Kulturmanager Gaetano Florio – Der mit dem Rolf tanzt

30.8.2017
4 min

Rolf ist nahezu ein Synonym der Schweizer Kulturszene geworden. Da gibt's den Rolf Knie, Rolf Hermann und sogar das Duo «ohnerolf». Gaetano Florio bewegt sich seit Jahrzehnten im Kultur-Kuchen und hat selber einiges bewegt. Der Kulturszene wünscht er mehr Originalität.Wenn Bässe wummern, das Schlagzeug rattert und das Scheinwerferlicht die Künstler auf der Bühne hervorhebt, ist er nicht weit weg. Sein beruflicher Lebenslauf deutet schon auf seine Leidenschaft hin: Kultur- und Eventmanagement, Veranstaltungsfachmann und Erwachsenenbildner. Gaetano Florio atmet und lebt Musik.

Gegenüber Livenet erzählt er, wie er zu dieser Berufung kam: «Als ich achtjährig war, schleppte mich meine Mutter an ein Konzert von Edoardo Bennato, und nacher sagte ich ihr nur, dass ich auch Teil von diesem Ganzen sein möchte. Ich war elektrisiert und ging dieser Leidenschaft nach; selber weniger begabt im Musikmachen, wechselte ich bei meiner eigenen Band ins Organisatorische und blieb bis heute diesem Gebiet treu.»

Ein Rollingstone der Schweizer Kulturszene

In seiner mittlerweile über 30-jährigen Karriere als Manager im Showgeschäft blickt er auf eine Zeit zurück, in der er unter anderem für klingende Namen wie das Sanremo-Festival, Moon and Stars Festival, das legendäre Glastonbury Festival, U2, die Rolling Stones sowie Paul McCartney tätig war. 2016 kam er zum «Im Fluss»-Festival in Basel, wo er seit Februar als Produktionsleiter amtet und ab diesem Herbst auch für das Programm verantwortlich ist. Nebst anderen managt er auch die komplette Tourneeplanung der «Famiglia Dimitri – Dimitrigenerations»; dies ist ein Mandat von «Profile Productions», wobei er selber bereits jahrelang mit dessen Kopf Jean-Daniel von Lerber befreundet ist.

Gerne gibt er auch sein Fachwissen weiter; «60 Jahre Populär-Musikgeschichte», «Musik und Recht» oder «Musikproduktion von der Songidee bis zur CD im Regal», um nur ein paar Themen zu nennen. An der TBZ (Technischen Berufsschule Zürich) unterrichtet er an der vierjährigen beruflichen Grundbildung zu Veranstaltungsfachfrau-/mann EFZ «Produktionsmanagement».

Achtung: seichte Worshipwelle

«Zu denken gibt mir die dahin plätschernde Worshipwelle: hochgradig kommerzialisiert, seicht-einfältige Texte und eindimensionale Arrangements, sodass es niemandem wehtut und nichts dabei passiert. So habe ich miterlebt, dass gestandene und etablierte Musiker der christlichen Musikbranche in ihrer Existenz bedroht wurden, weil sie sich weigerten, auf die Worshipwelle aufzuspringen und somit weniger gebucht wurden und auch weniger CDs verkauften. Über die Entwicklung in diesem christlich-motivierten Kulturschaffen mache ich mir ernsthafte Sorgen», so Gaetano Florio zum aktuellen Geschehen.

Mut zum Originalsein

Sein Herz schlägt gleichzeitig dafür, Künstler-Originale zu fördern und christliche Künstler in der säkularen Szene zu integrieren: «Ich trenne nicht so zwischen christlich motivierten Musikern und anderen; es gibt ja auch keine christlichen Brötchen, nur weil der Bäcker Christ ist, sondern es gibt gute und schlechte Brötchen. Man erinnere sich nur zum Beispiel an den legendären Auftritt von Patent Ochsner am Gurtenfestival 2015; wer dabei war, wird den Gänsehautmoment beim Lied 'Venus von Bümpliz', als der ganze Gurten mitsang, nie mehr vergessen. Die Band und die Menschen waren eins. Momente, die ich mir auch in Kirchen und Gemeinden wünschen würde.»

Gaetano Florio plädiert für wieder mehr Herzblut bei den Künstlern, wie zum Beispiel damals die Hippies, die mit kreativer Flowerpower die ganze Welt verändern wollten; woraus, unter anderem, der Musiker Barry McGuire hervorging. Oder die Punkmusik schrie in die Welt: «Es ist nicht wichtig, ob du ein Instrument spielen kannst, sondern wenn du etwas zu sagen hast, geh auf die Bühne.»

Dann zitiert Florio den Musiker David Byrne (Talking Heads): «In einer postmodernen Zeit sind die Künstler die Hohepriester unserer Gesellschaft.»

Und zum Schluss formuliert er seinen Wunsch an die Kulturszene so: «Die Kulturschaffenden sollten weniger nach dem Absatzmarkt gelüsten und dafür wieder mehr auf ihr Herz, Leidenschaft und Seele hören und daraus wirken!»

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