Afro-amerikanischer Zamperini – Er dachte, dass er seinen 27. Geburtstag nicht erleben würde

17.5.2016
3 min

Eingekreist von Maschinengewehr-Feuer dachte Willie N. Rogers, dass er seinen 27. Geburtstag nicht mehr erleben würde. Vor kurzem feierte er nun seinen 101. Lenz. In St. Petersburg, Florida ist der gläubige Christ ein lokaler Held.

Er erhielt schon vor einiger Zeit den symbolischen Schlüssel zur Stadt und zu seinem Geburtstagsfest erschienen Massen, darunter Politiker, im «St. Pete's Museum of History». Alt und jung nennen ihn einfach «Mister Rogers». Willie N. Rogers sagt jedoch, dass er nichts Besonderes sei. «Grossvater und Vater lehrten mich und meinen Bruder Roy: 'Du bist nicht besser als irgendjemand anderes. Und niemand anderes ist besser als du.'»

Doch nur wenige haben ein Leben wie Willie N. Rogers, nur wenige leben überhaupt so lange. Erst vor wenigen Wochen überraschten ihn seine Freunde mit einem öffentlichen Fest zu seinem 101. Geburtstag. «Ich hatte nicht die leiseste Ahnung davon; ich dachte, dass ich meine Schwester besuchen gehen werde.» Gertrude Glover ist mit 92 Jahren die einzige seiner Geschwister, die noch am Leben ist.

«Die Kirche von Mister Rogers»

Das Alter scheint den Senior nicht zu bremsen. Er lebt noch immer eigenständig, zeigt einen scharfen Verstand und liest täglich in der Bibel. Ausserdem ist er – mit einem Stock – noch immer gut zu Fuss unterwegs. Einmal pro Woche läuft er in seine Gemeinde, eine Methodisten-Kirche, die nur wenige Hundert Meter von seinem Haus entfernt ist. Diese besucht er seit rund 70 Jahren, fast so lange, wie er in St. Petersburg in Lakeland lebt. Die Gemeinde ist auch die älteste afro-amerikanische Gemeinde und er das älteste Kirchenmitglied.

Der neue Pastor, Kenneth F. Irby, erinnert sich an die Reaktion, als er mit jemandem darüber sprach, dass er in der «Bethel A.M.E. Church» Prediger werde: «Ah, das ist die Kirche, in die Mister Rogers geht!»

«Nicht wie ein Feigling sterben»

Willie Rogers kam am 4. März 1915, rund ein Jahr nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges, zur Welt. Die USA zählte damals rund 100 Millionen Einwohner, weniger als ein Drittel der heutigen Bewohner des Landes. 1942 wurde er in die Armee eingezogen; bald diente er in den Luftstreitkräften mit dem Ziel, im Zweiten Weltkrieg in Übersee eingesetzt zu werden. Er diente in der Tuskegee-Airmen-Einheit.

In einer Situation war er vom feindlichen Feuer eingekesselt, er dachte, dass er nicht überleben und seinen 27. Geburtstag nicht mehr erleben werde. «Ich dachte: 'Wir werden ohnehin getötet. Also will ich nicht wie ein Feigling umkommen.'» Rogers entkam, wurde aber von einer Kugel eines deutschen Soldaten im Bauch getroffen. «Während drei Monaten lag ich in einem Spital in London.»

Erst vor kurzem hörte seine Familie davon. «Er hat nie davon erzählt», erinnert sich Veronica Williams, die ältere seiner beiden Töchter.

Das Geheimnis

«Seine Liebe für die Menschen und für Gott motiviert unsere Jugendlichen», hält Pastor Kenneth F. Irby fest. Obschon neun Jahrzehnte Altersunterschied vorlägen, seien die Grosskinder begeistert, ihn zu kennen.

Und für sein langes Leben gibt es ein Geheimnis: «Gott lieben und nach der goldenen Regel leben: Die Leute so behandeln, wie man selbst behandelt werden will.»

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