Montell Jordan – Er gab seine Musikkarriere auf, um Lobpreisleiter zu werden

6.3.2017
5 min

Er sang die 1990er-Hymne «This is how we do it»: Montell Jordan. Vor sieben Jahren kehrte er dem Musik-Business den Rücken. Heute steht er als Pastor auf der Kanzel. In seiner Karriere erlebte er Wunder – so etwa, als er von der Bühne stürzte und die Band «Boys II Men» zusammen mit 13'000 Fans für ihn betete.

Im Jahr 2010 habe er gespürt, dass er berufen sei, in den christlichen Dienst zu treten. Doch er habe eine gewisse Zurückhaltung gespürt, als er begann, für die «Victory World Church» in Norcross im US-Bundesstaat Georgia als Worship-Leiter zu wirken. Die christliche Gemeinde im 17'000-Seelenort zählt 10'000 Besucher.

«An meinem zweiten Arbeitstag lag auf meinem Bürotisch eine Plakette. Darauf stand: 'Pastor Montell Jordan' und mich dünkte: 'Oje, da hat jemand einen grossen, grossen Fehler gemacht.' Sie haben einen R&B-Musiker angestellt, um sie musikalisch als Worship-Leiter anzuführen.»

«Pastor, und das ist gut so»

So sprach er in der Personalabteilung vor und erzählte, dass da wohl ein Missverständnis vorliege. «Ich sagte: 'Da muss ein Fehler unterlaufen sein, ich bin nicht Pastor.' Doch mein Gegenüber sagte: 'Oh doch, du bist Pastor, du bist hier in einer pastoralen Funktion. Du kannst Leute vermählen, beerdigen und taufen. Das ist ein Pastoral-Job.'»

Es habe noch mehrere Monate gedauert, bis es für ihn normal geworden war, Pastor genannt zu werden. Inzwischen sagt er: «Es ist eine grosse Aufgabe. Und nun bin ich 'Pastor Montell' und das ist gut so.»

Worte bedeuten viel

Bevor er Pastor wurde publizierte Montell Jordan sieben Alben, drei davon erreichten Gold-Status, eines sogar Platin. Als er jedoch vor Jahren hinter der Bühne des Arizona-State-Fair-Stadions stand und auf seinen Auftritt wartete, fragte er sich, ob er auf dem richtigen Weg ist. Und ob ihn die Musik-Industrie in gleichem Masse liebte wie er sie. Die Halle fasste 3'000 Leute, sieben waren erschienen, einer davon war sein Manager.

«Mir kam in den Sinn, dass ich zu Beginn meiner Karriere Gott versprochen hatte, ob es 70'000 oder sieben sind, ich gebe mein Bestes.» Er wickelte das ganze Konzert ab. «Gott zeigte mir da, dass Worte mehr bedeuten, als man denkt.»

Der innere Konflikt

«Gott zeigte mir, dass ich in etwas verliebt war, das mir keine Liebe gibt. Es war eine Beziehung, in der von der einen Seite alle Liebe kam, aber von der anderen Seite keine kam.» Gegen Ende 2010 beendete er seine Laufbahn.

Heute stellt er sein ganzes Talent in die Sache Gottes, in seiner Heimatgemeinde. Diese hatte ihn bereits während seiner R&B-Karriere verschiedentlich angefragt, ob er in der Gemeinde singen würde, doch er lehnte stets ab. Immerhin waren seine Songs nicht gerade die heiligsten, weswegen in ihm ein innerer Konflikt wütete.

«Eines Tages … »

«Schon in meiner Kindheit spürte ich, dass ich für den christlichen Dienst berufen war», sagt Jordan mittlerweile. «Ich hatte nur nie auf diesen Ruf geantwortet. Viele hatten mir in der Kindheit gesagt: 'Montell, eines Tages wirst du Pastor sein.' Ich antwortete jeweils: 'Bestimmt nicht. Nichts in mir will das.'»

Obschon er schon in seiner Jugendzeit Christ geworden war, wollte er Karriere im Musik-Business machen, auch wenn seine moralischen Grundsätze oft erprobt wurden. Er liebte Gott und versuchte, bei seinen Grundsätzen keine Kompromisse einzugehen. «Es ist schwierig, Glauben zu haben in einer glaubenslosen Industrie.» Und so habe sein Lebenswandel nicht das reflektiert, was er eigentlich wollte.

Doch trotz aller Versuchungen verleugnete er Gott nicht. «Gott hat zu mir gehalten und mich durchgetragen.»

«Boys II Men» beteten

Er erinnert sich an einen Unfall, bei einem Konzert mit «Boys II Men», mit denen er 1996 tourte. Es schien, als würde etwas explodieren, mehrere Leute auf der Bühne hielten sich die Ohren zu und rannten weg, Jordan tat es ihnen gleich. In der Eile fiel er von der rund zwei Meter hohen Bühne auf den Kopf. «Boys II Men» hörten umgehend zu spielen auf, die Bühnenlichter gingen an.

«Die Gruppe wusste nicht, was sie nun vor den 13'000 Fans tun sollte und so beteten 'Boys II Men' mit dem Publikum, dass mein Leben gerettet wird, während ich von der Ambulanz ins Spital gefahren wurde.»

Jordan hatte nichts gebrochen. Ausser der einen und anderen Wunde war er unverletzt. «Es war ein modernes Wunder. Ich glaube, dass mein Leben gerettet wurde, weil die 13'000 Leute für mich beteten. Ich sage stets: 'Boys II Men' retteten mein Leben.»

Neustart im Musikbusiness

«Ich war in Australien, ich war in tollen Restaurants, ich war auf Privatinseln, ich traf Regierungsbeamte, doch Gott sagte mir, dass er mir Dinge zeigen werde, die das alles weit übertreffen würden.»

2010 offerierte ihm Dennis Rouse, der leitende Pastor der Gemeinde, die Stelle als Worship-Pastor – ohne zu wissen, dass Jordan gerade daran war, seine Musiker-Laufbahn zu beenden.

Mittlerweile nimmt Montell Jordan wieder Alben auf. Mit Musikern seiner Gemeinde, bekannt unter dem Namen «Victory World Music». Und seine Vergangenheit gebe ihm die Gelegenheit, an Orte zu gehen, die andere Pastoren nicht erreichen können.

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