Inneren Frieden gefunden – Als der Sohn des Scheichs dem Christentum eine Chance gab

Mann in Syrien
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Mann in Syrien
10.9.2021
4 min

Ausgerechnet Anwar (Name geändert) gab dem Christentum eine Chance. Ein bemerkenswerter Entscheid: Er ist der Sohn eines Scheichs – einer hochrangigen Persönlichkeit.

Der 25-jährige Anwar lebte in einem Dorf von rund 700 Menschen, dem Vorort einer syrischen Stadt. Es ist alawitischer Herkunft, einer Strömung des schiitischen Islam. Sein Vater ist Scheich, er hat die Aufgabe, Gebete, Beerdigungen und Eheschliessungen zu leiten und die Scharia oder das islamische Recht anzuwenden.

Anwar erhielt von seinen Eltern und seiner Gemeinschaft beigebracht, dass er nicht mit Christen befreundet sein dürfe, da sie Ungläubige seien. Als Teenager verspottete Anwar einen christlichen Klassenkameraden, der versuchte, mit ihm über Christus zu sprechen, und machte sich über ihn lustig.

Keine Hoffnung und Zukunft mehr

Als vor zehn Jahren der Krieg in Syrien begann, fand sich Anwar in einer Phase der Einsamkeit und Depression wieder, ohne Hoffnung für die Zukunft. Sein körperlicher und geistiger Gesundheitszustand verschlechterten sich zusehends, und er begann, Selbstmordgedanken zu hegen.

In diesen dunklen Tagen machte ihn ein christlicher Freund mit dem Christentum bekannt. Obwohl er sehr skeptisch war, beschloss Anwar, dem Glauben seines Bekannten eine Chance zu geben.

«Er brachte mir bei, wie man betet. Ich ging in mein Zimmer und ich erinnere mich, dass ich dachte, ich sei verrückt, weil ich mit mir selbst sprach. Zuerst änderte sich nichts. Aber nach einer Weile verlangte mein Inneres danach, Jesus kennenzulernen. Ich fing an, Videos anzuschauen, Anbetungslieder und Predigten zu hören. Den Selbstmord habe ich völlig vergessen.»

«Du hast keine Ehre»

Er versuchte, seine Veränderung zu verbergen. Die Angst, dass seine Familie es herausfinden könnte, beschäftigte ihn ständig. «Wenn sie dies herausfänden, wäre ich in Gefahr, man könnte mich töten, aus dem Haus werfen, mir mein Erbe wegnehmen und mich verleugnen.»

Es stellte sich jedoch bald heraus, dass er heimlich an Gottesdiensten teilnahm. Da er der Sohn eines Scheichs war, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und erreichte auch seine Eltern.

«Komm nie wieder hierher zurück», hörte er seine Schwester am Telefon zu ihm sagen. «Meine Mutter liegt deinetwegen im Krankenhaus. Du bist nicht mehr mein Bruder. Du hast keine Ehre.» Dann legte sie auf.

Gepackte Taschen vor der Tür

Nach dem Telefonat ging Anwar weg, um an einer christlichen Konferenz teilzunehmen. Als er nach Hause zurückkehrte, sah er sein Zimmer ausgeräumt, seine Taschen gepackt und vor die Tür gestellt. Sein Bruder rief ihn an und forderte ihn auf, sofort das Haus zu verlassen.

Anwar wusste nicht, wohin er gehen sollte. Sein christlicher Freund brachte ihn mit einer christlichen Gemeinde in Verbindung, die mit Open Doors zusammenarbeitet und ein Zentrum der Hoffnung beherbergt: eine Einrichtung, die bedürftigen Christen Unterstützung bietet. Über die Kirche konnte Anwar ein Zimmer mieten und bekam einen Job als Englischlehrer im Zentrum. Er organisiert auch Aktivitäten für Kinder, unterrichtet sie über das Christentum und bietet ihnen geistliche Unterstützung.

Ein neuer Start

«Das Zentrum der Hoffnung gab mir einen neuen Anfang, nachdem meine Familie mir fremd geworden war. Ich hatte nichts, wo ich hingehörte, ich war allein. Jetzt habe ich in der Kirche eine neue Familie kennengelernt, die mich für das entschädigt hat, was ich verloren hatte. Wenn es das Zentrum nicht gäbe, wäre ich wohl obdachlos, hungrig und allein.»

Es gibt 40 Zentren der Hoffnung in Syrien und Dutzende weitere im Irak. In den Zentren der Hoffnung vermitteln die lokalen Partner von Open Doors ihren Gemeinden Hoffnung und Hilfe. Einige sind in Kirchengebäuden untergebracht, andere in kostengünstigen, neu errichteten Gebäuden und wieder andere in ungenutzten Gebäuden.

Anwar ist in Sicherheit und glücklich, hofft aber immer noch, dass er die Verbindung zu seiner Familie wiederherstellen kann und von ihr akzeptiert wird: «Ich bete immer noch für ein Wunder für meine Familie, damit ich wieder so eng mit ihr verbunden bin wie früher, aber wo ich jetzt bin, ist ein grosser Trost für all meinen Verlust.»

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