Elsbeth wuchs im Oberthurgau in der Ostschweiz auf. Ihren Mann lernte sie schon früh kennen, mit 21 Jahren heirateten sie. «Mein Mann und ich waren schon damals mit Jesus unterwegs. Wir hatten es stark auf dem Herzen, für Gottes Mission in dieser Welt zu leben – dafür, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, Jesus kennenzulernen», erzählt sie.
Ihr gemeinsamer Einsatz begann beim Missions- und Hilfswerk «OM» (Operation Mobilisation), für das sie bis heute tätig sind. Zunächst arbeiteten sie fast vier Jahre auf verschiedenen Schiffen der Organisation. In dieser Zeit führte ihr Weg sie zunehmend in die arabische Welt. «Wir hätten nie gedacht, dass die islamische Welt unser Einsatzort werden würde. Wir empfanden diese Aufgabe als zu schwierig und fühlten uns dafür nicht qualifiziert», erinnert sich Elsbeth. Es fehlte ihnen damals an vertiefter theologischer Ausbildung und Erfahrung in der interkulturellen Arbeit. Elsbeth war überzeugt, dass es für einen solchen Einsatz hoch qualifizierte Fachleute brauchte. Doch der Ruf, den sie verspürten, war stärker als ihre Zweifel.
Die Frage nach einer kinderlosen Ehe
Schon früh mussten sich Elsbeth und ihr Mann mit der Möglichkeit auseinandersetzen, keine eigenen Kinder zu bekommen. Sie beteten immer wieder dafür und wurden auch von Menschen in ihrem Umfeld darin unterstützt.
Viele Jahre lebten sie in der arabischen Welt. Dort hatte das Thema auch Einfluss auf Elsbeths Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Kinder haben in diesem kulturellen Umfeld einen hohen Stellenwert. Frauen ohne Kinder geniessen oft wenig gesellschaftliche Anerkennung. Manche leben zudem in der Angst, ihr Mann könnte sie verlassen und eine andere Frau heiraten.
«Bei praktisch jedem Besuch bei Nachbarinnen war das Thema präsent», erinnert sich Elsbeth. Das sei herausfordernd gewesen, habe ihr aber auch immer wieder Gelegenheit gegeben, die Liebe Jesu weiterzugeben und von seiner Botschaft zu erzählen.
Eine Begegnung mit Jesus als Wendepunkt
Eines Tages nahmen sich Elsbeth und ihr Mann mehrere Tage Auszeit. Neben Erholung blieb viel Zeit für Gebet und Begegnungen mit Jesus. Eine dieser Gebetszeiten ist Elsbeth besonders in Erinnerung geblieben.
«Jesus zeigte mir, dass mich die Last der Kinderlosigkeit zerdrückt. Wir hatten sie im Gebet schon oft abgegeben, doch sie blieb. An diesem Tag machte er mir deutlich, dass ich ihm diesen tiefen Wunsch wirklich überlassen darf. Er fragte mich: ‹Vertraust du mir?›»
In dieser Zeit beschäftigten Elsbeth auch Worte aus dem Alten Testament. In Jesaja heisst es:

«Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.»
Jessaja 53,5
LUT
Auch die Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium wurden für sie zu einer Ermutigung:

«Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.»
Johannes 10,10
SLT
Elsbeth entschied sich, Jesus zu vertrauen. «Ich erlebte darauf eine innere Freiheit», erzählt sie. «Ich wusste noch immer nicht, ob Jesus unseren Wunsch nach Kindern erfüllen würde. Aber das war nicht mehr so entscheidend. Plötzlich konnte ich mich wieder von Herzen an den Kindern anderer erfreuen.»
Offene Türen für den Dienst
Mit der neuen Perspektive konnte Elsbeth ihren Alltag und ihren Dienst anders gestalten. In der arabischen Welt öffneten sich plötzlich Türen, die mit eigenen Kindern aus Sicherheitsgründen kaum möglich gewesen wären. In manchen Ländern war die Lage zu angespannt.
Elsbeths Begegnung mit Jesus blieb nicht einmalig. Immer wieder stellte Gott sie vor dieselbe Frage:
«Kannst du mir vertrauen?»
Gerade in schwierigen und gefährlichen Situationen ihrer Missionstätigkeit entschied sie sich dann, genau dies zu tun. Dabei erlebte sie immer wieder tiefen Frieden – auch wenn die äusseren Umstände herausfordernd blieben.

Fast 40 Jahre bei OM
Im Rückblick erlebt Elsbeth ihren Weg als reich beschenkt, auch wenn ihr Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt blieb. «Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir eine Begegnung mit Gott brauchen», erzählt sie.
«Wir dürfen ihm neu unser Vertrauen schenken und uns entscheiden, ihm in jeder Lebensphase nachzufolgen und dort zu wirken, wo er uns haben möchte.»
Dieses Vertrauen prägte auch ihren Dienst. Zu Beginn waren Elsbeth und ihr Mann finanziell noch nicht vollständig unterstützt. Über die Jahre erlebten sie jedoch, wie sie nicht nur selbst versorgt wurden, sondern sogar Geld an andere weitergeben konnten. Bis heute sind sie in dieser Funktion bei OM tätig – mit derselben Begeisterung und Freude wie zu Beginn ihres gemeinsamen Weges.





