Wie wäre es, «alt genug» für Neues zu sein?

Wann sind wir eigentlich «alt genug»? Alt genug, um gelassener zu werden, Erwartungen loszulassen und Gott neu zu vertrauen? Gedanken zum Älterwerden – und zur überraschenden Hoffnung, dass Gott auch im dritten Lebensdrittel noch Neues schafft.

13.7.2026
5 min
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Alt genug, um das Älterwerden anders zu sehen

«Alt genug» ist nicht nur der Name unseres Blogs, sondern auch der Titel des neuen Buchs der Hamburgerin und Spiegel-Bestseller-Autorin mit dem unaussprechlichen Namen Ildikó von Kürthy. Es ist in diesem Frühjahr erschienen, und wurde heiss diskutiert. Nun ist dieser Blog-Beitrag keine Buchempfehlung, dafür bräuchte es meines Erachtens noch mehr handfeste Impulse. Aber ihr Verdienst ist sicher: Sie hat das Thema «Frauen und Älterwerden» in den Fokus gerückt.

«Auf keinen Fall innerlich jung»

Wie werden wir als Frauen älter, ohne uns zum Beispiel für Falten oder schwächer werdendes Bindegewebe zu schämen? Wie stellen wir uns stattdessen aufrecht hin und sagen: «Ich bin alt genug!»? – und ehrlich gesagt glaube ich, dass das gleichermassen auch für Männer gilt. Vielleicht verhandeln sie es einfach nur stiller für sich.

Von Kürthy schreibt: «Ich kann gar nicht sagen, wie egal es mir ist, wie alt ich aussehe oder ob ich jünger oder älter aussehe, als ich bin. Das interessiert mich nicht mehr. Wenn mir jemand sagt, dass ich freundlich aussehe, dass ich eine liebenswürdige Ausstrahlung habe, dass ich neugierig und lebendig wirke – das sind für mich Komplimente. Was soll das denn heissen, 'innerlich jung'? Ich möchte nicht innerlich jung bleiben. Und zwar auf gar keinen Fall. Als ich jung war, war ich intolerant … Ich war unsicher und gleichzeitig arrogant, ich glaubte, mir zu allem eine Meinung leisten zu können, ich war viel weniger neugierig, als ich es heute bin. Ich glaubte viel mehr zu wissen, als ich tatsächlich wusste. Und heute, wo ich so viel mehr weiss, weiss ich genau, wie viel ich nicht weiss. Ich leiste es mir, zu vielen Dingen keine Meinung zu haben.»

Endlich alt genug?

Wo habe ich es nötig, mir selbst immer wieder einmal zu sagen, dass ich dafür wirklich «alt genug» bin? Und bevor du weiterliest: Was würdest du darauf antworten? Wofür bist du endlich «alt genug»? Beim Nachsinnen sind bei mir folgende Sätze, einer nach dem anderen, aufgetaucht, und vielleicht sind sie viel weniger zufällig, als es auf den ersten Blick aussieht:

Alt genug, …

  • … nicht mehr alles zu glauben.

  • … gut zu überlegen, von wem ich mir etwas sagen lasse.

  • … neue Rollen einzuüben – oder vielleicht etwas kleiner, neue Wege zu probieren, um zu schauen, wo sie mich hinführen.

  • … mein Appell-Ohr einzuwickeln – oder am besten zu verschenken.

  • … um Gott noch einmal von einer neuen Seite zu entdecken.

  • … um für andere zu sorgen – aber mich nicht zu vergessen.

  • … meine «Annika-Seiten» gegen mehr «Pippi-Langstrumpf-Seiten» einzutauschen.

  • … um auf Überraschungen nicht nur gefasst zu sein, sondern sie freundlich zu begrüssen.

  • … um über das, was misslingt, zu lachen – es zumindest leichter zu nehmen.

Alles neu?

Die Skeptikerin in mir fragt sofort: Funktioniert das? Wie viel Neues ist an der Schwelle in das «dritte Drittel» des Lebens tatsächlich möglich? Gleichzeitig kann ich doch sofort sagen, wo ich es besonders nötig habe, dass noch einmal etwas neu wird. Von einer Pfarrerin habe ich gelernt, mich in der Mitte des Jahres noch einmal an die Jahreslosung zu erinnern. In diesem Jahr ist es Offenbarung 21,5: Gott spricht: «Siehe, ich mache alles neu!» Was löst diese Jahreslosung bei dir aus?

Wie oft hat mich diese Zusage schon getröstet? Wo sehne ich mich danach, dass davon endlich etwas sichtbar wird? Gleichzeitig klingt es für mich wie etwas Schönes – aber vielleicht zu schön, um wahr zu sein. Und dann dieses «alles»! Geht es auch ein wenig bescheidener? Aber ich übe mich darin, manche Bibelworte nicht mit meinem Herzen zu lesen, sondern auch einmal gegen mein Herz. Denn das Herz ist oft noch nicht so weit, Dinge richtig zu begreifen.

Hoffen auf Gottes Kraft

Was kann ich entdecken, wenn ich diesem Wort eine Chance gebe? «Siehe, ich mache alles neu!» Wo schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde? Das Überraschende in Offenbarung 21 ist, dass Gott die Erde nicht dem Untergang überlässt, sondern «mit Sack und Pack» aus dem Himmel auf die Erde umzieht. Die neue Erde ist «gottvoll». Darauf zu hoffen heisst, dass Altes durch Neues überwunden wird. Es heisst, auf Gottes neuschaffende Kraft zu hoffen. Es heisst auch, auszuhalten und zu trotzen.

«Alt genug» – für Neues?

Wie kann das sein? – mit 50, 70 oder mehr Jahren. Ich beginne nicht ganz neu, sondern nehme mit, was war. Ich kann mich nicht komplett verändern, und es ist ja auch die Frage, ob das wünschenswert ist. Wäre ich dann noch ich selbst? Meine Identität zu bewahren ist auch eine Aufgabe. Ganz neu anfangen werde ich nicht. Viele Kapitel sind geschrieben – im Buch unseres Lebens. Aber eine neue Seite aufzuschlagen, eine neue Episode zu beginnen – diese Einladung steckt für mich darin. «(…) meine Falten werden tiefer, die Augen schlechter und der Blick schärfer. Manchmal wünschte ich, ich wäre schon früher so alt gewesen wie jetzt. Aber reifen kann man nur mit der Zeit.» (I. von Kürthy)

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