Wer war Paulus? – Apostel, Bibelautor, Märtyrer

Statue des heiligen Paulus auf dem westlichen Giebel der St. Paul Catherdral
Pixabay / rendangwarisan
Statue des heiligen Paulus auf dem westlichen Giebel der St. Paul Catherdral
Der Name Paul liegt bei Eltern in Deutschland derzeit hoch im Kurs. Doch wer war der Namensgeber eigentlich und was haben wir ihm bis heute zu verdanken? Wir haben uns schlau gemacht...
14.8.2023
3 min

Der Name Paul kommt ursprünglich aus der Bibel und findet sich dort in seiner lateinischen Form Paulus. Der Apostel Paulus gilt als eine der wichtigsten und einflussreichsten Personen des christlichen Glaubens. Er verfasste 13 von 27 Büchern des Neuen Testaments. Seine Briefe prägten die frühe Kirche und lehrte sie, den christlichen Glauben ganz praktisch zu leben. Spannend ist, dass er eigentlich glühender Gegner der Christen war, bis er eine Begegnung hatte, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellte...

Paulus – ein Mann der Extreme

Geboren wurde der Apostel mit dem Namen Saulus. Er wuchs in Tarsus auf, der heutigen türkischen Provinz Mersin. Seine Eltern und er selbst waren doppelte Staatsbürger: Juden aus dem Stamm Benjamin und Römer. Saulus war hoch gebildet und ein einflussreicher Mann mit guten Verbindungen. Er war stolzes Mitglied der Pharisäer, einer religiösen Elite, die sich strikt an alle jüdischen Regeln in ihrer strengsten Form hielten. Und er war mit aller Gewalt gegen Christen.

Das erste Mal taucht Saulus in der Apostelgeschichte, Kapitel 7 und 8 auf. Dort wird beschrieben, wie einer der frühen Christen wegen seines Glaubens von den jüdisch-religiösen Führern gesteinigt wird. Auch Saulus ist dabei. «Die Männer, die das Urteil vollstreckten, legten ihre weiten Umhänge ab und gaben sie einem jungen Mann, der Saulus hiess. (…) Saulus hatte die Steinigung des Stephanus mit Genugtuung angesehen. Noch am selben Tag setzte eine schwere Verfolgung der Christen in Jerusalem ein. (…) Saulus aber setzte alles daran, die Gemeinde Jesu auszurotten. Er schleppte die Christen aus ihren Häusern und liess sie – Männer wie Frauen – ins Gefängnis werfen.»

Die 180-Grad-Wende

Saulus war so voller Eifer, diese neue christliche Bewegung auszuschalten, dass er auch in Damaskus Christen festnehmen lassen wollte. Doch auf dem Weg dorthin geschah etwas, das sein Leben völlig veränderte und noch bis in die heutige Zeit Auswirkungen für uns hat. Kurz vor Damaskus umgibt Saulus plötzlich ein gleissendes Licht. Er stürzt zu Boden und hört eine Stimme, die sagt: «Saul, Saul, warum verfolgst du mich?» Darauf will er wissen, wer mit ihm spricht und bekommt die Antwort: «Ich bin Jesus, den du verfolgst!» Als Saulus sich wieder aufrappelt, ist er blind. Seine Begleiter sind starr vor Schreck, denn auch sie haben die Stimme gehört und führen Saulus nach Damaskus, wo er drei Tage lang nichts sehen kann. Er will weder essen noch etwas trinken.

Dann schickt Gott den Christen Ananias zu ihm, der ihm die Hände auflegt. Saulus wird dadurch vom Heiligen Geist erfüllt und kann wieder sehen. Er lässt sich taufen, nennt sich von da an Paulus und setzt sich mit seinem ganzen Leben dafür ein, die Botschaft von Jesus auch Nichtjuden zu verkündigen.

Was wir Paulus bis heute verdanken

Es war Paulus, der den christlichen Glauben bis nach Europa brachte. Und dafür schreckte er vor nichts zurück. Wegen seines Glaubens wurde er zwei Mal gesteinigt – und doch überlebte er. Er wurde mehrmals ausgepeitscht und verprügelt, landete im Gefängnis und wurde schliesslich in Rom hingerichtet.

Weil Paulus viele Jahre im Gefängnis sass und deswegen die frühen Gemeinden nicht besuchen konnte, schrieb er Briefe, die uns bis heute prägen. Sie machen grosse Teile des Neuen Testaments und damit des christlichen Glaubens aus. Zum Beispiel beschreibt Paulus, dass man Gott nicht durch das Einhalten von Geboten beeindrucken kann, sondern dass Jesus allein den Weg zu Gott frei gemacht hat. Jesus steht bei Paulus im Zentrum, sowie die bedingungslose Liebe und Gnade Gottes.

Durch diese Schreiben gilt Paulus auch unter Philosophen als eine der einflussreichsten Gestalten des Christentums. Und: Als einer der grössten Denker der Weltgeschichte.

Dieser Artikel erschien bereits 2018 bei Livenet

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