Wie kann man so seine Feinde lieben? – 75 Jahre Pearl Harbour – er leitete den Angriff

8.12.2016
5 min

Am gestrigen 7. Dezember 2016 waren es 75 Jahre her, dass japanische Flieger ihren tödlichen Angriff auf die US-Basis Pearl Harbour starteten. Der Anführer der Kamikaze-Flieger war Mitsuo Fuchida. Er wurde nach dem Krieg von einem, der Christus hasste, zu einem überzeugten Christen.

«Dieser Tag, der 14. April 1950, war der zweite einschneidende und unvergessliche Tag in meinem Leben. Meine totale Sicht vom Leben wurde verändert durch die Intervention des Christus in meinem Leben, den ich immer gehasst und ignoriert hatte. Bald erfuhren auch andere Freunde ausserhalb meiner engeren Familie von meiner Entscheidung, ein Nachfolger Christi zu werden, und sie konnten mich kaum verstehen» Mit diesem persönlichen Bericht fasst Mitsuo Fuchida in seinem Buch «Von Pearl Harbor nach Golgatha» seine Lebenswende zusammen.

Mit 21 Einschusslöchern zurück zur Basis

Vor 75 Jahren, am 7. Dezember 1941, leitete der japanische Pilot Mitsuo Fuchida den Überraschungsangriff auf Pearl Harbor, der Amerika in den Zweiten Weltkrieg katapultierte. Er war von General Yamamoto persönlich für diese Aufgabe ausgewählt worden.

Beim Überraschungsangriff auf Pearl Harbor vor 75 Jahren wurden mehrere Schlachtschiffe der US-Armee und annähernd 200 Kampfflugzeuge zerstört und mehr als 150 beschädigt. Die erste der zwei Wellen wurde von Mitsuo Fuchida angeführt, 183 japanische Maschinen waren daran beteiligt.

Nach der ersten Attacke flogen die anderen Flieger zurück, Mitsuo kreiste im Luftraum weiter um die Zerstörung zu begutachten und den zweiten Angriff mitzuverfolgen. Nachdem der zweite Angriff vollzogen war, meldete Fuchida, dass etliche US-Kampfschiffe vernichtet waren. Darunter die USS Arizona, USS California, USS Nevada, USS Oklahoma und USS West Virginia. Dann kehrte auch Mitsuo in Sicherheit zurück. Seine eigene Maschine war arg ramponiert. 21 Einschüsse verbuchte die feindliche Flugabwehr. Die Hauptsteuerung hing nur noch an einem dünnen Draht – die Schlacht machte ihn zu einem Helden Japans.

Jacob DeShazer tritt auf den Plan

Jahre später wurde sein Leben völlig umgekrempelt, zum Teil durch einen Amerikaner, der während des Krieges sein Feind gewesen war. Der Mann hiess Jacob DeShazer und war ein Kriegsgefangener in Japan gewesen.

De Shazer hatte die Japaner nach Pearl Harbor gehasst; im April 1942 riskierte er sein Leben in einem Rachefeldzug als Teil der sogenannten «Doolittle Raiders», die bei hellem Tageslicht wagemutige Bombenattacken auf Tokio und andere Städte durchführten. Als sein Flugzeug wegen Benzinmangel auf japanischem Territorium notlanden musste, wurde er gefangengenommen. 40 Monate lang liessen ihn die Japaner hungern, schlugen und folterten ihn, was seinen Hass auf alle Japaner nur noch verstärkte. In monatelanger Einzelhaft besann er sich, dass seine Mutter immer gebetet hatte, und dachte, dass es noch etwas anderes als nur Hass geben müsse. Darum bat er seine Wärter um eine Bibel, die er zuerst sehr skeptisch studierte. Aber er beschloss, Christus eine Chance zu geben – und merkte mit Erstaunen, dass sich in ihm etwas zu verändern anfing.

Neue Augen

«Ich merkte, dass Gott mir neue geistliche Augen gegeben hatte; wenn ich die Offiziere, die Wachen und meine Feinde anschaute, die uns so grausam hungern liessen und geschlagen hatten, hatte sich mein bitterer Hass gegen sie in Liebe und Mitleid verwandelt. Ich merkte, dass diese Leute keine Ahnung von dem hatten, der mich gerettet hatte», erinnert sich DeShazer.

Nach dem Krieg kehrte DeShazer als Missionar nach Japan zurück, wo sich seine Wege mit denen von Mitsuo Fuchida kreuzten. Fuchida hatte Respekt vor DeShazer, weil er auch ein wagemutiger Pilot gewesen war.

Wie kann man so seine Feinde lieben?

Gleichzeitig suchte Fuchida Berichte von Kriegsverbrechen, die Amerikaner an seinen Landsleuten verübt hatten. Er begann mit solchen, die als Kriegsgefangene in den Staaten gelebt hatten. Aber anstatt von Verbrechen zu hören, tauchte in den Berichten immer wieder die Geschichte einer Amerikanerin auf, die sich um die Männer in den Internierungslagern gekümmert hatte. Sie brachte ihnen Süssigkeiten, Gebäck und ein kleines Buch, das Neues Testament genannt wurde.

Solche Freundlichkeit verwirrte die Soldaten. Auf die Frage: «Warum behandeln Sie uns so? Immerhin sind wir Ihre Feinde», antwortete sie gewöhnlich: «Wegen des Gebets, das meine Eltern vor ihrer Ermordung als letzte Worte gesprochen haben.» Ihre Eltern hatten als christliche Missionare auf den Philippinen gelebt. Als die Japaner einmarschierten, erschossen sie die Eltern, die zuvor jedoch noch die letzte Gelegenheit ergriffen, ihre Herzen vor Gott auszuschütten. Und nun erklärte die Tochter ihre Freundlichkeit mit eben diesem Gebet ihrer Eltern. Den Inhalt des Gebets ihrer Eltern hatte sie den japanischen Gefangenen jedoch nie mitgeteilt.

Das hatte er nicht gesucht

So etwas war wohl kaum die Art von Beweisen, die Fuchida suchte! Er wollte Berichte von Misshandlungen, statt dessen tauchte in den Berichten immer wieder diese Geschichte auf.

Eines Tages besorgte sich Fuchida ein Neues Testament. Er war neugierig. Er las das Matthäus-Evangelium; es liess ihn aber kalt. Er las das Markus-Evangelium; aber es bewegte ihn ebensowenig. Als er aber in der Bibel an Lukas, Kapitel 23, Vers 34 kam, las er: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!»,und da erkannte er: «Das ist das Gebet, das jene Missionare sprachen, bevor sie umgebracht wurden.»

Mitsuo Fuchida tat auf der Stelle Busse wegen seiner Sünden und beschloss, diesem Jesus nachzufolgen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1969 reiste er durch viele Länder und verkündigte diesen Christus, der alle Grenzen von Hass überwinden kann.

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