«Ohne Glauben kaum zu erklären» – Bonhoeffer: Warum leistete er Widerstand?

Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden 1932 in Friedrichsbrunn
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Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden 1932 in Friedrichsbrunn
2.1.2023
3 min

«Mit Zuversicht und Gottvertrauen setzte sich der Theologe Dietrich Bonhoeffer gegen die Barbarei des Dritten Reiches zur Wehr.» Markus Somm erklärt in der «Sonntagszeitung», was ihn – als einen von wenigen – dazu motivierte.

Er schrieb seiner Verlobten kurz vor Weihnachten 1944 einen Brief aus dem Gefängnis in Berlin und fügte ein Gedicht bei, besser: «Ein Gebet zum Ende eines schlimmen Jahres», beschreibt «Nebelspalter»-Chefredaktor Markus Somm in einer Kolumne in der Sonntagszeitung vom 25. Dezember die Entstehungsgeschichte des bekanntesten Textes von Dietrich Bonhoeffer: «Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.»

Mag kommen, was da will

«Als Bonhoeffer das schrieb, musste er befürchten, dass er schon am nächsten Tag tot sein würde, umgebracht von einem Gefängniswärter oder einem Erschiessungskommando der SS», schreibt Somm weiter, «und dennoch kenne ich kaum einen Text, der sich, unter so schweren Umständen entstanden, so leicht anfühlt: Zuversicht und Gottvertrauen. Mag kommen, was da will. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es Gott gibt, dann bestünde er in dessen Wirkung auf den Menschen in Not: Niemand tröstet so unendlich, niemand bringt die besten Seiten des Menschen zum Vorschein wie Gott, niemand macht ihn schöner und gibt ihm mehr Würde.»

Ohne Glauben kaum zu erklären

Bonhoeffer hatte ziemlich von Anfang an klar Stellung gegen die Nazis bezogen. Seine Inhaftierung war auf Dauer unvermeidlich. Als er den Text schrieb, hatte er seit mehr als einem Jahr «in diversen Kerkern der Nazis» gesteckt, «er war gedemütigt, verhört und sicher auch gefoltert worden». Er kam nie mehr frei. «Warum wehrte sich Bonhoeffer – als einer der wenigen Deutschen – gegen die Barbarei?», fragt Somm und gibt selbst die Antwort: «Ohne seinen Glauben ist das kaum zu erklären. Gewiss, auch er wartete zunächst ab, und doch ist es erstaunlich, wie früh er einsah, dass man als Christ nicht im Dritten Reich leben konnte, ohne Christus selbst zu verraten.» Bonhoeffer hatte schon früh erkannt: «Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn auch für unsere Kirche wieder Zeiten kommen werden, wo Märtyrerblut gefordert werden wird.»

Nicht fliehen

Bonhoeffer verliess 1933 Deutschland, um in London eine Pfarrstelle zu übernehmen – so hätte er als einer, der nicht zu den gleichgeschalteten «deutschen Christen» gehören wollte, der Gefahr entgehen können. Aber 1935 kehrte er nach Deutschland zurück – nicht zuletzt auf den Ruf des Schweizer Theologen Karl Barth hin, der allerdings selbst von Bonn nach Basel, also in die sichere Schweiz, wechselte. Barth bereute es später, Bonhoeffer zur Rückkehr geraten zu haben.

Mehrmals aufgehängt

Somm beschreibt das Ende Bonhoeffers: «Am 5. April 1945, vier Wochen vor Kriegsende, ordnete Hitler an, alle Widerstandskämpfer noch hinzurichten. Torschlusspanik. Nach einem Standgericht, das allen rechtsstaatlichen Grundsätzen Hohn sprach, wurde Bonhoeffer am 9. April im KZ Flossenbürg erhängt. Vorher hatte man ihn nackt ausgezogen. Die Hinrichtung dauerte sechs Stunden, da man Bonhoeffer, jedes Mal, wenn er am Ersticken war, vom Galgen nahm, worauf ein Arzt ihn wiederbelebte. Dann hängte man ihn noch einmal – und noch einmal.

«Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.»

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