit dieser Welt hat begonnen.
Auch Paulus und Petrus schreiben in ihren Briefen an Gemeinden davon, dass das Ende der Zeit mit dem Kommen von Jesus begonnen hat (1. Korinther Kapitel 10, Vers 11; 1. Petrus Kapitel 1, Vers 20). Genau begann die Endzeit also mit der Geburt von Jesus – die wir jährlich an Weihnachten feiern.
Das ist wichtig, weil wir die Endzeit sonst nur mit aktuellen Schlagzeilen verbinden: Krieg, Klimakrise, gesellschaftliche Spannungen, politische Unsicherheit. Solche Ereignisse können Fragen auslösen. Aber der eigentliche Beginn der Endzeit wird nicht durch eine Schlagzeile bestimmt, sondern durch die Geburt von Jesus.
Dreh- und Angelpunkt ist Jesus
Nach biblischem Verständnis ist Jesus nicht einfach eine religiöse Figur aus der Vergangenheit. Mit ihm treten Gottes endgültiges Reden und Handeln in die Welt. Seit Jesus leben wir in der Zeit zwischen seinem ersten Kommen und seiner Wiederkunft: Wir leben bereits in der Endzeit – aber noch nicht in der Vollendung.
Die Bibel sagt jedoch auch: Diese Zeit wird sich zu ihrem Abschluss hin zuspitzen. Jesus gebraucht dafür ein starkes Bild: Wehen vor einer Geburt. Wehen kommen nicht einfach einmal und dann ist alles vorbei. Sie werden häufiger, intensiver, schmerzhafter. Sie zeigen an: Etwas Entscheidendes steht bevor.
Geburtswehen und Endzeit?
Endzeitliche Erschütterungen beschreibt Jesus daher als Anfang von Wehen (Matthäus Kapitel 24, Vers 8; Markus Kapitel 13, Vers 8). Sie sind noch nicht einfach das Ende. Aber sie markieren den Beginn einer Entwicklung, die sich zuspitzt.
Auch Paulus greift dieses Bild auf. In Römer Kapitel 8, Vers 22 beschreibt er die ganze Welt als eine Schöpfung, die seufzt und in Geburtswehen liegt – wartend auf Erlösung und Neuwerdung. In 1. Thessalonicher 5, Vers 3 sagt er ausserdem, dass für manche Menschen das Ende der Zeit so plötzlich sein wird, wie auch Wehen plötzlich über eine schwangere Frau hereinbrechen können.
Das Bild der Wehen hält beides zusammen: Schmerz und Hoffnung. Wehen sind real. Sie tun weh. Sie können Angst machen. Aber sie sind nicht sinnlos. Sie weisen auf eine Geburt hin – auf neues Leben. So versteht auch die Bibel die Endzeit nicht als sinnlosen Absturz ins Nichts. Sie ist das Ende einer alten Zeit, aber zugleich der Übergang in Gottes neue Welt.
Endzeit ist nicht nur Krisenzeit – sie ist auch Zuversichtszeit
Natürlich spricht die Bibel realistisch über die Spannungen dieser Zeit: Bedrängnis, Erschütterungen, Verführung, Angst, Verunsicherung. Wer die Bibel ernst nimmt, wird das nicht verharmlosen. Aber wer die Bibel wirklich ernst nimmt, wird auch die Hoffnung nicht verlieren.
Denn die Endzeit ist auch die Zeit, in der Christus bereits gekommen ist, der Heilige Geist ausgegossen wurde, das Evangelium verkündigt wird und Menschen durch Jesus Frieden mit Gott finden können. Damit ist Gottes neue Welt bereits angekündigt!
Gerade deshalb brauchen Menschen Orientierung. Wer Turbulenzen wahrnimmt, braucht Halt. Wer Schmerzen erlebt, braucht Begleitung. Wer merkt, dass die Welt nicht einfach stabil und sicher ist, braucht mehr als Durchhalteparolen.
Die Bibel gibt Halt
Die Bibel will solche Orientierung geben. Sie erklärt nicht jedes Detail. Aber sie zeigt die grosse Richtung: Diese Welt ist nicht alles. Diese Zeit ist nicht endlos. Die Geschichte läuft nicht ins Nichts, sondern auf Gottes Ziel zu.
Das wichtigste biblische Buch dazu ist die Offenbarung des Johannes. Sie ist nicht geschrieben, damit Menschen sich in Spekulationen verlieren. Sie will auch keine Angst erzeugen. Sie will den Blick auf Christus richten. Sie zeigt: Jesus bleibt Herr – auch dann, wenn Weltgeschichte chaotisch aussieht. Darum ist die biblische Sicht der Endzeit umfassender als viele populäre Vorstellungen:
- 1Endzeit beginnt nicht erst mit aktuellen Krisen. Endzeit beginnt mit Jesus.
- 2Endzeit bedeutet nicht nur Katastrophe. Endzeit bedeutet auch Erfüllung.
- 3Endzeit ist nicht einfach Ende. Endzeit ist Übergang zur Neuschöpfung.
- 4Endzeit ist nicht Panikzeit. Endzeit ist Wachsamkeits- und Zuversichtszeit.
Seit dem ersten Kommen von Jesus leben wir in den letzten Tagen. Diese Zeit wird sich zuspitzen. Die Wehen werden spürbarer. Die Turbulenzen nehmen zu. Aber sie führen nicht ins Nichts. Sie weisen auf Gottes neue Welt hin.
Am Ende steht nicht der Untergang, sondern Christus.
Und darum bleibt über allen endzeitlichen Spannungen die grosse Zusage Gottes: «Sieh doch, ich mache alles neu!» (Offenbarung Kapitel 21, Vers 5; HFA).


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